Viele Fans auf den Rängen eines Stadions, die gestreifte Schals in die Höhe halten.

Die hessischen Vereine erhöhen den Druck auf die Politik. Ein Zusammenschluss rund um Eintracht Frankfurt, Darmstadt 98 und Handball-Erstligist HSG Wetzlar fordert eine 25-prozentige Stadion- und Hallenauslastung.

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Fans sollen zurück in die Stadien

Fans von Darmstadt 98
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Geisterspiele sind für die Profiklubs in ganz Deutschland nicht nur finanziell existenzgefährdend, sie sorgen auch mehr und mehr für eine emotionale Entkopplung der Zuschauer. Leere Hallen und Stadien sind in dieser Corona-Pandemie zwar keine Neuheit mehr, doch so wirklich daran gewöhnen wollen sich Fans, Spieler und Verantwortliche natürlich nicht.

"Hessischer Weg der Vernunft" gesucht

Axel Hellmann, Vorstandssprecher von Eintracht Frankfurt, Rüdiger Fritsch, Präsident von Darmstadt 98, und Björn Seipp, Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar und Sprecher der Interessengemeinschaft "Teamsport Hessen", fordern deshalb im Namen von mehr als 20 hessischen Profiklubs von Ministerpräsident Volker Bouffier einen Sonderweg des Landes und eine 25-prozentige Stadion- und Hallenauslastung. Maximal 1.000 Fans in den Stadien (wie zuletzt gegen Arminia Bielefeld) und maximal 250 Anhänger in den Hallen sollen ab sofort der Vergangenheit angehören.

"Wir fordern eine 25-prozentige Auslastung der Stadien und Hallen, die Bouffier übrigens selbst bei der letzten Ministerpräsidentenkonferenz vorgeschlagen hat. Markus Söder schlug nun den bayrischen Weg ein, wir fordern einen hessischen Weg der Vernunft", erklärte Hellmann dem kicker am Mittwoch. Der FC Bayern München darf zukünftig wieder vor 10.000 Zuschauern spielen, die Eintracht hofft in diesem Fall gar auf rund 12.500 Anhänger.

Hellmann erhöht den Druck auf die Politik

Es könne nicht sein, so der Vorstandssprecher weiter, "dass für den professionellen Sport, insbesondere für den Fußball, härtere Maßstäbe gelten als für andere gesellschaftliche Bereiche - und vor allem die Bundesliga dafür herhalten muss, eine Handlungsfähigkeit der Politik vorzugeben, die in zentralen Bereichen nicht konsequent gehandelt hat und sich bis heute nicht zu einer Entscheidung in der Impfpflicht-Frage durchringen konnte".

Die Öffnungskonzepte müsse man "jetzt schon planen, und nicht erst, wenn die Corona-Welle abgeflacht ist". Prinzipiell solle man wegkommen von "politischen Grundsatzbeschlüssen und reiner Symbolpolitik hin zu einer standortbezogenen Betrachtung". Welche Möglichkeiten bieten Stadien und Hallen? Wie gut können Hygienekonzepte eingehalten werden? Noch wollen die hessischen Klubs den Dialog mit der Politik suchen und den Klageweg vermeiden: "Es wäre gut, wenn wir auf dem Weg des Dialogs - und nicht auf dem juristischen - etwas für den Sport bewegen könnten."

Seipp: "Finanziell für einige Vereine inzwischen fünf vor zwölf"

Nachdem die Bund-Länder-Konferenz am Montag keine Änderung der Zuschauerregelung ergab, verschickten mehr als 20 hessische Profiklubs den gemeinsamen Brandbrief an die Landesregierung. Neben Eintracht, Darmstadt 98 und HSG Wetzlar gehören dem Zusammenschluss "Teamsport Hessen" unter anderem auch die United Volleys Frankfurt, die Gießen 46ers und der EC Bad Nauheim an.

Hit Radio FFH berichtete zuerst von dem Brief und zitierte Seipp nach der Bund-Länder-Konferenz am Dienstag: "Wir sind enttäuscht. Es wurde uns bisher kein Grund genannt, warum an der Zuschauerdeckelung festgehalten wird."

Finanziell sei es bei einigen Vereinen inzwischen "fünf vor zwölf". Ob es schnelle Veränderungen gibt? Die Eintracht trifft am 12. Februar auf den VfL Wolfsburg, Darmstadt 98 erwartet den Hamburger SV am 6. Februar und die HSG Wetzlar empfängt Flensburg/Handewitt am 10. Februar.