Fredi Bobic, gegen Hertha BSC

Die Niederlage in Bremen hat wehgetan. Eine mögliche Hängepartie in Sachen Bobic könnte für Eintracht Frankfurt noch schmerzhafter werden. Wird ein ehemaliger Spieler Bobic-Nachfolger?

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heimspiel vom 01.03.2021
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Seit Montag 18.17 Uhr ist die Eintracht-Welt nicht mehr das, was sie vorher war. Denn zu diesem Zeitpunkt veränderte die Meldung, dass Eintracht-Vorstand Fredi Bobic den Verein Richtung Hertha BSC verlassen wolle, vieles. Der Sender Sky hatte darüber zuerst berichtet, auch, dass die Verhandlungen über eine Vertragsauflösung des bis zum Sommer 2023 laufenden Bobic-Vertrages bereits angelaufen seien.

Die Informationen über den Bobic-Abgang wurden vermutlich über eine undichte Stelle in Berlin publik, die Eintracht wurde von ihnen zu diesem Zeitpunkt kalt erwischt. Nun zählt jeder Tag. Jeder Tag, an dem die Personalie Bobic nicht geklärt ist, ist ein schlechter Tag für die Eintracht. Nach dem Prinzip: Sicherheit schießt Tore, Unsicherheit produziert Niederlagen.

Warten auf die Bobic-Entscheidung

Offiziell hat sich die Eintracht zum nahenden Bobic-Abgang noch nicht geäußert. Eintracht-Aufsichtsratschef Philip Holzer hatte am Montagabend lediglich verkündet: "Fredi Bobic hat bei Eintracht Frankfurt einen Vertrag bis 2023. Wir befinden uns mit ihm in Gesprächen über die zukünftige Ausrichtung der bislang sehr erfolgreichen Zusammenarbeit." Insgeheim geahnt haben sie das mit Bobic bei der Eintracht jedoch sehr wohl.

Bobic, der Anpacker, wirkte nachdenklich in den vergangenen Wochen, strahlte die Veränderung irgendwie schon aus. Selbst in der Eintracht-Mannschaft reifte die Erkenntnis, dass der Sportvorstand den Verein möglicherweise verlassen wird. Als er Ende Januar den aufkommenden Gerüchten um einen Wechsel zur Hertha nicht widersprach, war für viele die Sache klar.

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Bobic passt zur Hertha

Fredi Bobic ist ein Projekt-Mensch. Als er 2016 bei der Eintracht anfing, lag diese am Boden. Mit klugen und erfolgreichen Spieler-Transfers bestimmte er den sportlichen Aufstieg in Frankfurt maßgeblich mit. Jetzt kämpft die Eintracht um die Champions-League-Plätze, viel mehr geht sicher nicht. Bobic wird sich jetzt wohl seinem nächsten Projekt zuwenden. Auch Hertha BSC liegt am Boden.

Der Hauptstadtklub hat mit hunderten Millionen Euro von Investor Lars Windhorst und Personalien wie Jürgen Klinsmann als Trainer vieles gewagt und nichts gewonnen. Die Idee vom Big City Club droht zu scheitern, denn der Hertha fehlt das Fußball-Wissen. Genau das soll jetzt Bobic mitbringen.

Und anders als 2016 bei der Eintracht, wird ihm dafür sehr viel Geld für neue Spieler zur Verfügung stehen. Auch sein Gehalt soll in Berlin stark ansteigen. Bobic ist ein gefragter Mann. Selbst als möglicher Nachfolger des im Juni 2022 ausscheidenden DFL-Bosses Christian Seifert wurde Bobic zuletzt gehandelt.

Spycher als Bobic-Nachfolger würde funktionieren

Die Frankfurter Rundschau brachte als möglichen Bobic-Nachfolger den ehemaligen Eintracht-Spieler Christoph Spycher ins Gespräch. Spycher würde passen. Der 42-Jährige ist aktuell Sportchef beim Schweizer Erstligisten Young Boys Bern. In dieser Funktion arbeitete er auch mit dem damaligen Bern-Trainer Adi Hütter zusammen, ehe dieser 2018 nach Frankfurt wechselte.

Christoph Spycher, Sportchef bei Young Boys Bern

Spycher ist ein Teamplayer und er hat Erfolg. Spycher hat einen großen Anteil daran, dass die Young Boys Bern zuletzt dreimal hintereinander Schweizer Meister wurden. Den ersten Meistertitel holte er 2018 noch zusammen mit Hütter. Spycher kennt sich auch bei der Eintracht aus.

Der Schweizer spielte zwischen 2005 und 2010 als Verteidiger in Frankfurt, zuletzt als Mannschaftskapitän. Spycher war ein Spieler, der schon immer wie ein Trainer oder Manager dachte.

Hütter bekommt durch Bobic-Abgang mehr Macht

Die Eintracht hat großes Glück. Auch wenn mit Bobic ein wichtiger Akteur des sportlichen Erfolges gehen wird, bleiben zwei andere. Trainer Adi Hütter hat Wechselgerüchten am Wochenende eine Absage erteilt. Chef-Scout Ben Manga wird von der Eintracht in absehbarer Zeit zum Direktor Profi-Fußball befördert. Hütter und Manga sind auch für die Spieler die engsten Ansprechpartner.

Beide könnten vom Wechsel der Über-Figur Bobic profitieren. Speziell Hütter, der in der Vergangenheit mit dem scheidenden Sportvorstand nicht immer einer Meinung war. Hütter könnte weiter an Einfluss gewinnen, speziell wenn mit Spycher ein Hütter-Vertrauter Bobic beerben würde.

Fischer: "Keine Angst, wenn jemand vom Wagen springt"

Die Eintracht wäre trotz des Bobic-Abgangs weiterhin gut aufgestellt. "Es wäre schlimm für die Eintracht, wenn ein Mensch geht und es geht bergab", hatte Präsident Peter Fischer Mitte Februar im hr-heimspiel fast schon prophetisch gesagt.

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Eintracht-Präsident Peter Fischer in einem leeren Stadion
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Die Eintracht habe sich in den vergangenen Jahren so gut aufgestellt, dass egal wer gehe, das der Eintracht nicht mehr weh tun würde, so Fischer. "Ich habe keine Angst, wenn jemand in der nächsten Kurve vom Wagen springt. Auf der nächsten Gerade springt wieder einer auf."

Bobic-Entscheidung so schnell wie möglich

Noch wurde der Abgang von Bobic weder von ihm selbst noch von der Eintracht bestätigt. Dass der Vertrag des Sportvorstandes bei der Eintracht eigentlich noch bis zum Sommer 2023 läuft, sollte jedoch kein Hinderungsgrund sein. Verträge, ob von Spielern oder von Bossen, nutzen wenig, wenn die betreffende Person den Verein verlassen möchte.

Auch wenn die Eintracht-Verantwortlichen nach der Bobic-Meldung bekräftigen, dass man definitiv nicht in Hektik verfalle, sollte jetzt alles schnell gehen. Eine Hängepartie in Sachen Bobic schadet vor allem der Eintracht. Denn Unruhe und Unsicherheit kann die Eintracht bei der Verwirklichung ihres Champions-League-Traumes aktuell nicht gebrauchen.