Er ist äußerst ehrgeizig und will einiges anders machen: Der ehemalige Investmentbanker und Oberliga-Torwart Philip Holzer soll am Dienstag zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden von Eintracht Frankfurt gewählt werden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Holzer neuer Eintracht-Aufsichtsratschef

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Das Torwart-Thema ist genau seins. Nicht nur, weil Philip Holzer in Zukunft als Aufsichtsratsvorsitzender von Eintracht Frankfurt etwaige kostenintensive Personalentscheidungen in Sachen Kevin Trapp oder Frederik Rönnow mit seinem Gremium absegnen muss. Als ehemaliger Oberliga-Torwart der Spielvereinigung Bad Homburg 05 hat Holzer auch ein besonderes Gespür für dieses Thema.

Eintracht Frankfurt: Debatte um Stammtorwart Kevin Trapp

Und so wird der 54-Jährige in den vergangenen Wochen die Diskussionen um Eintracht-Stammtorwart Trapp mit großem Interesse und wahrscheinlich auch mit einigem Ärger verfolgt haben. Sein Vorgänger im Amt des Aufsichtsrats-Bosses, Wolfgang Steubing, der nach fünf Jahren abtritt, hatte die Trapp-Debatte mit einem Bild-Interview Mitte Juli losgetreten, indem er einen Verkauf von Trapp aus finanziellen Gründen nicht ausgeschlossen hatte.

Solche Interviews oder öffentliche Statements zum wirtschaftlichen und vor allem sportlichen Alltags-Geschäft bei der Eintracht wird es von Holzer wohl nicht geben. Er gilt als scheu, ist keiner, der gerne im Rampenlicht steht. Holzer wird sich, nach einigen Statements direkt nach seiner voraussichtlichen Wahl am Dienstag, wesentlich stärker zurücknehmen als sein Vorgänger Steubing. Eine Fortführung der Debatte um Trapp wird es von Holzer schon allein deshalb nicht geben, weil er als Trapp-Unterstützer gilt.

Holzer: vom Studium bis zum Investment-Job ein Frankfurter

Holzer ist Frankfurter, wenn auch ein in München geborener. Holzer studierte von 1986 bis 1992 Betriebswirtschaftslehre an der Goethe-Universität, arbeitete danach als Investmentbanker in New York, London und Frankfurt, von 2009 bis 2014 bei der Investmentbank Goldman Sachs als Vorstand und Co-Chef für Deutschland, der Schweiz und Österreich. Holzer kennt sich also mit dem großen Geld aus, spricht fließend Englisch, weitere Sprachen gut.

Auch die Medien sind ihm alles andere als fremd. Sein Vater Werner war von 1974 bis 1992 Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, schon als Bub sprang Philip in der Redaktion herum und wurde von Reportern mit ins Stadion genommen, womit auch seine Begeisterung für die Adlerträger geklärt wäre. Seit 2009 ist Holzer Teil des Eintracht-Aufsichtsrates. Nachdem er 2014 auf eigenen Wunsch bei Goldman Sachs ausschied, hat sich Holzer noch stärker dem Club zugewandt. Durch seine guten Kontakte lotste der 54-Jährige zahlreiche Geldgeber zur Eintracht.

Holzer träumt von der Champions League

Im April 2018 hat Holzer sein finanzielles Engagement noch einmal massiv aufgestockt: Er war maßgeblich an einer Finanzspritze in Höhe von 15 Millionen Euro beteiligt. Hinter der Aktion der "Freunde des Adlers" standen zwei Aufsichtsräte, der Frankfurter Unternehmer Stephen Orenstein und eben Holzer. Holzer weiß aber, dass die Eintracht mit ihren Mitteln im Fußball-Business keine riesigen Sprünge machen kann. Als ehemaliger Investmentbanker kennt er die Zahlen nur zu genau.

Und dann wagt sich Holzer beim Thema Europa doch einmal aus der Deckung. Er träume davon, einmal in der Frankfurter Arena die Champions-League-Hymne zu hören. Vielleicht ja sogar in seiner Amtszeit als Aufsichtsratsvorsitzender der Eintracht, die am Dienstagabend beginnen soll.