Eintracht Frankfurt gewinnt beim estnischen Underdog Flora Tallinn knapp, aber verdient. Spielerisch läuft bei den Hessen noch nicht viel rund, zwei Torschützen können aber dennoch überzeugen. Die Analyse in fünf Punkten.

Audiobeitrag
Spieler von Eintracht Frankfurt nach dem Sieg gegen Flora Tallinn

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht Frankfurt wieder zu Hause in Europa

Ende des Audiobeitrags

Eintracht Frankfurt hat das erste Pflichtspiel der Saison gewonnen. Beim Hinspiel in der Europa-League-Qualifikation beim estnischen Club Flora Tallinn setzte sich das Team von Trainer Adi Hütter am Ende mit 2:1 (1:1) durch. Die Tore für die Hessen erzielten Lucas Torro (24. Minute) und Dejan Joveljic (71.). Für die Gastgeber hatte Mihkel Ainsalu zwischenzeitlich ausgeglichen (34.).

1. Noch läuft nicht wirklich viel rund

Nein, es lief bei Weitem nicht alles rund für die Eintracht in Tallinn. Gegen eine – mit Verlaub – alles andere als hochklassige estnische Mannschaft taten sich die Hessen lange Zeit äußerst schwer. Viele Abspielfehler, technische Patzer und wenig Esprit im Spiel nach vorne sorgten die meiste Zeit für ein zähes Spiel der Eintracht. Kurzum: Gegen Tallinn ging es für die Frankfurter mit reichlich Krampf in den Wettkampfmodus. "Durch individuelle Fehler haben wir uns das Leben schwergemacht", erkannte Hütter hinter, betonte aber auch: "Wichtig ist, dass wir das erste Pflichtspiel verdient gewonnen haben."

Denn auch der Frankfurter Trainer wusste: Viele Fehler waren entschuldbar und leicht zu erklären. Ein Pflichtspiel mitten in der Vorbereitung in Estland spielt keine Mannschaft leicht herunter. Insgesamt dürfte der Auftritt der Hessen für Coach Hütter aber reichlich Anreize für das Trainingslager in Windischgarsten geboten haben. "So ein Spiel ist vielleicht gar nicht schlecht für uns in der Phase", erkannte zumindest Sportvorstand Fredi Bobic.

2. Neue Saison, altes Defensiv-System

Viel wurde in der Vorbereitung spekuliert: Baut Eintracht-Trainer Adi Hütter in der Abwehr eventuell auf eine Viererkette und löst den Libero in der Fünferreihe auf? Bei seinen vorherigen Trainer-Stationen hatte der 49-Jährige zumindest auf dieses System gesetzt. Gegen Tallinn entschied sich der Coach der Frankfurter dann doch für Altbewährtes.

Konsequenz: nichts Neues in der Eintracht-Abwehr. Makoto Hasebe lief wieder als Libero auf, flankiert von David Abraham und Evan N'Dicka. Auf den Außen spielten wie gewohnt Filip Kostic und Danny da Costa. Neue Saison, altes System. Da die Frankfurter aber weiter auf der Suche nach einem weiteren Innenverteidiger – Stichwort Martin Hinteregger – sind, könnte das Rätselraten um die endgültige Defensiv-Formation bis zum Bundesliga-Beginn weitergehen. Vielleicht war die Formation gegen Tallinn aber auch ein Fingerzeig für die neue Saison.

3. Torro nutzt seine Chance

Djibril Sow verletzt, Gelson Fernandes verletzt, Sebastian Rode verletzt und noch immer in Dortmund: Da führte gegen Tallinn im zentralen Mittelfeld an Lucas Torro kein Weg vorbei. Und der Spanier, der in der vergangenen Saison wegen einer Verletzung lange aussetzen musste, nutzte seine Chance. Nicht nur durch sein äußerst sehenswertes Weitschuss-Tor in der 24. Minute.

"Lucas hat ein gutes Spiel gemacht", bilanzierte Sportvorstand Bobic hinterher lobend. Der Spanier hat in der neuen Saison durch die Neuzugänge Sow und Dominik Kohr noch mehr Konkurrenz auf seiner Position bekommen. Im Spiel gegen Tallinn zeigte der 25-Jährige zumindest, dass auf ihn Verlass ist.

Audiobeitrag
Dominik Kohr

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kohr: "War ein umkämpftes Spiel"

Ende des Audiobeitrags

4. Joveljic ist sofort da

Er kam, sah und knipste: Dejan Joveljic. Der serbische Neuzugang musste sich die Partie bis Mitte der zweiten Hälfte von der Bank ansehen und entschied die Partie in der Schlussphase mit einem ansehnlichen Kopfball nach einer Flanke von Danny da Costa (71.). Insgesamt brachten der Stürmer und der gemeinsam mit ihm eingewechselte Daichi Kamada reichlich Schwung in die vorher lange Zeit einfallslose Eintracht-Offensive. Es war ein Auftritt, der Lust auf mehr machte.

"Er kann Tore machen, deshalb haben wir ihn verpflichtet. Aber er braucht natürlich noch viel Zeit", sagte Hütter nach der Partie über den Torschützen. Kleine Randnotiz: Vorgänger Luka Jovic erzielte seinen ersten Pflichtspieltreffer für die Eintracht ebenfalls per Kopf – ebenfalls nach einer Einwechslung. Wenn das mal kein gutes Omen für den jungen Serben in Frankfurt ist.

Audiobeitrag
Adi Hütter

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hütter: "Wir hatten mehr Spielanteile"

Ende des Audiobeitrags

5. Die Konsequenzen für das Rückspiel

Natürlich kann immer etwas passieren, auch nach einem 2:1-Auswärtssieg. Aber dennoch sollte für die Eintracht im Rückspiel eigentlich nichts mehr anbrennen. Dass die Frankfurter wirklich daheim gegen die spielerisch limitierten Esten verlieren, ist schwer vorstellbar. Viel interessanter dürfte daher die Frage werden, mit welchem Personal Adi Hütter beim Rückspiel aufwartet.

Lässt der Eintracht-Coach mit einer besseren B-Elf spielen? Oder bringt er die volle Kapelle wie im Hinspiel auf den Rasen? Das Rückspiel befindet sich mitten im Trainingslager der Hessen in Windischgarsten – alles andere als ein günstiger Termin. Sollte Hütter das Ergebnis genügend Sicherheit geben, könnte er personell im Rückspiel auf Sparflamme fahren – und damit zwei Ziele verfolgen: Kräfte sparen und dennoch eine Runde weiterkommen.

Weitere Informationen

FC Flora Tallinn - Eintracht Frankfurt 1:2 (1:1)

Tallinn: Igonen - Kams, Kuusk, Pürg, Järvelaid - Liivak (86. Alliku), Kreida, Ainsalu, Miller (76. Sinyavski) - Vassiljev - Sorga (82. Lepik)
                               
Frankfurt: Wiedwald - Abraham, Hasebe, N'Dicka - da Costa (88. Chandler), Kohr, Torró, Kostic - Gacinovic (64. Kamada) - Paciencia (64. Joveljic), Rebic

Tore: 0:1 Torró (24.), 1:1 Ainsalu (34.), 1:2 Joveljic (71.)               

Schiedsrichter: Palabiyik (Türkei)    
Zuschauer: 8.500  

Ende der weiteren Informationen