Fans von Eintracht Frankfurt

Nach der Nullnummer gegen den Tabellenletzten Greuther Fürth richtet Eintracht Frankfurt den Fokus auf den FC Barcelona. Die Leistung gibt zwar wenig Grund zum Optimismus, die Lust aller Beteiligten auf die Sensation ist aber spürbar.

Videobeitrag

Video

Eintracht Frankfurt vibriert: Der Countdown gegen den FC Barcelona läuft

Ein vollgepacktes Stadion bei einem Eintracht Frankfurt Spiel, zu sehen sind auch der Stadionwürfel mit den Worten "Countdown Barcelona"
Ende des Videobeitrags

Mehr Kontrastprogramm geht nicht: Nur fünf Tage nach dem eher tristen 0:0 gegen Bundesliga-Schlusslicht Greuther Fürth empfängt Eintracht Frankfurt den großen FC Barcelona zum Viertelfinal-Hinspiel in der Europa League. Ein Pflichtspiel gegen Barca, allein das klingt schon verrückt und versetzt bereits Tage vor dem Anpfiff am Donnerstag (21 Uhr) Stadt und Verein in einen Ausnahmezustand.

"Das ist das größte Spiel seit dem Finale 1960 gegen Real Madrid", hatte Präsident Peter Fischer schon kurz nach der Auslosung gesagt und damit die emotionale Tragweite festgelegt. Die Ticket-Anfragen übersteigen Erwartung und Kapazität um ein Vielfaches. Es knistert schon jetzt.

Auf die Eintracht wartet ein Highlight, das es in dieser Form trotz DFB-Pokal-Sieg 2018 und dem anschließenden Europa-League-Rausch lange nicht gab und womöglich lange nicht geben wird. Barca ist dem eigenen Verständnis zufolge "mehr als ein Club". Das Duell mit Barca ist für die Eintracht mehr als ein Spiel. Aber wird es auch mehr als ein toller Anlass für ein paar schöne Erinnerungsfotos?

Glasner setzt auf Offensive

"Ich gehe nie in ein Spiel und sage: ,Mit einem Unentschieden bin ich zufrieden.' Wir werden auch gegen den großen FC Barcelona auf Sieg spielen", kündigte Trainer Oliver Glasner unmittelbar nach der Nullnummer gegen Fürth an. Sportvorstand Markus Krösche, der mit der Leistung des Teams gegen die arg limitierten Franken alles andere als einverstanden war, legte nach: "Wir haben Barcelona zu Hause und Freiburg, die wollen wir schlagen. Und wir wollen ins Halbfinale der Europa League." Das ist mal ein Wort. Die Eintracht wagt sich aus der Deckung.

Das Problem dabei: Der Auftritt gegen Fürth wurde dieser Kampfansage nur bedingt gerecht. Die Hessen, die erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder vor einer vollbesetzten Heim-Fankurve spielen durften, präsentierten sich wieder einmal zu harmlos. Hier und da gab es zwar gelungene Kombinationen, im letzten Drittel fehlten aber erneut Ideen und Durchschlagskraft. Auch ein echter Stürmer, es ist das alte Lied, wird nach wie vor vermisst. "Für den Anspruch, den wir haben, war das heute zu wenig", fasste Krösche zusammen.

Barca spielt wieder wie Barca

Dem gegenüber stehen die Katalanen, die nicht nur den deutlich prominenteren Namen, sondern seit der Rückrunde auch wieder ihre alte Form haben. Nachdem im Winter mit Ferran Torres, Adama Traoré und allen voran dem Ex-Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang drei absolute Offensiv-Hochkaräter geholt wurden, läuft es wieder im Camp Nou.

Die Mannschaft von Trainer Xavi, der im November den erfolg- und espritlosen Ronald Koeman ablöste, hat seit dem Ende der Transferperiode in insgesamt dreizehn Pflichtspielen nicht mehr verloren. Spätestens seit dem furiosen 4:0-Erfolg im Classico bei Real Madrid vor zwei Wochen ist Barca wieder da, wo Barca hingehört: in der Weltspitze. Woher kommt also der Frankfurter (Zweck-)Optimismus?

Normal gibt es bei der Eintracht nicht

Klar ist: Sollten die beiden Duelle am 7. Und 14. April einigermaßen normal ablaufen, wird die Eintracht keine Chance haben und ausscheiden. Dafür sind die Spanier qualitativ einfach zu überlegen. Klar ist aber auch: Normal gibt es bei Europa-League-Abenden mit Frankfurter Beteiligung nicht. "Das war heute ein komplett anderes Spiel als am Donnerstag", blickte Sebastian Rode voraus und hatte damit gleich doppelt Recht.

Zum einen wird sich Barca nicht wie Fürth am eigenen Strafraum verbarrikadieren, sondern selbst das Spiel machen und der Eintracht damit Platz zum Kontern bieten. Zum anderen wird die Stimmung dank der Rückkehr der aktiven Fanszene und dem ersten ausverkauften Heimspiel seit Pandemie-Beginn noch einmal eine ganz andere sein und womöglich selbst die abgezockten Profis des FC Barcelona beeindrucken. "Für uns ist es unglaublich wichtig, dass wir die Power von den Rängen bekommen", stellte auch Keeper Kevin Trapp klar.

Dass die Eintracht und ihre Fans zu einer Symbiose verschmelzen und dabei eine unglaubliche Wucht entwickeln können, haben in der Vergangenheit schon einige große Clubs erfahren müssen. So ein großer wie Barca war zwar noch nicht dabei. Träume von der Sensation sind aber erlaubt.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen