Torró, Gacinovic und Touré

Eintracht Frankfurt ist einmal mehr mit leeren Händen vom Auswärtsspiel beim FSV Mainz 05 zurückgekehrt. Pyro, Platzverweis-Frust und eine wichtige Erkenntnis für eigene Eckbälle bestimmen nun die Diskussionen. Die Analyse in fünf Punkten.

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Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt hat das 23. Rhein-Main-Duell beim FSV Mainz 05 verloren. Die Mannschaft von Trainer Adi Hütter unterlag dem Team von Neu-Coach Achim Beierlorzer am Montagabend mit 1:2 (1:0). Nach dem Führungstreffer durch Martin Hinteregger (33. Spielminute) sah Dominik Kohr wegen einer Notbremse die Rote Karte (44.). In Überzahl drehte der FSV durch ein Eigentor von Hinteregger (51.) sowie einen Treffer von Ádám Szalai (69.) die Partie.

1. Pyro-Ärger: Rode wird ungewollt zum Nebendarsteller

Protest gegen Montagsspiele? Heißblut vor dem Nachbarschaftsduell? Fehlgeleitete Freude darüber, nach dem verpassten Happening von London auswärts endlich wieder dabei sein zu dürfen? Völlig egal, was diesmal die Begründung gewesen sein soll: Die Anhänger, die vor der Partie einen Böller zündeten, Leuchtraketen auf den Rasen feuerten und damit den Anpfiff verzögerten, sorgten mit ihrer Aktion für mächtig Ärger und Frust. "Was wir vor dem Anpfiff gesehen haben, war einfach nur destruktiv. Das schadet Eintracht Frankfurt sehr. So kann es nicht weitergehen", sagte Vorstandsmitglied Axel Hellmann.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Rode: "Haben gesagt: 'Verpiss dich!'"

Sebastian Rode bei der Kinder-PK
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Für einen Profi blieb es nicht bloß beim Anblick der Pyrotechnik: Sebastian Rode. In seiner Funktion als Ersatz-Kapitän war der Mittelfeldspieler auf die wütenden Anhänger im Gästeblock zugegangen, um auf sie einzureden. Über die TV-Mikrofone war später zu hören, wie Rode zu Schiedsrichter Manuel Gräfe sagte: "Die haben zu mir gesagt: 'Verpiss Dich!'" Am Dienstagmorgen dann Rodes Stellungnahme via Instagram: "Ein 'Verpiss Dich' von ein oder zwei Leuten auf einem Fußballplatz nehme ich nicht als Beleidung von einer ganzen Fangruppe wahr." Eine Lappalie also, die damit aber sicher noch nicht vom Tisch ist.

2. Der Schlüsselmoment: Kohrs Notbremse

Der Knackpunkt der Partie war die Rote für Kohr nach einer Notbremse gegen Levin Öztunali. In Unterzahl gelang es den Gästen nicht, Hintereggers Halbzeitführung zu verteidigen. "Die Feldverweise nerven und tun uns richtig weh", sagte Hütter, auch in Anspielung auf das 0:1 vor drei Wochen in Freiburg, als die Frankfurter nach einer Gelb-Roten Karte für Gelson Fernandes ebenfalls eine Halbzeit lang zu zehnt spielen mussten. "Ich bin überzeugt davon, dass wir in beiden Spielen Punkte mitgenommen hätten, wenn wir nicht dezimiert gewesen wären", so Hütter.

Allerdings: Kohr hätte vermutlich nie die Notbremse ziehen müssen, hätte die Eintracht bei ihrem eigenen (!) vorausgegangenen Eckball nicht derartig hoch und offensiv gestanden. Von Absicherung keine Spur, als Mainz den Ball klärte und anschließend zum Konter ansetzte. "Wir müssen uns vorwerfen lassen", sagte Hütter, "dass wir bei einer Standardsituation eine Variation gemacht haben, die offensiv ein bisschen riskant ist. Es ist vielleicht besser, hinten einen Spieler mehr reinzustellen, um nicht einen Konter zuzulassen. Das haben wir gemacht, und es war sicherlich ein großer Fehler."

3. Hinteregger in allerbester Stürmer-Manier

Wettbewerbsübergreifend vier Saisontore hatte Hinteregger bis Montagabend, 20.30 Uhr erzielt, gegen 21 Uhr folgte das fünfte. Für einen Innenverteidiger ist das, selbst bei mittlerweile mehr als 20 Pflichtspieleinsätzen seit Anfang August, eine starke Quote. Inmitten der etatmäßigen Torjäger wie Gonçalo Paciência oder Bas Dost gehört Hinteregger zu den teamintern erfolgreichsten Torschützen.

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Für die Eintracht ist das vor allem deshalb eine gute Nachricht, weil sich im Maschinenraum der Abteilung Attacke noch kein Stammpersonal etabliert hat. Paciência beispielsweise war auch in Mainz bis zu seiner Auswechslung mit teilweise halbgaren Flanken nicht zu erreichen, ehe er nach Kohrs Platzverweis dem guten Comeback des freilich defensiver ausgerichteten Lucas Torró Platz machte. Dost fehlte erneut angeschlagen, mit Dejan Joveljic und André Silva blieben zwei weitere Angreifer über die vollen 90 Minuten auf der Bank. Verteidiger-Tore werden so nur noch wertvoller.

4. Die schwarze Frankfurt-Serie in Mainz hält an

Auch im zwölften Anlauf hat es also nicht geklappt. Eintracht Frankfurt, das ist seit dem späten Montagabend klar, wird auch das Jahr 2019 ohne einen Bundesliga-Sieg in Mainz beenden. Das nagt an der Adler-Seele. "Wir wollten Geschichte schreiben, indem wir die erste Mannschaft gewesen wären, die in Mainz gewinnt", so Trainer Hütter. "Wir waren auf einem guten Weg – bis zur Pause". Für die Eintracht war es die sechste Niederlage in und die insgesamt siebte Niederlage gegen Mainz.

5. Die Eintracht hat die Peilung verloren

Mittelmaß? Niemandsland der Bundesliga-Tabelle? Oder einfach nur jenseits von gut und schlecht? Mit fünf Siegen und 17 Punkten aus nun 13 Spielen dümpelt Frankfurt Anfang Dezember auf Rang zehn und damit definitiv im Mittelfeld der Tabelle rum. Das Problem: Nach zuletzt drei Liga-Niederlagen in Folge ist den Hessen die Peilung abhanden gekommen. Auf das berauschende 5:1 gegen Rekordmeister Bayern München – dieser bislang letzte Bundesliga-Sieg liegt nun schon über einen Monat zurück – folgten ernüchternde Niederlagen in Freiburg, gegen Wolfsburg und nun eben in Mainz.

An der Grundstatik dieser wichtigen Phase bis zur weihnachtlichen Bescherung hat sich allerdings nichts geändert: Der Blick der Eintracht geht zwar nicht nach oben, er muss aber auch nicht zwangsweise nach unten gehen. Mit Hertha BSC (6.12.), Köln (18.12.) und Paderborn (22.12.) stehen nach wie vor Mannschaften aus dem unteren Tabellensegment auf dem Spielplan. Und dass das Hütter-Team seine Peilung jederzeit wiederfinden kann, hat sie neulich erst in der Europa League bewiesen.

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Weitere Informationen

FSV MAINZ 05 - EINTRACHT FRANKFURT 2:1 (0:1)

Mainz: Zentner - St.Juste (65. Brosinski), Fernandes, Niakhaté - Öztunali, Kunde, Latza (57. Szalai), Aaron - Boetius - Onisiwo, Quaison (90. Maxim)  

Frankfurt: Rönnow - Toure, Hinteregger, N'dicka - da Costa, Kohr, Rode (74. Gacinovic), Kostic - Sow, Kamada - Paciencia (46. Torro)              

Tore: 0:1 Hinteregger (33.), 1:1 Hinteregger (51./ET), 2:1 Szalai (69.)                 

Gelbe Karten: Latza - Hinteregger, Torro                                       
Rot: Kohr (44./Notbremse)  
              
Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)         
Zuschauer: 33.184     

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