Fredi Bobic grinst zufrieden
Eintracht-Boss Fredi Bobic Bild © Imago Images

Das Testspiel gegen Flamengo wurde zwar verloren, dennoch sind sich Verantwortliche und Spieler einig: Das Trainingslager in den USA war ein voller Erfolg. Jetzt gilt es, in der Liga nachzulegen.

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Fredi Bobic im Interview

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Florida, das ist der US-Bundestaat, in dem die Rentner des Landes gerne entspannt ihren Lebensabend verbringen. Sonne, Meeresrauschen, mildes Klima – kein Wunder, dass auch Fredi Bobic gegen Ende des Trainingslagers von Eintracht Frankfurt einen entspannten Eindruck machte und zuversichtlich in die Rückrunde geht. Auch wenn das Pensum seiner Mannschaft freilich alles andere als entspannt war.

Zehn Tage verbrachte die Eintracht in den USA, zunächst in Tampa, abschließend in Orlando. Das Fazit: überaus positiv. "Bessere Bedingungen kannst du nicht finden", so Bobic. Vor allem die Akademie in Bradenton bei Tampa hatte es Bobic angetan: "Man spürt den Sport an jeder Ecke. Wenn man in den Fitnesstrakt geht, hat man direkt Lust, ein paar Eisen zu stemmen." Dementsprechend sportlich gingen auch die Trainingseinheiten der Mannschaft vonstatten. "Die Einheiten waren sehr intensiv, die Stimmung in der Mannschaft gut. Es ist ein gutes Miteinander, in dem sich die Spieler gegenseitig alles abfordern. Die Jungs merken, dass der Konkurrenzkampf hoch ist, jeder will ein wichtiger Teil des Teams in der Rückrunde sein."

"Unsere Mannschaft steht und hat auch Vertrauen verdient."

Ob Bobic dazu kam, tatsächlich ein paar Eisen zu stemmen, darf zumindest bezweifelt werden. Zu voll war der Terminkalender auch abseits der Trainingseinheiten oder Testspiele. "Von der offiziellen Seite waren wir viel unterwegs. Der Adler ist schon wahrgenommen worden." Das Engagement der Eintracht in den USA ist auf Nachhaltigkeit angelegt, man will in den aus Vermarktungssicht so wichtigen Staaten einen Fuß in die Tür bekommen, weswegen der DFB-Pokal bei sämtlichen Terminen quasi als Stargast mit dabei war. Demnächst will die Eintracht gar ein Büro in New York eröffnen, gut möglich, dass die Hessen auch im kommenden Jahr ihre Zelte wieder in den USA aufschlagen.

Und dann wäre da ja noch Bobics Kerngeschäft und die sich daraus ergebenden Fragen, die längere Einheiten im Kraftraum verhindert haben könnten. Kommen noch Spieler? Gehen noch welche? Berns Rechtsverteidiger Kevin Mbabu sei "wirtschaftlich nicht machbar", so Bobic, obwohl man den Spieler kenne und schätze und das Interesse wohl beidseitig ist, wie Bobic durchblicken ließ. Aufseiten der Abgänge könne sich bei Marco Fabian und auch Marc Stendera noch etwas tun, der mit dem 1.  FC Köln und seinem alten Förderer Armin Veh in Verbindung gebracht wird. "Der Armin hat meine Nummer. Bis jetzt haben wir nichts gehört." Generell gelte aber: "Unsere Mannschaft steht und hat auch Vertrauen verdient."

"Damit wir vielleicht wieder die Chance haben, europäisch zu spielen"

Warum das so ist, konnte man in den Trainingseinheiten erkennen. Intensive Zweikämpfe, gallige Trainingsspiele, die Bereitschaft scheint hoch bei den Spielern, niemand lässt sich hängen. Kein Wunder, dass Bobic optimistisch in die Rückrunde geht. "Wir versuchen, uns in den Regionen, in denen wir gerade sind, festzubeißen. Damit wir vielleicht wieder die Chance haben, europäisch zu spielen. Das müssen wir nicht als Ziel ausgeben. Aber es muss Normalität sein, dass die Spieler jedes Spiel gewinnen möchten. Das versuchen wir der Mannschaft mitzugeben, Adi Hütter macht das sensationell."

Das scheint gut zu gelingen, selbst in Trainingsspielen oder am Basketballkorb will sich niemand geschlagen geben. Ante Rebic steht quasi non-stop auf dem Gaspedal, nachdem ihm gegen Ende der Rückrunde die WM-bedingte kurze Vorbereitung anzumerken war. Auch Neuzugang Sebastian Rode macht einen vitalen Eindruck. "Er kann ein Sheriff werden", so Bobic. "Aber er wird sicherlich seine Zeit benötigen." Körperlich wirkt die Mannschaft frisch, geistig ebenso. Auch das war von den Verantwortlichen mit der Auswahl des Trainingslagers intendiert worden. "Es macht auch den Jungs Spaß, neben den Einheiten neue Dinge zu sehen und Erfahrungen zu machen, zum Beispiel mal American Football zu spielen. Das tut dir als Spieler gut, wenn du abseits des Trainings mal andere Eindrücke hast."

Bobic: Gegen Freiburg müssen wir wieder zünden

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Hütter zu Trainingslager

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Und so geht die Eintracht ambitioniert in die Rückrunde. Daran kann auch die abschließende Testspielniederlage beim Florida Cup gegen Flamengo Rio de Janeiro nichts ändern. Zumal eine Bewertung des Spiels nach der frühen Roten Karten gegen Kapitän David Abraham ohnehin schwerfällt. "Es ist schade, weil aus diesem Spiel die komplette Spannung rausgenommen wurde", so Trainer Adi Hütter. Grundsätzlich schloss sich der Österreicher aber der positiven Bewertung des Trainingslagers an. "Die Mannschaft hat sich im Training und in den Tests sehr gut präsentiert. Deshalb bin ich auch sehr optimistisch für das erste Spiel." Keeper Kevin Trapp schlägt in dieselbe Kerbe: "Es waren gute, intensive Tage, in denen wir viel arbeiten konnten, mit zwei tollen Freundschaftsspielen. Wir müssen jetzt einfach wissen, dass in den nächsten fünf Monaten noch viel geht, dass wir eine gute Ausgangssituation haben – und gut starten können mit den Gegnern, die wir haben."

Die richtige Mischung aus Entspannung und Fokussierung scheinen Verantwortliche und Spieler im Sunshine State also gefunden zu haben. Auch wenn Bobic getreu dem Motto "Was zählt, ist auf dem Platz" anmahnt: "Am ersten Spieltag gegen Freiburg müssen wir jetzt wieder zünden und voll da sein. Vorher kann alles toll gewesen sein, aber gegen Freiburg zählt’s dann wieder."