Fredi Bobic im Pokal in Leverkusen

Fredi Bobic zur Hertha? Es gibt zahlreiche gute Gründe, warum der 49-Jährige nach Berlin wechseln könnte. Doch bei der Eintracht glauben sie, dass Bobic bleibt. Der könnte das Thema beenden, lässt es aber köcheln.

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Fredi Bobic Eintracht Frankfurt
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Der erste Reflex war Unglauben. Unglauben über einen Bericht der Sport Bild Ende Januar, dass Fredi Bobic heißer Kandidat auf den vakanten Sportvorstands-Posten bei Hertha BSC ist. Wieso sollte Bobic von der aufstrebenden Eintracht zur sportlich daniederliegenden Hertha wechseln? Doch an dem Thema scheint mehr dran zu sein, als der Eintracht lieb ist.

Sportvorstand Bobic hätte die Wechsel-Gerüchte schnell im Keim ersticken können. Beispielsweise mit Verweis auf seinen noch zweieinhalb Jahre laufenden Vertrag in Frankfurt. Tat er jedoch nicht. Vom TV-Sender Sky auf das Hertha-Thema angesprochen, sagte Bobic am Montag: "Was die Zukunft bringt, weiß kein Mensch." Ein Satz wie eine Einladung für Spekulationen aller Art.

Fakt ist: Es gibt viele Argumente für einen Wechsel nach Berlin. Aber auch genauso viele, die für einen Bobic-Verbleib in Frankfurt sprechen.

Fredi Bobic: Das fehlende Puzzle-Stück bei der Hertha

Über den selbsternannten Big City Club aus der Bundeshauptstadt lachen aktuell Fußballfans in ganz Deutschland. Ein Tabellenplatz kurz vor den Abstiegsrängen passt so gar nicht zu den großspurigen Ambitionen der Hertha. Für 374 Millionen Euro hat sich Investor Lars Windhorst eingekauft, doch das Geld ist weitgehend versandet. Den Berlinern fehlt es am sportlichen Know-how. Genau das könnte Fredi Bobic beisteuern.

Bobic hat bei Eintracht Frankfurt gezeigt, dass er einen Verein in einer sportlichen Krise durch eine kluge Transferpolitik wieder groß machen kann. Und bei der Hertha hätte er wesentlich mehr Geld zur Verfügung als bei seinem Start 2016 bei der Eintracht. Windhorst soll viele weitere Millionen Euro zugesagt haben. Die Hertha könnte sich das Know-how damit im Doppelpack einkaufen: Mit Bobic sollen die Berliner auch Interesse an Eintracht-Chefscout Ben Manga haben.

Seit dem 1. Dezember ist zudem der ehemalige Sky-Boss Carsten Schmidt neuer Vorstandschef bei der Hertha. Schmidt und Bobic schätzen sich sehr. Bobic schrieb Schmidt sogar einen Glückwunsch-Brief zu dessen Einstand in Berlin. Neben Bobic gibt es bei der Hertha nur einen weiteren Kandidaten für den Sportvorstands-Posten: Ralf Rangnick.

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Luka Jovic und Filip Kostic umarmen sich.
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Fredi Bobic: Gute Gründe, in Frankfurt zu bleiben

Bobic ist der Boss im sportlichen Bereich. Dort redet ihm bei der Eintracht niemand rein. Es gibt keine öffentlichen Querschüsse. Das mag Bobic. Das wäre in Berlin ganz anders. Bei der Hertha gibt es viele Häuptlinge, die sich gerne äußern. Ob nun Präsident Werner Gegenbauer oder Aufsichtsrat Jens Lehmann. Das mag Bobic gar nicht.

Dass sich sein früherer Verein VfB Stuttgart 2014 von ihm als Sportdirektor und Vorstand trennte, lag vor allem an seinem Dauerstreit mit dem dortigen Aufsichtsrat. Bobic ist sozusagen ein gebranntes Kind. Bei der Eintracht ist alles anders. Bobic hat nach und nach wichtige Schaltstellen des Clubs mit "seinen" Leuten besetzt. Er kann in Ruhe arbeiten. Zudem ist die Eintracht aktuell der Verein in der Bundesliga, der im Verhältnis auf allen Ebenen am stärksten wächst.

Sollten die Adlerträger am Ende der Saison die Qualifikation für einen der Europapokal-Wettbewerbe schaffen, gäbe es für Bobic viele Argumente, in Frankfurt zu bleiben. Zudem er schon für die kommende Spielzeit mitplant und Spieler wie Ali Akman und Christopher Lenz verpflichtete. Bei der Eintracht gehen aktuell alle davon aus, dass Bobic bleibt.

Berliner Interesse als Druckmittel für das nächste Eintracht-Level?

"Was die Zukunft bringt, weiß kein Mensch". Bobic lässt sich durch Sätze wie diesen aber alle Optionen offen. Eintracht? Hertha? Vielleicht ist das eine Lehre aus dem Transfer-Gewackel seines ehemaligen Trainers Niko Kovac, der sich zunächst zur Eintracht bekannte und dann zu Bayern München ging. Bobic bleibt im Ungefähren. Vielleicht auch, um durch das aktuelle Interesse an seiner Person Druck zu erzeugen.

Druck auf die Eintracht, mehr Geld zu investieren, um den Verein auf das nächste Level zu heben. Im Sommer einmal nicht vier oder fünf Stars zu verkaufen. Und vielleicht bislang undenkbare Personalien wie die Verpflichtung von Luka Jovic über den Sommer hinaus denkbar zu machen. Das nächste Aufbau-Projekt in Berlin oder das nächste Level in Frankfurt. Das scheinen aktuell die Optionen von Bobic zu sein.