Graffiti von Charly Körbel in Bockenheim

Ein Frankfurter Künstlerkollektiv erinnert mit einem Graffiti an den UEFA-Cup-Sieg von 1980 und Charly Körbel. Nach mehreren Tagen und Nächten Arbeit griff der Rekordspieler sogar selbst zur Spraydose. Weitere Eintracht-Motive könnten folgen.

Videobeitrag

Video

zum Video XXL-Graffiti erinnert an UEFA-Cup-Sieg

Graffiti von Charly Körbel in Bockenheim
Ende des Videobeitrags

Die Stadt Frankfurt ist seit ein paar Tagen um eine Sehenswürdigkeit reicher. Wem der Eiserne Steg zu überlaufen und die Musik in der Alten Oper zu klassisch ist, der kann im Stadtteil Bockenheim ab sofort den treuen Charly bewundern. Der langjährige Kapitän von Eintracht Frankfurt reckt dort exakt 40 Jahre nach dem ersten, letzten und einzigen internationalen Titelgewinn von Eintracht Frankfurt an einer Hauswand den UEFA-Cup in die Höhe. Das Bild ist rund 100 Quadratmeter groß und trägt die Farbe von insgesamt 400 Spraydosen in sich. Ein Rekord-Kunstwerk für den Rekordspieler.

"Wir sind froh, dass ein großartiger Moment unserer Vereinsgeschichte an einer Frankfurter Hauswand verewigt ist", sagte ein Sprecher des Fanclubverbands und der Nordwestkurve dem hr-sport. "Dass Charly Körbel zentrales Element dieses Bildes ist, ist umso schöner."

Künstler starten Aufruf zur Wandsuche

Geplant und umgesetzt hat das Projekt das Künstlerkollektiv "Frankfurter Farbe". Da wegen der Corona-Krise größere Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag des UEFA-Cup-Triumphs von 1980 ausfallen mussten, kamen die künstlerisch begabten Eintracht-Anhänger gemeinsam mit dem Eintracht-Museum und Teilen der aktiven Fanszene auf die Idee des Graffitis. "Wir wären nicht die Eintracht-Familie, wenn wir nicht unseren Teil zur Bewältigung der Situation beitragen würden", hieß es in einem Ende März gestarteten Aufruf. "Wir wollen sichtbare Zeichen im Stadtbild setzen."

Nach dem Anthony-Yeboah-Haus in Niederrad und dem DFB-Pokal-Sieg-Haus im Westend sollte es in Frankfurt auch ein UEFA-Cup-Haus mit Körbel geben. Was fehlte: eine geeignete Wand. Die Voraussetzungen: möglichst zentrale Lage, nicht zu klein. Die Lösung: Walli Thees.

Die Hausbesitzerin stieß in einer Chatgruppe zufällig auf die Sprayer-suchen-Wand-Annonce und sagte nach kurzer Rücksprache mit ihrem Sohn zu. "Er ist seit 30 Jahren Eintracht-Fan", erklärte sie. Anfang Mai rückten die Künstler dann mit Hebebühne, Farbe und wetterfester Kleidung in der Werrastraße an. "Das Motiv war genial, also ging es los."

Das Yeboah-Haus in Frankfurt-Niederrad

Körbel greift zur Spraydose

Vermessen, skizzieren, Feinschliff. In insgesamt mehr als 300 Arbeitsstunden wurde aus dem bekannten Foto von Körbel und dem Pokal in den folgenden Tagen ein Kunstwerk. "Über eine Woche wurde Tag und Nacht bei Wind und strömendem Regen gearbeitet", berichtet Thees. Die ehemals gelbe Hauswand ist seitdem nur noch an wenigen Stellen zu erkennen. Auf der linken Seite jubeln Körbel und seine Mitspieler, auf der rechten Seite erinnert der Eintracht-Adler an den historischen Sieg. Und ganz unten, etwas versteckt hinter einer Hecke, kann man sogar Körbels Autogramm erkennen.

Die offizielle Enthüllung am 21. Mai, also dem Tag des Finals, musste zwar ebenfalls abgesagt werden. Der Gehuldigte schaute nach Abschluss der Arbeiten aber trotzdem in Bockenheim vorbei und setzte seine Unterschrift per Spraydose an die Wand. "Er wusste von nichts, dementsprechend groß war die Überraschung", so Thees.

DFB-Pokal Graffiti

Folgen weitere Motive?

Yeboah als Zeichen gegen Rassismus in Niederrad, der Pokal als Symbol für die magische Nacht von Berlin im Westend, Körbel als Erinnerung an den UEFA-Cup-Sieg und Vereinstreue in Bockenheim. Drei Motive, drei Ausflugsmöglichkeiten. In Sachen Stadtteile (einige) und große Eintracht-Momente (etwas weniger) ist aber durchaus noch Luft nach oben.

"Wäre es nicht schön, wenn wir irgendwann einmal alle großen Erfolge in Frankfurt ablaufen könnten?", schlägt deshalb auch Eintracht-Museumsleiter Matthias Thoma vor. Das Pokal-Tor von Mijat Gacinovic über einem verwaisten (Garten-) Tor oder die 59er-Meisterelf in Sichtweite von Offenbach. Ideen wären da. Weitere Sprayer-suchen-Wand-Anzeigen sind also nicht ausgeschlossen.

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! Bundesliga, 24.05.20, 22.05 Uhr