Eintracht Frankfurt Martin Hinteregger Union Berlin

Eintracht Frankfurt verliert das Europapokal-Endspiel in der Bundesliga bei Union Berlin und steckt im Mittelfeld fest. Eine gute Sache hat die Niederlage aber auch: Die Saison findet nun nur noch in einem Wettbewerb statt. Die Analyse in fünf Punkten.

Videobeitrag

Video

Highlights: Union Berlin - Eintracht Frankfurt

Highlights
Ende des Videobeitrags

Eintracht Frankfurt hat in der Bundesliga gegen den direkten Tabellennachbarn Union Berlin am Ostersonntag mit 0:2 (0:2) verloren. Die Tore für die Eisernen erzielten Taiwo Awoniyi (17. Minute) und Grischa Prömel (21.).

1. Barcelona aus dem Kopf und Körper? Nö!

Es war wohl mehr der Wunsch Vater des Gedankens. Irgendwie, wie auch immer, wollte Eintracht-Coach Oliver Glasner innerhalb von drei Tagen die magische, geschichtsträchtige Nacht von Barcelona aus den Köpfen und Körpern seiner Eintracht-Spieler bekommen. Ein Strandlauf am Freitag, ein Bad im Mittelmeer, eine Trainingseinheit am Samstag, ein wenig Einstimmung am Sonntag, das alles sollte helfen, damit die Hessen beim Gastspiel in der Hauptstadt wieder auf Bundesliga gepolt waren.

Es klappte nicht. Barcelona war im Kopf, Barcelona war im Körper. Es war eine menschliche Reaktion, dass die Frankfurter in Berlin besonders in der ersten halben Stunde ständig einen Meter zu weit weg standen, leichte Fehler einstreuten, kurz: kaum ein Bein vor das andere bekamen. Die Folge: ein 0:2-Rückstand nach kurzer Zeit. Das mit Blick auf die Tabelle immens wichtige Spiel an der Alten Försterei war früh gelaufen.

2. Union tut da weh, wo es weh tut

Es darf aus hessischer Sicht aber auch erwähnt werden, dass da ein Gegner auf dem Platz stand, der haargenau wusste, was der Eintracht an diesem Sonntagnachmittag weh tat. Union presste früh, Union tat den Frankfurtern weh, Union störte, nervte, war eklig. Alles völlig legitim, aber eben genau das, was eine Mannschaft, die zwei Tage zuvor noch mit einem dicken Grinsen im Gesicht ein Bad im Mittelmeer genossen hatte, gar nicht mag.

"Das war für Frankfurt nicht einfach nach dem Erlebnis in Barcelona", gab auch Union-Trainer Urs Fischer zu. "Das hatte aber auch mit meiner Mannschaft zu tun. Die erste Halbzeit war top von uns. Wir haben die Eintracht in jeder Aktion gestresst." Das Resultat war schnell auf dem Platz sichtbar. "Die erste halbe Stunde hat uns Union vorgeführt", fasste es Eintracht-Verteidiger Christopher Lenz treffend zusammen.

3. Frust über fehlenden Pfiff

Dass die Berliner dieses Spiel am Ende verdient gewannen, darüber gab es nach Abpfiff keine zwei Meinungen. Und dennoch störte die Hessen der Führungstreffer der Gastgeber, der die fußballerischer Lawine der Köpenicker erst richtig ins Rollen brachte. Torschütze Taiwo Awoniyi hatte sich zuvor mit einem Schubser relativ unsanft gegen Eintracht-Abwehrchef Martin Hinteregger durchgesetzt, der daraufhin das Spielen eingestellt hatte. Zurückgepfiffen wurde der Treffer allerdings nicht.

"Für mich war es vor dem 0:1 ein klares Foul", klagte auch Keeper Jens Grahl, der für den verletzten Kevin Trapp im Tor stand, nach der Partie an. "Wir haben da auch alle ein wenig abgeschaltet. Mir ist es unverständlich, warum er das nicht pfeift." Sein Trainer sah es ähnlich. "Meiner Meinung nach ging dem Treffer ein nicht gegebenes Foul voraus", betonte Oliver Glasner. Alles reklamieren half jedoch nichts. Der Treffer zählte und die Eintracht-Niederlage nahm damit ihren Lauf.

Videobeitrag

Video

Die Eintracht-PK nach dem Spiel bei Union Berlin

Oliver Glasner
Ende des Videobeitrags

4. Das alte Lied: Der zweite Anzug sitzt nicht

Über die erste Hälfte ist jetzt genug geschrieben, ab zur zweiten. Die war zwar deutlich stabiler aus hessischer Sicht, Torchancen blieben aber Mangelware. Und das, obwohl in der Offensive die Dauer-Reservisten Ajdin Hrustic, Jens Petter Hauge und Goncalo Paciencia eine Chance dank Barca-Rotation bekamen. Es bleibt aber das alte Lied, oder besser Leid, in Frankfurt: Der zweite Anzug sitzt nicht.

Von den Nachrückern, zu denen auch Timothy Chandler gehörte, konnte keiner mit Nachdruck dafür zu werben, bald eine weitere Chance zu erhalten. Einzig der in der zweiten Halbzeit eingewechselte Ragnar Ache sorgte für ein wenig Schwung. Glasner dürfte in den wichtigen Spielen, die gegen West Ham United kommen, daher eher nicht mit einer Rotation planen.

5. Europacup im nächsten Jahr? Nur über den Europacup!

So müde der Kopf war, so müde die Beine, darf im Nachklapp nicht vergessen werden, wie wichtig diese Partie eigentlich für Eintracht Frankfurt war. Das Ticket für den Europapokal in der nächsten Saison können die Hessen über die Bundesliga eigentlich nicht mehr lösen. Zu groß ist nun der Abstand. Aber es gibt ja noch einen anderen Weg.

Seit diesem Sonntag in Berlin ist klar, dass die Hessen diese verkorkste Bundesliga-Saison nun nur noch über den Europapokal veredeln können. Bereits am 28. April steht das Halbfinal-Hinspiel bei West Ham United an, sollten die Frankfurter am Ende tatsächlich die Europa League gewinnen und nach mehr als 40 Jahren wieder einen europäischen Pokal nach Hessen holen, würde das gar das Champions-League-Ticket bedeuten. Dann wäre die Bundesliga-Platzierung wirklich egal. Wenn nicht, könnte dieses Spiel in Berlin im Nachgang aber noch weh tun.