Eintracht-Niederlage in Bochum

Wer kaum Zweikämpfe gewinnt und offensiv ohne Ideen spielt, hat ein Problem. Eintracht Frankfurt ist nach der Niederlage in Bochum im Abstiegskampf angekommen. Ein Blick in die Vergangenheit bereitet zusätzlich Sorge. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt hat durch das 0:2 (0:1) in Bochum die zweite Bundesliga-Niederlage in Folge kassiert. Das 1:0 des VfL erzielte der ehemalige Frankfurter Danny Blum (3.), Goncalo Paciencia vergab einen Handelfmeter zum möglichen Ausgleich (12.). Daichi Kamada traf in der 86. Minute nur den Pfosten. Sebastian Polter sorgte mit dem 2:0 für Bochum in der zweiten Minute der Nachspielzeit für die Entscheidung.

1. Erfolgs-Elf mit unterirdischer Zweikampf-Quote

Trainer Oliver Glasner tat beim Spiel in Bochum das, was er zuvor in der Saison selten tat oder tun konnte: Er änderte nichts und schickte im Spiel beim VfL die Sieger-Elf vom Europa-League-Sieg gegen Piräus auf den Rasen. Mit den erfahrenen Makoto Hasebe, Kamada und Paciencia statt der jungen Evan N'Dicka, Jens-Petter Hauge und Jesper Lindström. Genutzt hat es nichts.

Das lag zunächst an der kollektiven Schlafmützigkeit beim frühen Bochumer Führungstreffer (3.), und allgemein daran, dass die Eintracht kaum in die Zweikämpfe kam. "Nur 40 Prozent gewonnene Zweikämpfe, das ist zu wenig für ein Bundesliga-Spiel", ärgerte sich Glasner. Die Eintracht verlor gegen aggressiv auftretende Bochumer gefühlt alle entscheidenden Zweikämpfe.

Oder sie ging ihnen aus dem Weg, wie beim schon erwähnten Bochumer Führungstor, als Almamy Touré - anstatt den Torschützen Blum abzulaufen - die Idee hatte, auf Abseits zu spielen und einfach stehen blieb. Die falsche Entscheidung. Daran mangelte es der Eintracht in Bochum nicht.

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2. Kein Elfmetertor, keine rote Karte

Viele Chancen hatte die Eintracht nicht in Bochum. Trotzdem hätte den Frankfurtern unverdient ein Punkt in den Schoß fallen können. Wenn Paciencia die beste aller Torchancen, die es im Fußball gibt, in der ersten Halbzeit genutzt hätte: per Elfmeter. Doch der Portugiese schoss zu unplatziert, Bochum-Torhüter Manuel Riemann konnte den Ball festhalten. Der erste Fehlschuss nach zuvor 18 erfolgreichen Elfmetern seit April 2017 tat der Eintracht richtig weh.

Denn im Laufe des Spiels hatte die Glasner-Elf eigentlich nur noch eine weitere Einschuss-Möglichkeit. Nach einem Steilpass von Hasebe pflückte Kamada den Ball in Weltklasse-Manier herunter, sein Schuss landete jedoch nur am rechten Innenpfosten des Bochumer Tores. Und auch der Video-Schiedsrichter hatte an diesem Tag kein Einsehen mit den schwachen Frankfurtern.

Kurz vor der Halbzeitpause hätte der Schiedsrichter den Bochumer Elvis Rexhbecaj vom Platz stellen können. Doch Schiri Marco Fritz übersah ein Nachtreten des Bochumers nach einem Zweikampf mit Raphael Borré. Kann man übersehen. Dass jedoch auch der Video-Schiedsrichter Thorsten Schiffner - mit allen zur Verfügung stehenden Zeitlupen ausgestattet - nicht eingriff, war äußerst schade für die Eintracht. Denn sie hätte fremde Hilfe an diesem Tag bitter nötig gehabt.

3. Die Eintracht ist ein einziges offensives Missverständnis

Das Offensiv-Spiel der Eintracht funktioniert nicht, in Bochum wurde dies abermals überdeutlich. Im Spiel nach vorne wählten die Frankfurter fast schon traumwandlerisch sicher immer die falsche Entscheidung. Nicht der frei stehende Spieler auf Außen wurde angespielt, sondern der in Bedrängnis im Sturmzentrum. Dort spielte Borré 90 Minuten lang den Alleinunterhalter. Paciencia und nach dessen Verletzung Sam Lammers sorgten für wenig Unterstützung.

Niederlage in Bochum: Kostic

Von offensiven Automatismen ist weit und breit nichts zu sehen. Die einzige echte Offensivtaktik - alle Bälle zu Kostic - funktionierte in Bochum nicht. Weil der VfL den Frankfurter Flügelmann meist mit zwei Defensivspielern zustellte, gewann der Serbe kaum einen Zweikampf. Von einem echten Umschaltspiel war in Bochum ebenfalls nichts zu sehen. Meist hielt die Eintracht den Ball viel zu lange, ohne echten Raumgewinn. Wenn Torwart Kevin Trapp mit 63 Ballkontakten einer der Spitzenmänner in dieser Statistik war, weiß man eigentlich alles über das Spiel der Eintracht..

4. Nächste Runde in der Achterbahn

"Uns fehlt die Konstanz", hatte Glasner vor dem Bochum-Spiel gesagt. Daran hat sich nach dem Spiel nichts geändert. Sieg bei den Bayern, Niederlage gegen die Hertha. Sieg gegen Piräus, Niederlage in Bochum. Mehr Achterbahn geht nicht. Glorreiche Siege wie gegen Bayern oder Olympiakos scheinen die Eintracht mehr zu verunsichern, als ihr Selbstvertrauen einzuhauchen.

Nach dem Gesetz der Serie müsste es für die Eintracht aber jetzt wieder aufwärts gehen. Doch ob das ausgerechnet am Samstag (18.30 Uhr) im Heimspiel gegen RB Leipzig klappt, das ist die große Frage. Denn für die Leipziger geht es nach drei Siegen und einem Unentschieden aus den vergangenen vier Spielen in der Bundesliga - im Gegensatz zur Eintracht - aktuell klar bergauf.

5. Gruselige Parallelen im Tabellenkeller

Ob sich die Eintracht als Tabellenfünfzehnter nun im Abstiegskampf befindet, darüber kann man trefflich streiten. Nun beginnt am 9. Spieltag noch nicht die heiße Phase des Abstiegskampfes. Doch die Eintracht sollte gewarnt sein. Auch der Hamburger SV und Schalke 04 haben in den vergangenen Jahren nicht unbedingt an die zweite Liga gedacht. Sebastian Rode hat das auf dem Schirm: "Ich hoffe, dass jetzt alle verstanden haben", warnte der Eintracht-Kapitän nach der Niederlage in Bochum.

Der eine oder andere Fan denkt aktuell panisch zurück an die Saison 2000/2001. Auch damals siegte die Eintracht in der Hinrunde glorreich mit 2:1 bei den Bayern. Und verlor die beiden folgenden Bundesliga-Spiele. Zuhause gegen die Hertha und in Bochum. Am Ende stiegen die Frankfurter ab. Soweit soll es diesmal nicht kommen. Doch dazu benötigt die Eintracht schon alsbald eine klare Steigerung. In Sachen Automatismen, Offensivspiel und vor allem im Zweikampfverhalten.

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VfL Bochum – Eintracht Frankfurt 2:0 (1:0)

Bochum: Riemann - Gamboa (89. Bella Kotchap), Masovic, Lampropoulos, Danilo, Soares - Losilla, Löwen (81. Stafylidis), Rexhbecaj, Asano (81. Antwi-Adjei), D. Blum (67.Holtmann( - Polter

Frankfurt: Trapp - Tuta, Hasebe, Hinteregger - Sow (75. Hauge), Jakic (45.Rode), Toure (75. Hrustic), Kostic, Kamada - Borré, Paciencia (28. Lammers)

Tore: 1:0 Blum (3.), 2:0 Polter (90.+2)
Gelbe Karten: - / Sow, Kostic
Bes.Vork.: Riemann hält HE von Paciencia (11.)

Schiedsrichter: Fritze (Korb)
Zuschauer: 19.510

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