Djibril Sow von Eintracht Frankfurt

Seit drei Spielen bereichert Djibril Sow das Mittelfeld von Eintracht Frankfurt und darf sich trotz der Remis-Serie als Sieger fühlen. Der Schweizer hat es sogar geschafft, dass Trainer Adi Hütter von einer taktischen Maxime und seinem Lieblingsspieler abrückte.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Rode: "Kommt auf die Idee des Trainers an"

Sebastian Rode will den Spaß am Fußball wiederfinden.
Ende des Audiobeitrags

Dank Louis van Gaal ist der Satz "Thomas Müller spielt immer" zum geflügelten Wort geworden. Der holländische Coach stellte dem Ex-Nationalspieler vor rund zehn Jahren öffentlich eine Einsatzgarantie aus und prägte damit eine ganze Generation beim FC Bayern. "Thomas Müller spielt immer" gilt seitdem als bayerisches Gesetz, Verstöße kosteten in den Folgejahren unter anderem Niko Kovac den Job. Was das alles mit Eintracht Frankfurt zu tun hat? Auch bei den Hessen gab es in den vergangenen Monaten einen Thomas Müller.

Ilsanker spielt nicht mehr immer

Dieser ist zwar weder Stürmer noch für semilustige Pressekonferenzen bekannt, aber auch Stefan Ilsanker spielte seit seinem Startelf-Debüt am zweiten Spieltag in Berlin immer. "Er ist der einzige klare Sechser, der diese Position am besten bekleiden kann", begründete Trainer Adi Hütter die Dauer-Nominierung seines Landmanns. Erst am vergangenen Wochenende und beim Heimspiel gegen Borussia Dortmund (1:1) saß Ilsanker plötzlich wieder auf der Bank. Einer der Gründe: Djibril Sow.

Sow ist zwar mitnichten der direkte Ersatz für Abräumer Ilsanker, der Schweizer bewarb sich mit guten Leistungen gegen RB Leipzig (2:2) und bei Union Berlin (3:3) aber für einen Startelf-Einsatz gegen den BVB und verdrängte Ilsanker so indirekt ins zweite Glied. Da der wiedergenesene Sebastian Rode auf der Doppelsechs ohnehin gesetzt ist, musste sich Hütter vor der Partie zwischen Sow und Ilsanker entscheiden. Guter Fußballer oder Kampfmaschine? Hütters Wahl fiel auf Sow. Bemerkenswert.

Sow tut der Eintracht gut

Denn obwohl Hütter im zentralen Mittelfeld eigenen Aussage zufolge "ein Luxusproblem" und mit Sow, Rode, Ilsanker und Dominik Kohr vier unterschiedliche Spielertypen zur Verfügung hat, setzte er in dieser Spielzeit stets auf die Sicherheitsvariante. Egal, ob es gegen Offensiv-Schwergewichte wie München oder eher schwächere Gegner wie Köln und Bremen ging: Auf die Absicherung Ilsanker, den zuletzt ein Nasenbeinbruch handicapte, wollte Hütter nie verzichten. Erst beim Heimspiel gegen den BVB entschied er sich für zwei spielstarke Sechser und damit eine offensivere Ausrichtung. Auch das: ein Fingerzeig.

Nach teilweise doch sehr ängstlichem Fußball im Herbst kommt die Eintracht seit der Länderspielpause deutlich frischer daher. In der Offensive gibt es mal zwei Stürmer, mal einen, im Mittelfeld werden spielerische Lösungen gesucht und die dazu passenden Spieler auf den Rasen geschickt. "Der Trainer entscheidet abhängig von seiner Spielidee, wen er aufstellt", sagte Rode am Dienstag. Angewendet auf die Doppelsechs Rode/Sow heißt das, dass die Eintracht wieder mutiger spielen will. Kurzpässe statt lange Schläge, Kombinationen statt Zufallsprodukte und läuferischer Einsatz statt Grätschen.

Externer Inhalt

Externen Inhalt von YouTube (Video) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von YouTube (Video). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts

Sow in vielen Statistiken vorne

Und derjenige, der genau diese Veränderungen herbeiführen kann, ist Sow. Der 23-Jährige, der seine Vorschusslorbeeren und seine hohe Ablösesumme bislang noch nicht wirklich rechtfertigen konnte, beginnt langsam in seiner eigenen Währung zurückzuzahlen.

Gegen den BVB spulte Sow die meisten Kilometer aller Spieler ab, brachte die meisten Pässe zum Mitspieler und hatte zudem die meisten Frankfurter Ballkontakte. Gegen RB stellte er den Rekord des schnellsten Spielers ein und rannte erneut die meisten Kilometer, auch bei Union überzeugte er mit starker Passquote und Lauffreudigkeit. Kurzum: Auch Sow bringt der Eintracht Sicherheit. Im Gegensatz zu Ilsanker aber nicht durch Zweikampfstärke, sondern durch Ballsicherheit und ständiges Anbieten. Gebt mir den Ball, ich mach das schon.

"Als Mittelfeldspieler möchtest du der zentrale Punkt in der Mannschaft sein, so wie am Ende in Bern. Da war ich war der Denker und Lenker", beschrieb Sow in einem Interview mit der Bild-Zeitung seine Rolle im Team. Rode, in Abwesenheit Ilsankers der defensivere Sechser, erobert die Bälle. Sow bestimmt das Tempo und leitet die Angriffe ein. So soll und kann es laufen. Dass das funktionieren kann, bewies vor allem die erste Hälfte gegen Dortmund. "Ich bin kein Wunder-Spieler, kann keine Zauber-Dinge, aber ich bin ein junger Fußballer mit viel Potential. Ich möchte einfach meine Qualitäten ins Spiel bringen", so Sow.

Jetzt kommt Wolfsburg

Ob der Schweizer Nationalspieler das auch am Freitag (20.30 Uhr) beim VfL Wolfsburg machen darf? Die Wölfe haben in der eigenen Arena in dieser Saison noch nicht ein Spiel verloren und gehen als Favorit in die Partie. Eine defensivere Formation mit Rode und Ilsanker wäre denkbar, ein Fußballer wie Sow könnte der Eintracht aber weiterhin guttun. Ein Blick auf die vergangenen drei Spiele lässt deshalb nur eine Schlussfolgerung zu: Sow oder nix.

Sendung: hr1, 9.12.20, 11 Uhr