Sam Lammers von Eintracht Frankfurt

Sam Lammers ist der Nachfolger von Toptorjäger André Silva im Sturmzentrum von Eintracht Frankfurt. Der Niederländer muss die Offensive ankurbeln und die letzten beiden Jahre seiner Karriere schnell vergessen machen. Kann das funktionieren?

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Zugegeben: Es gibt leichtere Aufgaben, als den zu RB Leipzig abgewanderten André Silva zu ersetzen. Der Portugiese hat sich mit der Empfehlung von 28 Saison-Toren in Richtung Champions League verabschiedet und in der Frankfurter Offensive eine Riesen-Lücke hinterlassen. In vier Pflichtspielen gelangen den Hessen in dieser Spielzeit bislang genau drei Tore, immerhin zwei davon erzielten sie selbst. Jetzt soll es Sam Lammers richten.

Kann Lammers Silva ersetzen?

Der 24 Jahre alte Niederländer ist die Antwort auf die seit Monaten offene Frage, wer denn die Nachfolge von Silva im Frankfurter Sturmzentrum antritt. Offiziell wurde der Wechsel des Portugiesen zwar erst Anfang Juli, aufgrund einer Klausel in seinem Vertrag konnten und mussten sich die Eintracht-Verantwortlichen aber schon länger auf den Abschied des Torjägers einstellen. Beendet werden konnte die Suche nach dem neuen Fixpunkt im Sturm jedoch erst am Dienstag, dem allerletzten Tag der Transferperiode. Klingt das nach Wunschlösung? Nicht unbedingt.

Klar ist, dass sich die Eintracht-Scouts und -Kaderplaner seit vielen Wochen in ganz Europa nach einem Mann für die vorderste Spitze umsahen und mehrere Optionen durchspielten. Der Franzose Randal Kolo Muani war eine ernsthafte Option und erhielt auch ein Angebot, der Brasilianer Carlos Vinicius war wohl schnell zu teuer. Am Ende wurde es mit Lammers ein Spieler, den die wenigsten auf dem Zettel hatten. Der ehemalige U21-Nationalspieler, dessen Karriere zuletzt etwas ins Wanken geraten war, ist wohl genau deshalb ein typischer Eintracht-Transfer. Kann klappen, muss aber nicht.

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Lammers muss schneller funktionieren als Haller oder Jovic

Das Problem dabei: Im Gegensatz zu vielen seiner Vorgänger muss Lammers möglichst schnell funktionieren. Sébastien Haller, Luka Jovic und selbst Silva benötigten nach ihren Wechseln zur Eintracht mehrere Monate für die Akklimatisierung und die komplette Entfaltung ihres Potenzials. Sie wurden in ein bestehendes System integriert und konnten sich langsam entwickeln. Angesichts der Not im Frankfurter Sturm wird Lammers diese Zeit wohl nicht bekommen. Die Eintracht braucht Tore.

Grund zur Hoffnung, dass Lammers die gewünschte und dringend benötigte Verstärkung wird, liefert zunächst ein Blick auf den Beginn seiner Karriere. Der 1,91 Meter große Mittelstürmer wurde in der Jugend der PSV Eindhoven ausgebildet und startete nach einer Leihe zum SC Heerenveen im Sommer 2018 richtig durch. In seiner ersten kompletten Saison in der ersten niederländischen Liga erzielte er auf Anhieb 16 Treffer und empfahl sich schnell für höhere Aufgaben. "Ich mag die Vergleiche mit Ruud van Nistelrooy nicht", sagte Lammers damals dem Friesch Dagblad. Heute würde er das vermutlich anders sehen.

Karriere gerät nach Knie-OP ins Stocken

Was dann folgte, war nämlich nicht etwa der Durchbruch und eine Welt-Karriere. Kurz nach seiner Rückkehr nach Eindhoven verletzte sich Lammers im Sommer 2019 schwer am Knie und musste unters Messer. Knie-OP statt nächster Karriereschritt, der so fulminant gestartete Werdegang geriet komplett ins Stocken. Nach einer verlorenen Saison zwischen Reha-Station und Tribünenplatz versuchte Lammers dann sein Glück bei Atalanta Bergamo. Auch dort saß er in der vergangenen Saison jedoch meist auf der Bank. Seine Bilanz: ein Startelf-Einsatz, zwei Tore und nun der Wechsel zur Eintracht.

Gelingt ihm jetzt der Neuanfang? "Er ist technisch ein feiner Fußballer. Er kann die Bälle gut sichern und schafft Räume für andere Spieler", beschrieb Trainer Oliver Glasner die Vorzüge seines neuen Stürmers. Lammers, der ohne seine Verletzung und den Knick im Lebenslauf wohl unerreichbar für die Hessen gewesen wäre, soll im System des Österreichers als Anspielstation und Ballverteiler agieren und nebenbei auch noch Tore schießen. Wie das geht, demonstrierte Lammers Landsmann Wout Weghorst in Glasners Ex-Team VfL Wolfsburg eindrucksvoll. Auch hier: große Fußstapfen.

Er hat schon mal gezeigt, wie es geht

Ob Lammers diese Anforderungen schnell erfüllen kann, bleibt deshalb abzuwarten. Bei seiner Trainings-Premiere in Frankfurt machte der 24-Jährige am Mittwoch zwar einen ordentlichen Eindruck, in einem fleißig auf allen Kanälen des Vereins geteilten Videos durfte jeder Interessierte sogar einen durchaus sehenswerten Treffer bestaunen.

Wie nah diese Social-Media-Wunderstürmerwelt an der Realität ist, muss Lammers aber erst noch beweisen. Die Chance, dass er sich selbst aus dem Karriereloch schießt, ist da. Das Risiko, dass er nicht mehr richtig in Schwung kommt, allerdings auch.

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