Da Costa und Paciencia von Eintracht Frankfurt jubeln

Früher Rückstand, Elfmeter, Platzverweis: Eintracht Frankfurt wehrt sich in Gladbach erfolgreich gegen jede Menge Rückschläge und schnuppert an der Europa League. Alles und jeder läuft aber nicht mehr rund. Die Analyse in fünf Punkten.

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Highlights: Gladbach - Eintracht Frankfurt

Wappen Gladbach und Eintracht Frankfurt
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Eintracht Frankfurt erkämpft sich einen 3:2-Auswärtserfolg bei Borussia Mönchengladbach und ist plötzlich ein Kandidat für das europäische Geschäft. Florian Neuhaus (6.) und Ramy Bensebaini (54./FE) trafen für die Fohlen, Rafael Borré (45.), Jesper Lindström (50.) und Daichi Kamada (55.) ließen die Hessen jubeln.

1. Eintracht kommt nicht aus den Startlöchern

Wer nach dem furiosen 5:2-Heimsieg gegen Bayer Leverkusen einen ähnlichen Sturmlauf auch gegen Borussia Mönchengladbach erwartet hatte, wurde am Mittwochabend bitter enttäuscht. Trainer Oliver Glasner hatte zwar der exakt gleichen Startelf vertraut, die Namen der Spieler waren dann zunächst aber tatsächlich die einzigen Gemeinsamkeiten mit dem Spektakel vom Sonntagabend.

Die Eintracht kam gegen die kriselnde Borussia überhaupt nicht ins Rollen und konnte in Folge des frühen Führungstreffers durch Neuhaus sogar froh sein, nicht noch höher in Rückstand zu geraten. Wackler in der Defensive, kaum Durchschlagskraft in der Offensive: Die erste Hälfte erinnerte fast schon an die schwierigen Zeiten zu Beginn der Saison. "Wir haben uns 44,5 Minuten schwergetan", fand auch Coach Glasner. Die Eintracht wankte bedenklich, frühzeitig auf die Bretter ging sie aber nicht.

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Glasner: "In der ersten Halbzeit haben wir uns sehr schwergetan"

Oliver Glasner
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2. Frankfurter Comeback-Könige

Und das lag wieder einmal an der herausragenden Mentalität und den Comeback-Fähigkeiten. Die Eintracht musste beim Wiedersehen mit Ex-Trainer Adi Hütter zwar sehr viele Rückschläge verkraften, sie fand aber jedes Mal die richtige Antwort und schlug stets mit den richtigen Mitteln zurück.

Die schlechte erste Halbzeit konterte Borré mit dem perfekt getimten Ausgleichstreffer kurz vor der Pause. Das Elfmeter-Geschenk von Danny da Costa, das zum zwischenzeitlichen 2:2 führte, bügelte Daichi Kamada mit seinem ersten Bundesliga-Saisontor nur eine Minute später wieder aus. Und als Tuta knapp 20 Minuten vor Schluss auch noch vom Platz flog, legten die verbleibenden Frankfurter einfach jeder noch eine Schippe obendrauf. Gemeinsam sind wir stark.

"Wir haben diesen Sieg mit großem Herz verteidigt", freute sich Trainer Glasner über die besonderen Nehmer-Qualitäten seines Teams. Die Eintracht kann einstecken.

3. Die Offensive wird immer besser

Neu ist, dass sie mittlerweile auch austeilen kann. Nachdem sich die Hessen bis weit in den November hinein im Angriff unglaublich schwertaten und sich von Spiel zu Spiel in Harmlosigkeit übertrafen, ist von dieser Sturmflaute Mitte Dezember fast nichts mehr zu spüren. Das System mit einem Stürmer und zwei spielstarken Zehnern funktioniert, die Abläufe und die Abstimmung werden immer besser. Dass in Gladbach mit Borré, Lindström und Kamada gleich alle drei Offensiv-Akteure trafen, ist kein Zufall.

"Wir spielen uns mittlerweile richtig gute Torchancen heraus. Da haben wir wieder einen Schritt nach vorne gemacht", attestierte auch Sportvorstand Markus Krösche. Einziger Haken: Nach Kamadas Treffer zum 3:2 ließ vor allem Lindström gleich mehrere Chancen auf die Entscheidung liegen, der Killerinstinkt von Spitzenteams ist im hessischen Portfolio noch nicht zu finden. Ein Mittelstürmer mit Format und Tor-Garantie würde dem Kader weiter sehr gut zu Gesicht stehen.

4. Trapp verschärft die Hütter-Krise

Während also ganz vorne weiter ein Top-Mann fehlt, gibt es dieses Problem ganz hinten definitiv nicht. Torhüter Kevin Trapp präsentierte sich zum wiederholten Male in dieser Saison in herausragender Form und trieb die Gastgeber vor allem in der Schlussphase an den Rand der Verzweiflung. Nach dem berechtigten Platzverweis gegen Tuta erhöhte Gladbach in Überzahl die Schlagzahl deutlich und tauchte gleich mehrfach vor dem Frankfurter Schlussmann auf. Ein Vorbeikommen an Trapp gab es aber nicht.

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Trapp: "Wir wollten die Gunst der Stunde ausnutzen"

Kevin Trapp
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"Kevin Trapp hat die Punkte für Frankfurt festgehalten", fasste Gladbachs Coach Hütter zähneknirschend zusammen. Der Nationalkeeper sicherte seinem Team mit einer Reihe starker Paraden den fünften Sieg in den vergangenen sechs Bundesliga-Partien und verschärfte gleichzeitig die Krise seines Ex-Trainers. Dieser wollte dann zwar eine "nicht verdiente Niederlage" gesehen haben und haderte mit dem Schicksal. Fakt ist aber: Gladbach ist als 13. im Abstiegskampf angekommen, die Eintracht hat – auch dank Trapp – plötzlich Kontakt zu den europäischen Plätzen.

5. Auf der letzten Rille gegen Mainz

Am letzten Spieltag der Hinrunde könnte die Eintracht – wer hätte das Anfang November gedacht – tatsächlich aus eigener Kraft unter die Top Sechs der Bundesliga-Tabelle springen. Voraussetzung dafür: ein Sieg im Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen den direkten Konkurrenten und punktgleichen Tabellen-Sechsten Mainz 05. "Da wird es noch einmal heiß hergehen", prophezeite Kapitän Sebastian Rode schon unmittelbar nach Abpfiff.

Unklar ist aktuell nur, mit welchem Personal Trainer Glasner diese letzte Aufgabe vor der Winterpause angehen wird. "Wir müssen noch einmal alle Kräfte mobilisieren. In der Kabine sind aber gerade fünf, sechs Spieler, die alle kleine oder größere Wehwehchen haben", so Glasner.

Die anstrengenden Englischen Wochen haben Spuren hinterlassen, die Eintracht fährt aktuell auf der letzten Rille und muss neben dem gesperrten Tuta wohl auch den früh ausgewechselten Kristijan Jakic ersetzen. Dass weitere Ausfälle folgen könnten, macht die Sache nicht leichter. Angesichts der Frankfurter Schwergewichtsboxer-Mentalität muss aber niemand in Panik verfallen.

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