Gelson Fernandes auf der Ersatzbank
Nachher gehst du rein und triffst: Gelson Fernandes kümmert sich um Danny Blum. Bild © Imago

Eintracht Frankfurt startet gegen Mainz 05 in die heiße Phase der Saison. Die Chance auf Europa ist groß, die Leistungsschwankung aber auch. Gelson Fernandes kümmert sich deshalb um die Helden aus der zweiten Reihe.

Der Arbeitstag der Fußballprofis von Eintracht Frankfurt begann am Dienstag mit unschönen Szenen. Trainer Niko Kovac führte seinem Team noch einmal die erste Spielhälfte der 2:3 (0:1)-Niederlage bei Borussia Dortmund vor und zeigte dabei vor allem, wie man es nicht machen sollte. Zu viele Ballverluste, zu langsames Umschalten, zu wenig Biss in den Zweikämpfen. Die Eintracht erinnerte in den ersten 45 Minuten stark an die blutleeren Auftritte in Augsburg oder Stuttgart, besser wurde es erst nach dem Seitenwechsel. "Er war sehr ehrlich mit uns", berichtete Gelson Fernandes im Anschluss. "Wir wissen jetzt, was wir falsch gemacht haben."

Fernandes pendelt zwischen Bank und Platz

Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur bitter benötigten Besserung. Denn bei noch acht zu absolvierenden Spieltagen kann sich die Eintracht im Rennen um Europa keinen Ausrutscher mehr erlauben. Die Europa League ist definitiv drin, selbst die Champions League in Reichweite. Jetzt zählt es. "Wir müssen jetzt zwei Monate Vollgas geben", betonte Fernandes vor dem Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen den 1. FSV Mainz 05. Mit einem Sieg in die Länderspielpause gehen, Kräfte sammeln und in Richtung internationaler Wettbewerb durchstarten. So lautet der Frankfurter Masterplan.     

Wie groß oder klein Fernandes' sportlicher Anteil an diesem Plan sein wird, ist schwer einzuschätzen. Auf der Sechserposition ist er derzeit hinter Kevin-Prince Boateng und Makoto Hasebe bestenfalls dritte Wahl. Nach einem 90-minütigen Einsatz beim 1:0-Heimsieg gegen Hannover musste er beim BVB wieder auf die Bank und im Laufe der Partie auch noch Jonathan De Guzman den Vortritt lassen. Insgesamt stand der Schweizer Internationale in dieser Spielzeit neunmal in der Startelf. Fernandes ist bei der Eintracht nur eine Teilzeitkraft. Allerdings eine Teilzeitkraft mit großer Verantwortung.

Spiele werden auch in der Kabine entschieden

Mit 31 Jahren gehört Fernandes in der Frankfurter Rasselbande zum Ältestenrat. Seine Erfahrung ist wichtig, vor allem neben dem Platz. "Es ist völlig in Ordnung, wenn ich mal nicht spiele. Ich bin hier, um zu helfen", sagte er. "Ich weiß, wie die Kabine funktioniert. Ich muss ein Vorbild für die jungen Spieler sein." Hier mal ein warnendes Gespräch führen, dort ein bisschen aufmuntern. Angesichts von mehr als 30 Spielern im Frankfurter Kader und zahlreichen ambitionierten Dauerreservisten wie Marc Stendera, Aymen Barkok oder Danny Blum ist das enorm wichtig. Stichwort: Teamhygiene.

Dass sich das auszahlen kann, bewies nicht zuletzt die Partie in Dortmund. Das zwischenzeitliche 1:1 erzielte Joker Luka Jovic, der gegen Hannover gar nicht zum Einsatz gekommen war. Das 2:2 in der Nachspielzeit markierte Blum, der überhaupt erst zweimal für wenige Minuten mitwirken durfte. Die Vorlagen gaben mit De Guzman und Danny Da Costa zudem zwei Spieler, die sich nach langen Verletzungspausen zurückkämpften. "Im April und Mai brauchen wir die Power von genau diesen Spielern", so Fernandes. "Wer weiß: Vielleicht macht einer, der gar nicht gespielt hat, am Ende das entscheidende Tor."

Haller ist ein besonderer Patient

Einer dieser Teamkollegen, der sich hin und wieder bei Fernandes in die Therapie begibt, ist auch Sébastien Haller. Der französische Stürmer spielt zwar fast immer, sieben Mal in Folge allerdings ohne eigenes Tor. "Na klar rede ich auch mit ihm." Tipps, wie man das Tor trifft, könne Fernandes als Defensivspieler zwar nicht geben. "Wenn er da auf mich hört, steigen wir ab", lachte er. "Aber der kommt auch so zurück."

Vielleicht ja schon am Samstag im Rhein-Main-Duell gegen Mainz. Ein dreifacher Punktgewinn wäre der richtige Start in die heiße Phase der Saison. "Für uns geht es um einen Traum", so Fernandes. "Und wenn man dann auswärts nicht punktet, muss man zu Hause gewinnen. Das ist einfach so."

Sendung: hr1, 13.03.18, 17 Uhr