Djibril Sow jubelt über sein Tor gegen Leverkusen

Eintracht Frankfurt spielt sich gegen Bayer Leverkusen in einen Rausch und schlägt die Gäste mit ihren eigenen Waffen. Djibril Sow bewirbt sich für den Pass und die Leistung des Monats. Ja, ist denn heut schon Weihnachten? Die Analyse in fünf Punkten.

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Highlights: Eintracht Frankfurt - Bayer Leverkusen

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Eintracht Frankfurt fegt über Bayer Leverkusen hinweg und gewinnt trotz eines frühen 0:2-Rückstands mit 5:2 (2:2). Patrick Schick trifft doppelt für die Gäste (5./22.HE). Dann lassen Tuta (23.), Jesper Lindström (23.), Evan N'Dicka (50.), Kristijan Jakic (66.) und Djibril Sow (76.) die spärlich besetzten Ränge beben.

1. Defensive? Von wegen

Vor der Partie hatte sich Eintracht-Trainer Oliver Glasner öffentlich den Kopf darüber zerbrochen, wie sein Team wohl diese Offensive von Bayer Leverkusen stoppen könne. Bei der Spieltags-Pressekonferenz warnte er eindringlich vor den schnellen Außen, vor Toptalent Florian Wirtz, vor Mittelstürmer Schick und sowieso vor der gesamten Angriffsreihe. Die Rückkehr zur Viererkette sei eine Option, referierte Glasner. Genau wie eine Fünferkette mit fünf gelernten Verteidigern. Oberstes Ziel: den zweitbesten Sturm der Liga nicht ins Rollen kommen lassen.

Auf dem Rasen war von diesem Vorhaben dann jedoch weder in der taktischen Theorie noch in der praktischen Umsetzung etwas zu erkennen. Martin Hinteregger ersetzte Makoto Hasebe in der Zentrale der Dreierkette, an der mutigen Ausrichtung der vergangenen Spiele inklusive frühem Anlaufen und aktiver Spielgestaltung änderte sich nichts. Die Folge: Leverkusen nutzte schon bei einem der ersten Angriffe die fast schon traditionelle Lücke im Rücken von Filip Kostic zur Vorbereitung der Führung und sah nach Schicks zweitem Treffer nach berechtigtem Handelfmeter schon wie der sichere Sieger aus.

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Hellmann im heimspiel!

Eintracht Frankfurts Vorstandsmitglied Axel Hellmann ist am Montag Talk-Gast in der hr-Sendung heimspiel!. Neben einem Rückblick auf das furiose 5:2 gegen Leverkusen geht es auch um das bevorstehende Wiedersehen mit Ex-Trainer Adi Hütter in Mönchengladbach am Mittwoch, um aktuelle Herausforderungen der Corona-Krise sowie um mögliche Aktivitäten der Eintracht auf dem Winter-Transfermarkt. Das heimspiel! sehen Sie ab 18 Uhr als Live-Sendung auf dem YouTube-Kanal des hr-fernsehens, ab 21.30 Uhr in der ARD-Mediathek und hier auf hessenschau.de sowie ab 23.15 Uhr im hr-fernsehen.

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2. Die Mentalität? Überragend

Doch während sich die meisten der lediglich 12.000 anwesenden Fans innerlich wohl schon auf eine Heim-Klatsche vorbereiteten, ließen sich die elf Frankfurter Spieler nicht beirren und bestanden den bislang härtesten Charaktertest in dieser Spielzeit mit Bravour. Trotz des frühen Zwei-Tore-Rückstands gegen die Konter-Giganten aus Leverkusen und Schmuddelwetter rund um den Gefrierpunkt entdeckte die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner wieder einmal ihre Lust an Aufholjagden.

Tutas schneller Anschlusstreffer nach einem Eckball brachte die Hoffnung zurück, Lindströms Bilderbuch-Ausgleich (dazu später mehr) wirkte wie ein Ego-Booster. "Da wusste ich, dass wir gute Chancen haben", fasste Elfmeter-Verursacher, Vorbereiter und Torschütze (auch dazu später mehr) Sow die Frankfurter Gemütslage zusammen. Die Eintracht entwickelte in der Folge erstmals in dieser Saison die Wucht vergangener Tage und ließ die überforderten Gäste in der zweiten Hälfte einfach links liegen. "Unsere Mentalität ist unglaublich groß. Das ist die Party, die wir schmeißen wollten", jubelte Comebacker Christopher Lenz.

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Die Eintracht-PK nach dem Spiel gegen Leverkusen

Oliver Glasner
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3. Das Spielerische? Wird immer besser

Im Gegensatz zu den zahlreichen Last-Minute-Punktgewinnen der vergangenen Wochen jubelte die Eintracht dieses Mal aber nicht wegen einer erfolgreichen Einzelaktion in der Nachspielzeit. Gegen das Topteam Bayer Leverkusen waren endlich die seit Monaten versprochenen und zwischenzeitlich erst für Ende Januar in Aussicht gestellten spielerischen Weiterentwicklungen erkennbar. Vor allem im zweiten Durchgang erspielte sich die wie befreit wirkende Eintracht, die noch vor Wochen an Harmlosigkeit nicht zu überbieten war, Chance um Chance und schraubte das Ergebnis völlig verdient weiter nach oben.

Besonders herauszuheben ist aber der Treffer von Lindström zum zwischenzeitlichen 2:2 Mitte der ersten Hälfte:

Nach einem ebenso klugen wie scharfen Vertikalpass von Hinteregger auf Borré ließ der Kolumbianer direkt auf Sow prallen. Der Schweizer nahm den Ball kurz mit und schickte dann Lindström mit einem 40-Meter-Traumpass auf die Reise. Der Däne brauchte genau einen weiteren Kontakt, um den ehemaligen Eintracht-Keeper Lukas Hradecky zu überwinden. Steil-Klatsch mit vier Stationen und insgesamt fünf Ballberührungen, ein Spielzug wie aus dem Lehrbuch. "Das zweite Tor war unglaublich", freute sich deshalb auch Übungsleiter Glasner. Die berühmte Handschrift des Trainers, da war sie.

4. Die Physis? Unglaublich

Neben der intakten Mentalität und der immer besser werdenden fußballerischen Komponente machte letztlich aber vor allem die körperliche Präsenz der Eintracht den Unterschied. Obwohl ganze neun Spieler der Startelf erst am Donnerstag in Istanbul den Europa-League-Gruppensieg erkämpft hatten, wirkten die Hessen wie aufgezogen und waren den Gästen aus Leverkusen physisch in allen Belangen überlegen.

Die Werkself, die bei ihrem bedeutungslosen Einsatz am Donnerstagabend mit einer B-Elf und lediglich zwei Stammspielern angetreten war, lief in 90 Minuten ganze sieben Kilometer weniger als die Eintracht und hatte vor allem in den entscheidenden Zweikämpfen das Nachsehen. Die Eintracht erstickte das sonst so gefährliche Umschaltspiel der Rheinländer durch aggressives Zweikampfverhalten schon im Ansatz und startete selbst immer wieder überfallartige Angriffe. "Sie haben uns aufgefressen", beschrieb das Leverkusens Mittelfeldmotor Robert Andrich. Ein passender Vergleich.

5. Sow lässt Eintracht von mehr träumen

Der Frankfurter mit dem größten Erfolgshunger war am Sonntagabend Stratege und Antreiber Sow. Der Schweizer, der aufgrund seiner meist eher unspektakulären Spielweise oft übersehen wird, zeigte gegen Bayer Leverkusen eine herausragende Leistung und stand gleich mehrfach im Mittelpunkt. Zunächst verursachte er mit einer Mischung aus Missgeschick und Fauxpas einen Handelfmeter, den Schick zum 2:0 nutzte. Dann bereitete er den Ausgleich durch Lindström mit dem schönsten Pass des Monats direkt vor, ehe er mit einem sehenswerten Schlenzer ins rechte Eck selbst zum Endstand traf.

"Ich habe einen Lauf und schwebe auf einer Wolke", kommentierte der Matchwinner selbst seinen Auftritt und ungewollt auch die Verfassung der Eintracht. Die Hessen haben von den vergangenen neun Spielen nur eins verloren und den Abstiegskampf damit lange hinter sich gelassen. Nach schwierigem Saisonstart und ersten Trainerdiskussionen Anfang November ist die Frankfurter Welt spätestens mit dem 3. Advent wieder komplett in Ordnung. Zwei Spieltage vor dem Ende der Hinrunde ist Tabellenrang sechs lediglich zwei Punkte entfernt. Sollte die Eintracht diese Form halten, winkt eine schöne Bescherung.

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Eintracht Frankfurt – Bayer Leverkusen 5:2 (2:2)

Frankfurt: Trapp - Tuta, Hinteregger, Ndicka - da Costa (85. Toure), Sow (85. Rode), Jakic, Kostic – Lindström (46. Hauge/64. Lenz), Kamada (87. Lammers) - Borre

Leverkusen: Hradecky - Frimpong (75. Bellarabi), Tah, Tapsoba, Hincapie - Aranguiz (66. Demirbay), Andrich (67. Palacios) - Diaby, Wirtz (80. Amiri), Adli - Schick (80. Alario)

Tore: 0:1 Schick (5.), 0:2 Schick (22./HE), 1:2 Tuta (23.), 2:2 Lindström (30.),3:2 Ndicka (50.), 4:2 Jakic (66.), 5:2 Sow (76.)
Gelbe Karten: - / Frimpong, Hincapie, Aranguiz

Schiedsrichter: Fritz (Korb)
Zuschauer: 12.000

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