Fredi Bobic

Eintracht Frankfurt ist voll da. Das gilt nach dem Sieg in Mainz für alle Ebenen: Für das große Ziel Europa gehen die Hessen sportlich und finanziell ins Risiko.

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zum Video Die Pressekonferenz nach dem Eintracht-Sieg in Mainz

PK SGE MAINZ
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Stur und mutlos oder doch innovativ und gewagt? Adi Hütter wurden in den vergangenen Monaten sämtliche Attribute angedichtet. Als die Frankfurter Eintracht neun Spiele in Folge nicht gewinnen konnte, brodelte es im Umfeld, der Abstiegskampf schien ganz nah, der Cheftrainer angezählt. Und jetzt? Hat die Eintracht drei Siege in Folge geholt und nach dem 2:0 in Mainz Tuchfühlung zu den Europacup-Rängen. Zwei Punkte trennen die Hessen von Platz sechs, Hütter gilt nach wenigen, aber wirkungsvollen Umstellungen als Architekt des Erfolgs. So schnell kann's gehen.

"Wir haben uns wieder neu erfunden", sagte ein gut gelaunter Sportvorstand Fredi Bobic am Tag nach dem Mainz-Spiel im Sport1-Doppelpass. Dabei brauchte es für die Reinkarnation gar nicht so viel: Die Umstellung auf ein mutigeres System mit zwei Spielmachern hat sich als Glücksgriff erwiesen.

Mit der Kraft der Doppel-Zehn

Einen großen Anteil daran hat Winter-Neuzugang Amin Younes, der nach Stotterstart in Frankfurt angekommen ist. "Younes kommt immer besser in Schwung und tut der Mannschaft verdammt gut", sagte Bobic. Im Verbund mit Makoto Hasebe und Djibril Sow sorgt der 27-Jährige dafür, dass Frankfurt wieder richtig ansehnlichen Fußball spielt: die Doppel-10 als Erfolgsrezept.

Ohne André Silva würde die Eintracht aber nicht da stehen, wo sie jetzt steht. Der Portugiese hat seinen Ruf, ein exzellenter Fußballer zu sein, mit Toren am Fließband untermauert. In Mainz war er zweimal vom Punkt erfolgreich, doch nicht nur seine Kaltschnäuzigkeit schätzt Bobic: "Er arbeitet auch sehr hart, das hat er angenommen." Silvas technische Fähigkeiten sind in Frankfurt ohnehin über jeden Zweifel erhaben. "Er ist Alleinunterhalter im Angriff und macht das richtig gut", lobte Hütter den Portugiesen.

Eintracht will neuen Stürmer holen

Der sportliche Aufschwung führt beim hessischen Bundesligisten auch zu einem gesteigerten Selbstbewusstsein. Wo andere von Spiel zu Spiel denken, formulieren die Frankfurter ihre Ziele mittlerweile offensiv. Eintracht international, das ist das Motto der Restrunde. Die kommenden sechs Gegner, darunter die Kellerclubs Schalke, Bielefeld und Köln, sind auf dem Papier allesamt schlagbar. Warum also nicht?

"Wir haben international für Furore gesorgt und wollen wieder nach Europa. Darum werden wir kämpfen", gab Hütter die Ziele für den weiteren Saisonverlauf unmissverständlich aus. "Dass wir in dieser Saison nicht dabei sind, tut auch unserem Geldbeutel weh", ergänzte Bobic am Sonntag. Um die Rückkehr nach Europa zu erreichen, will der Club trotz der finanziell angespannten Corona-Situation noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv werden: "Wir wollen im Januar noch einen Stürmer dazu holen. Aber es muss sportlich und wirtschaftlich sinnvoll sein."

Weil die Pandemie eine wirtschaftliche Planung beinahe unmöglich macht, bietet sich eine Leihe in dieser Hinsicht förmlich an. "Es macht Sinn", meinte Bobic, "weil wir nicht wissen, was im Sommer sein wird." In seinem Fokus ist weiter besonders Bayern Münchens Nachwuchsangreifer Joshua Zirkzee. "Ein sehr talentierter Spieler, den wir interessant finden", bekräftigte Bobic. Sollte es mit einem Engagement nicht klappen, werde man sich um einen "Spieler, wie er einer ist" bemühen.

Joshua Zirkzee

Mit großen Ambitionen nach Leverkusen

Vorerst muss es aber weiter Torgarant Silva in vorderster Front richten. Auch am kommenden Dienstag, wenn das schwere Pokalspiel bei Bayer Leverkusen ansteht. Der Sieger von 2018 verfolgt große Pläne: "Wir sind eine Pokal-Mannschaft und haben Vertrauen in unsere Stärke", sagte Hütter. "Deshalb sind wir zuversichtlich und werden alles daran setzen, eine Runde weiterzukommen." Ein weiteres Erfolgserlebnis würde seinem Standing sicher nicht schaden.

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! bundesliga, 10.1.2021, 22.50 Uhr