Rafael Borré in Fürth

2:1 in Fürth gewonnen. Man könnte es positiv ausdrücken: Die Spieler von Eintracht Frankfurt entwickeln sich zu echten Last-Minute-Helden. Man könnte es aber auch negativ betrachten: Die Frankfurter haben mal wieder ziemlich schlecht gespielt. Die Analyse in fünf Punkten.

Eintracht Frankfurt hat durch ein spätes Tor von Rafael Borré (90.+4) mit 2:1 bei Greuther Fürth gewonnen. Der eingewechselte Sebastian Rode hatte die Hessen zuvor mit 1:0 in Führung gebracht (75.), Cedric Itten hatte in der zweiten Minute der Nachspielzeit zum zwischenzeitlichen Ausgleich getroffen.

Videobeitrag

Video

zum Video Highlights: Fürth - Eintracht

Highlights
Ende des Videobeitrags

1. Last-Minute-Helden

Wenn der vierte Offizielle die Tafel mit der Nachspielzeit in den Abendhimmel hält, wirkt das aktuell geradezu elektrisierend auf die Eintracht. Gegen Leipzig köpfte Tuta den Ball in der vierten Minute der Nachspielzeit zum 1:1 ein, während der Woche erlöste Jens-Petter Hauge sein Team "schon" in der zweiten Minute der Extra-Time durch das 2:1 bei Olympiakos Piräus. Beim Tabellenletzten Greuther Fürth war die Sache etwas komplexer. Zunächst fing sich die Eintracht kurz vor dem Abpfiff den Ausgleich, um dann doch noch jubeln zu dürfen. Auch Rafael Borré ließ die Fans mit seinem Treffer bis zur vierten Minute der Nachspielzeit warten.

Videobeitrag

Video

zum Video Mit Radiokommentar - die wilde Nachspielzeit von Eintracht Frankfurt in Fürth im Video

Die Eintracht vor einem der letzten Angriffe in Fürth.
Ende des Videobeitrags

"Nach dem Ausgleich behaupte ich, dass 99 von 100 Mannschaften nicht mehr zurückkommen", schätzt Eintracht-Trainer Oliver Glasner die Angelegenheit in Fürth positiv ein. Die Eintracht als Mentalitätsmonster. Schlecht spielen, knapp gewinnen, heißt das neue Motto der Frankfurter. Das ist durchaus eine Qualität, wenn auch keine besonders ansehnliche. Doch vier Punkte Abstand zu den Abstiegsplätzen sind aktuell das Maximale der Gefühle.

2. Gruselige erste Halbzeit

Wenn Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann das nächste Mal zur Bundesliga-Tagung fährt sollte er einen ausgearbeiteten Reform-Antrag mit im Gepäck haben. Forderungen wie "gewertet wird nur die Nachspielzeit" oder "wenn es sein muss auch noch die zweite Halbzeit" sollten vorkommen. Das würde die Eintracht wirklich abheben lassen. Denn die erste Halbzeit der Adlerträger ist derzeit regelmäßig ein Ereignis zum Gruseln.

40 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 62 Fehlpässe und ganz genau ein Schuss aufs Fürther Tor, das sind nur drei Anhaltspunkte dafür, dass die Eintracht erste Halbzeiten einfach nicht mehr kann: An einen geordneten Spielaufbau war nicht zu denken, Bälle wurden in Höchstgeschwindigkeit verloren und der Gegner - der hoffnungslose Tabellenletzte der Liga - dominierte das Spiel. Viel schlimmer geht es nicht. In der ersten Halbzeit.

3. Kostic und sonst reichlich wenig

Filip Kostic hat kein gutes Spiel gemacht. Das lag unterem daran, dass auch die Fürther mitbekommen haben, dass "alles auf Kostic" die einzige echte Spielidee der Eintracht ist. Und so stellte der Tabellenletzte den Serben mit den starken Marco Meyerhöfer und dem offensiveren Jamie Leweling fast vollständig zu. Kostic brachte nur 15 seiner 35 Pässe im Spiel zum Mitspieler, der Rest landete beim Gegner. Eine schlechte Quote.

Filip Kostic in Fürth

Und trotzdem hat Kostic den Unterschied gemacht - mal wieder. Seine Flanke in der vierten Minute der Nachspielzeit landete via Kopfball-Verlängerung von Evan N'Dicka beim Siegtorschützen Borré. Kostic ist also Segen und Fluch zugleich. Wenn gerade einmal jeder zehnte Angriff über die notorisch schwache rechte Frankfurter Seite läuft, fast alles aber über den linken Kostic, gehört die Eintracht zu den ausrechenbarsten Klubs der Bundesliga. In der vergangenen Saison war das kein Problem, in dieser Spielzeit schon.

4. Die verzweifelte Suche nach dem Selbstvertrauen

Erfolge bringen eine breite Brust, also viel Selbstvertrauen, lautet eine oft zitierte Fußball-Weisheit. Diese Weisheit sollte seit dieser Saison mit einem Sternchen versehen werden. So etwa: *ausgenommen Eintracht Frankfurt. Denn die Eintracht holt sich aus Siegen alles, nur keine Sicherheit. Auf den sensationellen Erfolg bei den Bayern folgte eine Niederlage gegen die schwächelnde Hertha. Auf den furiosen 3:1-Erfolg gegen Olympiakos Piräus eine Schlappe in Bochum.

Der Eintracht bleibt eine Wundertüte und die Hoffnung, dass diesmal nach den Erfolgen in Piräus und gegen Fürth alles anders wird. "Es gilt weiterhin für uns viel zu arbeiten, gerade im Spiel mit dem Ball. Da hoffe ich, dass die Siege Selbstvertrauen geben", vermerkte Mannschaftskapitän Sebastian Rode in den Interviews nach dem Sieg im Fürther Stadteil Ronhof.

5. Glasner fehlt die Bindung zum Spiel

Glasner hat wieder viel gebrüllt in Fürth. Zurecht war der Eintracht-Trainer gerade in der ersten Halbzeit sehr erbost, diesmal ohne Volleyschuss auf die Tribüne. Nach dem Spiel war Glasner sehr stolz. Der 47-Jährige lobte überschwänglich die Mentalität seiner Spieler: "Diese Jungs sind einfach unglaublich." Doch dazwischen ist recht wenig. Während die Defensive akzeptabel spielte, herrscht im Spiel nach vorne weiterhin die große Dürre. Wenn selbst der Tabellenletzte spielerisch mehr zu bieten hat als die Eintracht, dann ist das nicht gut.

Oliver Glasner

Glasner bittet um Zeit. Durch die Doppelbelastung aus Liga und Europapokal sei an ein ernsthaftes Einstudieren von offensiven Abläufen aktuell nicht zu denken. Das werde aber kommen. "Im Januar und Februar haben wir mal auch ganze Wochen zum Trainieren. Dann erwarte ich von uns und auch von mir, dass wir deutliche Schritte vorwärts machen", sagte Glasner nach dem Sieg in Fürth. Der verschafft ihm jetzt zumindest wieder mehr Zeit und Luft, damit er die Trainingseinheiten ab Neujahr 2022 sportlich auch noch erleben kann.

Der Eintracht pustet jetzt mal durch. Länderspielpause. Erst am 21. November geht es zum schweren Auswärtsspiel beim SC Freiburg. Glücklich macht das Glasner trotzdem nicht, denn an ernsthafte Übungseinheiten ist nicht zu denken. Durch die Länderspielabstellungen habe man jetzt halt "nur sieben oder acht Profis im Training", machte sich der Eintracht-Trainer keine Hoffnungen. Üben wird er mit der Kleingruppe ab Dienstag trotzdem. Vielleicht ja als erstes mal erste Halbzeiten.

Weitere Informationen

Greuther Fürth - Eintracht Frankfurt 1:2 (0:0)

Fürth: Funk - Meyerhöfer, Christiansen, Sarpei, Willems (76. Itter) - Griesbeck - Seguin (83. Fein), Green (73. Tillman) - Hrgota, Itten, Leweling
Frankfurt: Trapp - Tuta, Hinteregger, Ndicka - Durm (46. Toure, 90. Chandler), Sow (71. Rode), Jakic, Kostic - Kamada (90. Ilsanker) - Borre, Lindström (71. Ache)

Tore: 0:1 Rode (75.), 1:1 Itten (90.), 1:1 Itten (90.+2), 1:2 Borre (90.+4)
Gelbe Karten: Christiansen, Griesbeck, Hrgota / Jakic

Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
Zuschauer: 10.244

Ende der weiteren Informationen
Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen