Filip Kostic bejubelt sein 1:0 gegen Stuttgart

Bei seiner Einwechselung wurde Filip Kostic gefeiert. Nach seinem Tor um so mehr. Auch wenn es gegen Stuttgart nicht zum Sieg reichte: Kostic ist wieder ein Versprechen für die Zukunft.

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Kostic - Einwechslung und Tor
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Schon vor dem Eintracht-Spiel gegen den VfB Stuttgart war rund um das Frankfurter Stadion eine Besonderheit zu bemerken: Scheinbar jede Eintracht-Anhängerin, jeder Eintracht-Fan, der im Besitz eines Filip-Kostic-Trikots ist, hatte es an diesem Tag an. Schon das war ein Statement dafür, dass die Eintracht-Gemeinde bereit ist, den fast verlorenen Sohn mit offenen Armen wieder aufzunehmen. Als Kostic dann in der 59. Spielminute zusammen mit Trainer Oliver Glasner an der Außenlinie stand und eingewechselt wurde, schien die Stimmung im Stadion das erste Mal zu explodieren.

Viele Fans erhoben sich von ihren Sitzen. Doch in den donnernden Applaus mischten sich auch Pfiffe. Doch die Pfiffe kamen fast ausschließlich aus dem Stuttgarter Fan-Block, der den Auftritt des einstigen VfBlers auch in den Folgeminuten bei jeder Ballberührung kritisch begleiteten. Dass Kostic nach dem Chaos um seinen - letztlich gescheiterten - Wechsel zu Lazio Rom erst nach knapp einer Stunde Spielzeit eingewechselt wurde, wollte Glasner jedoch nicht als Strafmaßnahme verstanden wissen.

Die Frage in der Pressekonferenz nach dem Spiel, ob er Kostic auf der Bank habe schmoren lassen, begegnete Glasner mit einem Kopfschütteln: "Wenn ich ihn hätte schmoren lassen, dann wäre er nicht im Kader gewesen. Filip ist erst am Donnerstagabend von der Länderspielreise zurückgekommen". Die Tage rund um den gescheiterten Wechsel zu Lazio Rom seien auch an Kostic nicht spurlos vorbeigegangen, das habe ihn belastet. "Er hatte die ein oder andere schlaflose Nacht hinter sich. Ich habe ihn im Training beobachtet und er war noch nicht so frei." Auch Kostic habe es als richtige Entscheidung wahrgenommen, dass er nicht von Anfang an spiele.

Kostic auf dem Weg ins Märchenland

Durch die Einwechselung von Kostic ging ein Ruck durch die Eintracht. Auf Platz belebte der Serbe sichtlich die Frankfurter Angriffsbemühungen und auch auf den Rängen wuchs die Zuversicht. Die Stimmung, die in den Minuten davor wegen des eher durchwachsenen Offensivspiels weitgehend eingeschlafen war, wurde merklich besser. Und fand ihren Höhepunkt beim Kostic-Tor zwanzig Minuten später. "Ich erwarte, dass Filip Kostic Filip Kostic ist", hatte Glasner vor dem Spiel gefordert. Und genau das passierte. Mit welcher Dynamik der 28-jährige Serbe in den Strafraum stürmte und den Ball dann rechts unten ins Stuttgarter Tor schoss war genau der Kostic, wie die Fans ihn lieben und dies nun auch wieder - abgesehen von einzelnen Ausnahmen - tun.

Nach seinem Tor rannte Kostic Richtung Fan-Kurve und ward alsbald in der Traube der mitjubelnden Mannschaftskollegen nicht mehr zu sehen. Auch Glasner rannte vor Glück einfach los, stoppte dann aber doch den Lauf zu seinen Spielern ab. "Natürlich ist uns allen auch ein Stein runtergefallen. Das ist ja oft auch so ein Märchen, was der Fußball dann schreibt". Das hatte sein Trainer ansatzweise vorhergesehen. "Du kommst dann rein und schießt das Siegtor", hatte Glasner Kostic vor dem Spiel gesagt. Tor ja, Siegtor nein. "Da war ich leider nicht ganz Prophet. "Da hat das Spiel etwas zulange gedauert." Der Stuttgarter Ausgleich zum 1:1-Endstand kurz vor Schluss nach einer defensiven Tiefschlafphase der Eintracht, riss Kostic und Co. aus allen Märchen-Träumen.

Filip Kostic

Der Kostic-Auftritt ist ein Versprechen für die Zukunft

Wer geglaubt hatte, dass sich Kostic - nachdem sein ersehnter Wechsel nach Rom scheiterte - bei der Eintracht nun hängen lassen würde, wurde eines Besseren belehrt. Der linke Flügelflitzer zeigte gegen Stuttgart eine äußerst engagierte Leistung, die die Frankfurter Angriffsbemühungen auf ein höheres Niveau hob. Denn den neuen Offensivkräften wie Jesper Lindström, Jens-Petter Hauge und dem frischverpflichteten Sam Lammers fehlt es - verständlicherweise - noch gehörig an Spiel-Bindung und Zug zum Tor. Und da auch Ajdin Hrustic ein unsicheres Spiel zeigte, war es um die Offensivstärke gegen Stuttgart lange Zeit schlecht bestellt.

Kostic und der später eingewechselte Stürmer Rafael Borré machten es besser. Nach Kostic-Zuspiel hätte Borré das Fußball-Märchen in der Nachspielzeit fast doch noch perfekt gemacht. Doch sein Schuss prallte gegen die Latte, gegen den Rücken des Stuttgarter Torhüters, nicht jedoch ins Tor. Doch das Duo Kostic-Borré könnte in der Zukunft zum Erfolgs-Faktor werden, das hat die Szene in der Nachspielzeit gezeigt. Beide Spieler haben die Dynamik und Aggressivität, die der Eintracht zuletzt oft fehlte. Ob das Duo vielleicht schon am kommenden Sonntag den Ausschlag gibt, ist allerdings die große Frage. Die Eintracht spielt beim verlustpunktfreien Tabellenführer VfL Wolfsburg.