Eintracht SC Freiburg

Ein 1:3 aufgeholt und doch nicht zufrieden. Einen Haufen Chancen herausgespielt, aber hinten wieder anfällig gewesen. Das Remis der Eintracht gegen Freiburg war eine wilde Achterbahnfahrt. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht PK nach Freiburg
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Eintracht Frankfurt holt am Dienstagabend den ersten Punkt nach der Corona-Pause, verpasst beim 3:3 (1:1) gegen den SC Freiburg aber trotz Chancenwuchers einen möglichen Sieg. Für die Hessen trafen André Silva (35. Minute), Daichi Kamada (79.) und Timothy Chandler (82.), für die Gäste Vincenzo Grifo (28.), Nils Petersen (67.) und Lucas Höler (69.).

1. Zurück zur Fünferkette

Ein Hauch von 2019 wehte am Dienstag durch den Stadtwald. Erstmals in diesem Kalenderjahr ließ Adi Hütter die Dreier- respektive Fünferkette mit Makoto Hasebe im Zentrum spielen. Das sorgte zwar nicht immer für Stabilität im Abwehrverbund, und auch der Japaner zeigte, dass er nicht mehr auf dem Level der vergangenen Saison ist, beim Spielaufbau tat den Hessen die Systemumstellung aber gut.

Flankiert von Stefan Ilsanker, der seine fünfte Gelbe Karte sah und damit gegen Wolfsburg fehlen wird, und Martin Hinteregger schafften es die Frankfurter immer wieder mit klug nach vorne getragenen Angriffen, den Freiburgern ihr Spiel aufzudrücken. Besonders zum Ende der zweiten Hälfte schnürten die Hessen das Team von Trainer Christian Streich so förmlich in deren Hälfte ein.

2. Chancen ohne Ende

Aber auch schon vorher, nach einer zögerlichen Anfangsviertelstunde, in der der Gast aus dem Breisgau mehr vom Spiel hatte, diktierten die Hessen - mit kleinen, folgenschweren Ausnahmen - das Geschehen. Und spielten sich dabei eine Chance nach der anderen heraus. Dass am Ende nur drei Tore dabei rumkamen, war aufgrund des Wuchers an Möglichkeiten viel zu wenig. Ob Bas Dost (22./64.), Silva (55./64.), Daichi Kamada (53.) oder der eingewechselte Mijat Gacinovic (78.) - jeder Frankfurter Offensivspieler vergab mindestens einen Hochkaräter.

So wurde es am Ende ein Spiel der Rekorde. 35, ausgeschrieben fünfunddreißig, Torschüsse gab die Eintracht ab, so viele wie diese Saison noch nie eine Mannschaft in einer Partie. Selbst kamen die Hessen seit Datenerfassung nur einmal vor fast 27 Jahren genauso oft zum Abschluss (August 1993 in Nürnberg). Mit so einer Leistung muss man ein Heimspiel eigentlich gewinnen.

3. In der Defensive weiter schlampig

Was den Frankfurtern aber einmal mehr in die Quere kam, war die eigene Defensive. Die Eintracht fängt sich zu viele Tore. So einfach, so bitter ist auch nach dem Freiburg-Spiel die Erkenntnis. Seit dem Corona-Re-Start haben die Hessen in drei Spielen nun bereits elf Treffer kassiert. Auch die Umstellung auf die Dreierkette, die im Spiel nach vorne tatsächlich half, brachte defensiv nicht die gewünschte Stabilität.

Besonders der erste und der dritte Treffer zeigten schmerzlich auf, wie leicht verwundbar der Frankfurter Defensivverbund ist. Beim 0:1 war Ilsanker im Zweikampf mit Grifo im eigenen Strafraum viel zu zaghaft und hielt reichlich Sicherheitsabstand, bis dieser zur Führung traf, und beim zwischenzeitlichen 1:3 reichte ein - zugegebenermaßen sehr schöner - Querpass durch die Abwehr und SCF-Stürmer Höler stand frei vor Kevin Trapp. Die Kompaktheit zu Beginn des Jahres ist der Eintracht endgültig abhanden gekommen.

Stefan Ilsanker bemängelte die Chancenverwertung.

4. Comeback-Qualitäten in der Schlussphase

Dass die Frankfurter aber nach dem ernüchternden Treffer zum 1:3 nicht aufsteckten, beweist, dass Leben in der Truppe steckt. Als wäre nichts passiert, berannten die Hessen einfach weiter das Tor der Breisgauer - und trafen auch endlich. Das 2:3 durch Kamada war zwar ein Geschenk von Robin Koch, den hochverdienten Ausgleich erzielte Chandler aber nach einer punktgenauen Flanke von Filip Kostic.

Und: Auch nach dem späten 3:3 ließen die Hessen nicht locker, hatten durch Dominik Kohr (85.) und Gacinovic (89.) weitere, gute Möglichkeiten zum Siegtreffer. Wenn der Eintracht dadurch auch das ganz große Comeback versagt blieb, war Hütter mit der Einstellung seines Teams vollauf zufrieden. "Die Moral stimmt zu 100 Prozent, jeder hat seinen Beitag geleistet", attestierte der Österreicher.

5. Am Ende zu wenig

So blieb am Ende aber eine Rekord-Achterbahnfahrt ohne Happy End. Auch wenn die Moral stimmte, war der Punkt, das war allen rund um die Eintracht klar, zu wenig. Erstens wegen der eigenen, in der Offensive starken Leistung und zweitens, weil damit der erhoffte Befreiungsschlag und die Trendwende im Negativ-Strudel der vergangenen Spiele verpasst wurde. "Wir wollten unbedingt gewinnen und sind nicht zufrieden mit dem Punkt", gab Hütter daher auch zu.

Bevor es in einer Woche zum kleinen Showdown bei Werder Bremen kommt, wartet am Wochenende nun erst einmal der VfL Wolfsburg. Die Wölfe bewiesen beim 4:1 in Leverkusen parallel zum Spiel der Eintracht gegen Freiburg, in welcher starken Form sie momentan sind. Nimmt die Eintracht aber die positiven Seiten aus dem Freiburg-Spiel mit in die Autostadt, ist sie dort sicher nicht chancenlos.

Weitere Informationen

EINTRACHT FRANKFURT - SC FREIBURG 3:3 (1:1)

Frankfurt: Trapp - Ilsanker, Hasebe, Hinteregger (90. N'Dicka) - Torro (46. Kohr), Rode (74. de Guzman) - Toure (81. Chandler), Kamada, Kostic - Dost (74. Gacinovic) , Silva

Freiburg: Schwolow - Schmid, Koch, Gulde, Günter - Abrashi (87. Frantz), Höfler - Sallai (59. Lienhart), Grifo (82. Kwon) - Höler, Waldschmidt (59. Petersen)

Tore: 0:1 Grifo (28.), 1:1 Silva (35.), 1:2 Petersen (67.), 1:3 Höler (69.), 2:3 Kamada (79.), 3:3 Chandler (82.)
Gelbe Karten: Ilsanker (5./gesperrt), Hasebe, Rode/Waldschmidt

Schiedsrichter: Petersen (Stuttgart)
Zuschauer: keine

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