Rafael Borre von Eintracht Frankfurt jubelt

Alleinunterhalter im Sturm wollte er nie sein, bei Eintracht Frankfurt war er meist aber genau das. Rafael Borré krönt eine erstaunliche Entwicklung mit einem sensationellen Final-Auftritt. In der kommenden Saison soll trotzdem alles anders werden.

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Als Rafael Borré im Endspurt der Transferfrist im vergangenen Sommer zu den Plänen von Eintracht Frankfurt in der Offensive befragt wurde, wünschte er sich etwas mehr Unterstützung in der Sturmspitze. Ein echter Mittelstürmer würde den Hessen und ihm guttun, betonte der Kolumbianer. "Ich kann mich mit einem Neuner gut ergänzen, Räume schaffen und das Offensivspiel gefährlicher gestalten", sagte er. Borré wollte gerne Teil einer Doppelspitze sein. Tore vorbereiten, Abwehrspieler binden. Was er nicht sein wollte: ein Alleinunterhalter.

Die Eintracht gehorchte dann zwar und verpflichtete mit Sam Lammers einen vermeintlichen Torjäger, der den zu RB Leipzig abgewanderten André Silva ersetzen und für die nötigen Tore sorgen sollte. Da das Projekt mit dem Niederländer jedoch krachend scheiterte und kein weiterer Mittelstürmer mit ausreichend Qualität im Kader zu finden war, musste Borré doch allein ran. Ein Mittelstürmer, der kein Mittelstürmer sein will. Eine riesige Aufgabe für einen eher kleinen Mann. Denn Borré misst nur 1,74 Meter. Groß raus kam er am Ende trotzdem.

Borré im Stile eines Strafraum-Wühlers

Borré, der in 31 Bundesliga-Spielen acht Tore erzielte und sechs vorbereitete – für seine erste Saison ein ordentlicher Wert – trumpfte vor allem in den Highlight-Spielen in der Europa League richtig auf. Im Viertelfinal-Rückspiel beim FC Barcelona knallte er einen Fernschuss aus knapp 30 Metern unter die Latte, im Halbfinal-Rückspiel gegen West Ham United traf er zum 1:0-Sieg, im Finale glich er die zwischenzeitliche Führung der Glasgow Rangers mit einem echten Mittelstürmer-Tor aus und bewahrte die Eintracht vor dem frühzeitigen K.o.

Nach einer scharfen Hereingabe von Filip Kostic drückte sich Borré durch zwei Gegenspieler durch, stellte seinen Körper vor den massigen Rangers-Abwehrchef Calvin Bassey und spitzelte den Ball ins Tor. Ein Mentalitäts-Treffer mit Willen und Durchsetzungskraft. Nicht schön, aber unglaublich wichtig. "Wir haben in der Halbzeit gesagt: Wir müssen speziell den ersten Pfosten attackieren, und genau das hat Rafa gemacht. Er hat um dieses Tor gefightet", lobte Trainer Oliver Glasner nach Abpfiff. Borré, plötzlich doch Mittelstürmer.

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Borré begleicht Rechnung mit Sevilla und Spanien

Dass der Kolumbianer im Elfmeterschießen dann auch noch den entscheidenden fünften Elfmeter versenkte und damit den Startschuss zum Frankfurter Party-Marathon gab, machte den Abend und die Saison für ihn perfekt. Im Achtelfinale gegen Betis hatte der 26-Jährige am anderen Ende der Final-Stadt Sevilla einen Strafstoß noch maximal kläglich vergeben, im entscheidenden Moment blieb er aber eiskalt. "Ich sage immer zu meinen Mitspielern: Das sind die Spiele, in denen man sein ganzes Potenzial abrufen und seinen Charakter zeigen muss", so Borré. "Dass ich in Spanien meinen ersten europäischen Titel gewinnen konnte, ist besonders schön."

Borré, der zwischen Sommer 2016 und Sommer 2017 sein Glück in der spanischen Liga versucht hatte, dabei aber bei Atletico Madrid und dem FC Villarreal gescheitert war, präsentierte seine Fähigkeiten im Estadio Ramon Sanchez Pizjuan nun also auf der ganz großen Bühne und bewies, dass er doch das Zeug zum Alleinunterhalter hat. Nebenbei beglich er seine offenen Rechnungen mit Sevilla und Spanien.

Nächstes Jahr soll alles anders werden

In der kommenden Saison, so zumindest sind die Pläne, wird Borré diese neuerlernten Fähigkeiten jedoch wohl gar nicht mehr brauchen. Mit Randal Kolo Muani wurde bereits ein echter Torjäger verpflichtet. Dem Vernehmen nach könnte mit Sebastian Polter eine weitere Kante für das Sturmzentrum folgen. Borré könnte dann wieder das tun, was er am liebsten tut: Gegen den Ball arbeiten, Lücken reißen, die Mitspieler einsetzen.

"Er ist unglaublich wichtig für uns, nicht nur wegen seiner Offensivaktionen und seiner Tore, sondern auch in der Defensive, weil er sehr weite Wege für uns geht", fasste Glasner die Stärken Borrés vor einigen Wochen zusammen. Dass nun auch noch Torjäger-Qualitäten dazugekommen sind, kann der Eintracht nur guttun.

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