Spieler von Eintracht Frankfurt im Spiel gegen Bayern

5:1, nicht 1:5: Eintracht Frankfurt beeindruckt gegen den FC Bayern München und zeigt dabei die gesamte Palette seines fußballerischen Könnens. Der Sieg ist für Club und Trainer gleichermaßen bedeutsam. Eine Analyse in fünf Punkten.

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zum Video Die Pressekonferenz nach dem Spiel Eintracht gegen Bayern

PK mit Niko Kovac und Adi Hütter
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Eine der bislang spannendsten Bundesliga-Spielzeiten der jüngeren Vergangenheit ist um ein spektakuläres Kapitel reicher. Durch Tore von Filip Kostic (25. Spielminute), Djibril Sow (33.), David Abraham (49.), Martin Hinteregger (61.) und Gonçalo Paciência (85.) hat Eintracht Frankfurt mit 5:1 (2:1) gegen den FC Bayern München gewonnen. Den Treffer des Rekordmeisters erzielte Robert Lewandowski (37.), Jérôme Boateng sah nach knapp zehn Minuten wegen einer Notbremse die Rote Karte.

1. Historisch? Historisch!

Vor allem aus Eintracht-Sicht gibt es vermutlich dutzende Adjektive, die zur Beschreibung des Kantersieges gegen München taugen. Eines davon: historisch. Denn das 5:1, das die Mannschaft von Trainer Adi Hütter am Samstagnachmittag wie im Rausch in den Stadtwald zauberte, ist gleichzeitig eine der höchsten Niederlagen in der Münchner Bundesliga-Geschichte. So deutlich hat der FCB seit mehr als zehn Jahren nicht mehr verloren.

Damals, im April 2009, lautete das Ergebnis in Wolfsburg ebenfalls 1:5. Dass die Eintracht ein Heim- und überhaupt ein Bundesliga-Match gegen die Bayern gewinnt, ist übrigens auch fast zehn Jahre her. Am 20. März 2010 hatten die Hessen ein 0:1 in ein 2:1 gedreht. Meilensteine wie das 500. FCB-Pflichtspiel von Thomas Müller oder Lewandowskis 300. Liga-Einsatz treten nun, im hessisch-historischen November 2019, völlig in den Hintergrund.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Die 5 Eintracht-Tore gegen Bayern zum Mitjubeln

Jubel bei Eintracht Frankfurt - Hinteregger wird von Dost umarmt
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2. Die Schlüsselszene: VAR-Rot gegen Boateng 

Es waren keine zehn Minuten gespielt, da hatte die Partie ihren entscheidenden Moment bereits hinter sich. Bei einem Frankfurter Konter durchs linke Halbfeld wusste sich Boateng nicht anders zu helfen, als den für ihn viel zu schnellen Paciência völlig ungestüm von den Beinen zu holen. Seine erste (rasche!) Entscheidung – Elfmeter und Gelb für Boateng – korrigierte Schiedsrichter Markus Schmidt nach Ansicht der Videobilder zwar korrekterweise in einen Freistoß an der Strafraumkante. Aber auch in einen Platzverweis für den Münchner Innenverteidiger. In einer ohnehin munteren Anfangsphase, in der die Eintracht ohne jede Scheu gegen den Rekordmeister auftrat, war das eine Weichenstellung.

Die Gäste, die Fußball-Deutschland seit Wochen mit Wacklern in der Defensive sowie zahlreichen Fehlpässen irritieren und spätestens seit Samstag Abstimmungsprobleme im Spielaufbau um Philippe Coutinho offenbaren, sollten sich von diesem frühen Schock nicht mehr erholen. "Wenn du nach acht Minuten eine Rote Karte bekommst, dann ist es schwierig – gerade hier in Frankfurt", resümierte Bayern- und Ex-Eintracht-Coach Niko Kovac. "Schlüsselszene", nannte es sein Gegenüber Hütter: "Die Entscheidung war für uns wahrscheinlich besser als der Elfmeter." In der Tat.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Sebastian Rode: "Wir wussten, dass Einiges drin ist"

otoene
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3. Feiner Frankfurter Fußball in vielen Facetten

Denn worüber freut sich eine Mannschaft, die mit elf gegen zehn spielen darf? Na klar: über Platz. Über Raum. Über ganz viel Wiese zum Fußballspielen. Was die Hütter-Elf fortan zu bieten hatte, war phasenweise begeisternder Sport – in nahezu allen Varianten, die in einem klassischen Fußball-Lehrbuch zu finden sind. 

Kostics 1:0 war die Folge eines erst zweikampf- und dann willensstark vorgetragenen Angriffs, das 2:0 die Krönung einer Kurzpass-Explosion über die Stationen Martin Hinteregger, Das Dost, Paciência, Sebastian Rode, wieder Dost, Kostic und Sow. Beim 3:1 bewies mit Abraham einmal mehr ein Frankfurter Innenverteidiger Torriecher, Hintereggers 4:1 per Kopf fiel nach einem Eckball. Und beim 5:1? Führten der eingewechselte Comebacker und Vorlagengeber André Silva sowie Torschütze Paciência die übriggebliebene Hintermannschaft des FCB fast schon vor. Fünf Tore, fünf Facetten. Die Eintracht hat den Bayern ihr gesamtes Können vorgespielt. Und die Fans sangen "Einer geht noch rein". 

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Martin Hinteregger: "Das ist ein Festtag"

dpa Eintracht
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4. Auch Hütter kann’s gegen die Bayern

0:5 im Supercup, 0:3 und 1:5 in der Liga – Adi Hütters ganz persönliche Frankfurt-Bilanz gegen München war mit einem Torverhältnis von 1:13 in nur drei Spielen alles andere als erfolgreich. Das änderte sich an diesem Samstagnachmittag schlagartig. Dieses 5:1 bewies eindrucksvoll: Auch Hütter kann’s gegen die Bayern. Seine Entscheidung, den offensiv kreativen Daichi Kamada zunächst auf der Bank zu lassen und dem Mittelfeld durch Gelson Fernandes, Sow und Antreiber Rode ein hohes Maß an Stabilität zu verleihen, erwies sich als goldrichtig. 

Auf dem Rasen wirkte es derweil so, als würden die Frankfurter Profis auch für ihren Coach spielen – für Hütters ersten Sieg gegen den FCB. Dafür sind nicht nur fünf fulminante Tore der beste Beleg, sondern auch die diesmal über 90 Minuten spürbare Einsatzbereitschaft. Dafür sinnbildlich stand jene Szene, in der Abraham nur Sekunden nach seinem eigenen Treffer schon wieder in seinem eigenen Fünfmeterraum gefordert war und in letzter Instanz einen Schuss von Lewandowski abblockte. Ganz zur Freude seines nun auch gegen den Meister siegreichen Trainers.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Adi Hütter: "Ich bin extrem stolz"

Adi Hütter (Vordergrund) wartet noch auf einen Bundesliga-Sieg gegen Niko Kovac.
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5. Der Eintracht-Herbst bleibt heiß

Apropos siegreich: Der vermeintlich schwierige Herbst entpuppt sich für die Eintracht mehr und mehr als der erhoffte heiße Herbst. Sieben eminent wichtige Spiele gegen teils hochkarätige Clubs in nur 24 Tagen stehen für die Hessen seit dem Ende der jüngsten Länderspielpause auf dem Programm – und das in allen drei Wettbewerben. 

Das Zwischenfazit: In der Liga verloren sie nur bei Tabellenführer Mönchengladbach (2:4), gewannen dafür aber vor dem eigenen Publikum gegen Leverkusen (3:0) und nun gegen die Bayern. Im DFB-Pokal gelang mit einem 2:1 beim FC St. Pauli der Einzug ins Achtelfinale. Und in der Europa League, wo am Donnerstag (18.55 Uhr) das Rückspiel bei Standard Lüttich ansteht, haben sie die Qualifikation für die K.o.-Phase praktisch in der eigenen Hand. Zumindest aus Sicht von Eintracht Frankfurt dürfte dieser Herbst vermutlich also noch etwas länger dauern.