Jubel bei Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt hat nach schwierigen Monaten zu sich selbst gefunden und verbreitet endlich wieder etwas Angst und Schrecken. Das letzte fehlende Element könnte und sollte der dringend benötigte Neuzugang im Sturm mitbringen.

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Die Suche nach dem Frankfurter Matchwinner war in den vergangenen Monaten wohl selten komplizierter als nach dem 2:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen. Klar, Amin Younes lag nach seinem ersten Treffer im Trikot der Hessen und zahlreichen starken Aktionen in der Offensive wohl in aussichtsreichster Position. Aber auch Vorbereiter und Ballverteiler Djibril Sow, Mittelfeld-Jungbrunnen Makoto Hasebe oder Abwehrkante Martin Hinteregger zeigten gegen das Bundesliga-Spitzenteam aus Leverkusen eine Gala-Vorstellung.

"Wir haben sehr viel richtig gemacht. Dieses Spiel gibt Zuversicht", fasste Trainer Adi Hütter die Leistung seines Teams am Samstag zusammen. Kurzum: Nach schwierigen Wochen und Monaten überzeugte die Eintracht endlich einmal wieder auf ganzer Linie und knüpfte gegen Leverkusen fast schon an die glorreichen alten Europa-League-Zeiten an: hinten kompromisslos, vorne unberechenbar. Ein Hauch von Büffelherde.

Eintracht Frankfurt spielt wieder Fußball

Doch was genau ist besser geworden? Nachdem die Hessen im grauen Herbst selbst gegen schwächere Gegner wie Stuttgart oder Bremen auf Sicherheit setzten und von Trainer Adi Hütter dementsprechend defensiv eingestellt wurden, ist spätestens seit der Länderspielpause eine Trendwende erkennbar. Mit Ausnahme des schwachen Auswärtsspiels in Wolfsburg (1:2) zieht Hütter im Mittelfeld endlich gute Fußballer guten Kämpfern vor. Das Kreieren von eigenen Chancen ist wieder mindestens genauso so wichtig wie das Verhindern von gegnerischen Chancen. Der Mut ist zurück.

Dort, wo früher Stefan Ilsanker das Spiel des Gegners zerstörte, beginnt jetzt der eigene Spielaufbau durch Hasebe, den zuletzt gesperrten Sebastian Rode und Sow. Dort, wo früher Daichi Kamada auf sich alleine gestellt war, wirbeln jetzt mit Amin Younes und Aymen Barkok oder Kamada gleich zwei Kreativkräfte. Diese scheinbar kleinen Umstellungen haben dazu geführt, dass die Eintracht deutlich an Ballsicherheit gewonnen hat und wieder schwerer auszurechnen ist. "Wir haben uns spielerisch gesteigert, vor allem Younes tut uns gut", bescheinigte auch Abwehrchef Hinteregger eine Qualitätssteigerung im Spiel nach vorne.

Auch die Defensive profitiert

Doch damit nicht genug. Denn die zurückgewonnene Variabilität in der Offensive sorgt auch für mehr Kompaktheit in der Defensive. Die Dreierkette, die gegen Leverkusen aus dem Türsteher-Trio Evan N'Dicka, Hinteregger und David Abraham bestand, kann sich dank der erhöhten Kompetenz in Sachen Spielgestaltung bei eigenem Ballbesitz weitgehend zurückhalten und so Kräfte für das Kerngeschäft sparen. Vor allem die beiden äußeren Innenverteidiger – im aktuellen Fall Abraham und N'Dicka – stehen nicht mehr so hoch wie noch zu Saisonbeginn. Folge: kürzere Wege nach hinten, mehr Power für Zweikämpfe.

Dass die Abwehr das Potenzial hat, selbst hochklassige Offensivreihen auszuschalten, bewies die Partie gegen Leverkusen aber eindrucksvoll. Die bis dato zweitgefährlichste Angriffsreihe der Liga brachte es gegen die Eintracht auf gerade einmal sieben Torschüsse, richtig gefährliche Torchancen erspielte sich die Werkself über die kompletten 90 Minuten nicht. "Frankfurt war auf dem ganzen Platz besser", konstatierte Leverkusens Trainer Peter Bosz. Ein Mix aus gefährlicher Offensive und aggressiver Defensive. Die Eintracht kann es noch.

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Es fehlt weiter an Speed

Bei aller Euphorie zeigte aber auch der Sieg gegen Leverkusen, dass es dem Team von Trainer Hütter weiter entscheidend an Tempo fehlt. André Silva ist zwar einer der besten Stürmer der Liga, schnell ist der Portugiese aber definitiv nicht. Da zudem auch Younes, Sow und Rechtsaußen Erik Durm nicht gerade zu den Sprintkönigen gehören, ist die Eintracht bei Kontern zu harmlos. Gelegenheiten zum schnellen Umschalten gab es gegen Leverkusen jede Menge, der Ertrag war aufgrund der zu wenig vorhandenen Geschwindigkeit aber deutlich zu wenig.

Abhilfe kann und muss hier der angekündigte und nach dem Abgang von Bas Dost dringend benötigte Neuzugang für den Sturm werden. Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic hat sich öffentlich zwar noch nicht auf einen Spielertyp festgelegt. Dieser sollte aber genau das Gegenteil des am Mittwoch vom ehemaligen Frankfurter Jan-Aage Fjörtoft ins Spiel gebrachten Vedad Ibisevic sein. Der Ex-Schalker ist nämlich genau das, was auch Fjörtoft früher einmal war: ein guter Stürmer, aber viel zu langsam.