Oliver Glasner zeigt am Schirm die Fehler der Eintracht-Profis.

Tatsächlich: Fußball wird auch noch gespielt bei Eintracht Frankfurt. Der Trainer probiert viel im Training aus, die Neuen geben erste Eindrücke und Edeltechniker Daichi Kamada setzt sich ein ambitioniertes Ziel.

Audiobeitrag

Audio

Audioseite Kamada: "Kann mich in Kostics Lage hineinversetzen"

Daichi Kamada
Ende des Audiobeitrags

Fehlendes Engagement kann man Oliver Glasner nun wirklich nicht vorwerfen. Inmitten der Unruhe um abwanderungswillige Schützlinge scheint der Trainer einen besonderen Arbeitsethos vorzuleben.

Vor der Übungseinheit am Mittwoch legte Glasner mit 50 Liegestütze los, am Donnerstag unterbrach er das Spiel zwei Mal für mehrere Minuten, um die Spieler vor einem Bildschirm am Trainingsplatz zu versammeln. Dort zeigte er ihnen haarklein in den gerade aufgezeichneten Bildern seine taktischen Ideen. Die Spieler lauschten wie in einer Schulstunde, Evan N’Dicka hob zwischendurch für Nachfragen höflich den Arm.

Filip Kostic wohl am Sonntag im Kader

Doch die außersportlichen Kalamitäten holen auch Glasner immer wieder ein. Nachdem er am Mittwoch noch mit einem lauten Lob ("Super Training") vom Platz gegangen war, bekam er die Nachricht von Filip Kostic’ Post auf Instagram. Der wechselwillige Serbe hatte darin seine Sicht auf die Absenz vor einer Woche geschildert und damit weiteren Diskussionsstoff geliefert.

Am Freitag wird Kostic von der Nationalmannschaftsreise zurückerwartet. Dann soll es ein Gespräch mit Glasner und Vorstand Markus Krösche geben. Es ist davon auszugehen, dass Kostic am Sonntag beim Spiel gegen den VfB Stuttgart im Kader steht – doch was ist schon sicher in diesen turbulenten Frankfurter Tagen?!

Glasner arbeitet am Verschieben und Umschalten

Die Probleme rund um Kostic und auch Amin Younes haben fast schon überlagert, vor welchen Herausforderungen die Eintracht und damit Glasner auf dem Rasen stehen. Aus im Pokal, nur zwei Punkte aus drei Spielen, die Verletzung von Kapitän Sebastian Rode – der bisherige Saisonstart ließ nicht viel Anlass zur Euphorie.

Hinzu kommt, dass Glasner noch immer dabei ist, der Eintracht seine Spielidee einzuimpfen. In den Einheiten am Donnerstag versuchte er dem Team das kompakte Verschieben, das Umschalten und auch das diagonale wie direkte Spiel zu vermitteln. Auch den Spielern konnte man das Engagement bei der Umsetzung nicht absprechen, allein: Es hat bei der Eintracht eben noch nicht "klick" gemacht.

Jakic dynamisch, Lammers noch ohne Abstimmung

Für die Kommandos fehlt derzeit der Tonangeber im Zentrum. Tuta meldete sich häufiger in Vertretung des bei der Nationalelf weilenden Martin Hinteregger, hatte aber auch im Training mit einfachen Abspielfehlern zu kämpfen. Neuzugang Kristijan Jakic ist erst frisch dabei, der Kroate gibt nur wenige Bälle verloren, agiert aber manchmal noch zu ungestüm. Jakic wurde als alleiniger Sechser eingesetzt (diese Rolle könnte er auch in einem offensiven System übernehmen), die etatmäßigen Akteure auf dieser Position Djibril Sow und Ajdin Hrustic fehlten noch wegen ihrer Länderspielreisen.

Der zweite Neue Sam Lammers im Angriff bewegt sich viel, lässt sich auch mal tiefer fallen, doch auch ihm mangelt es noch merklich an der Bindung zum Team. So setzte er mitunter zum Offensivpressing an, als seine Mitspieler noch gar nicht darauf gefasst waren. In dem Wirrwarr verlor selbst Glasner mal den Überblick zwischen deutschen und englischen Ansagen, als er rief: "You play hinten".

Daichi Kamada: Ablenkung durch Transferfragen

"Die ganzen Abläufe sind alle neu für uns. Uns fehlen Spiele, damit sich auch die Neuen anpassen können. Dann wird es auch besser", sagte auch Daichi Kamada in einer Medienrunde am Donnerstag. Nicht nur die Vorgaben, auch die Anfragen treiben die Spieler um. Der Japaner erklärte, dass es im Sommer Interessenten für ihn, aber keine konkreten Gespräche gegeben habe.

Und: Es könne sein, dass Spieler nicht ganz bei der Sache seien, solange das Transferfenster noch offen ist. Für seinen Kollegen Kostic zeigte Kamada deswegen auch Verständnis: "Vor der Wechselfrist haben wir uns unterhalten. Ich kann mich in seine Lage hineinversetzen. Aber jetzt bleibt er und ich hoffe, dass wir genauso erfolgreich wie zuletzt weiter zusammenspielen."

Angriff mit Hauge, Lindström, Kamada und Lammers

Immerhin bot Kamada im Training Anlass zur Hoffnung bei der Eintracht. In einer Art A-Mannschaft agierte er versetzt hinter Lammers zusammen mit den offensiven Außen Jens Petter Hauge und Jesper Lindström. Diese Angriffsreihe könnte auch am Sonntag gegen den VfB starten, insbesondere Lindström und Kamada harmonierten miteinander.

"Ich will in dieser Saison in der Liga wieder 15 Torbeteiligungen schaffen", sagte Kamada hinterher. Bislang hat er mit durchwachsenen Auftritten nicht viel für diese Quote getan. Doch vielleicht könnte es für die Eintracht nicht nur in seinem Fall ein sportlicher Segen sein, dass das Transferfenster nun endgültig geschlossen ist.