Eirk Durm

Eintracht Frankfurt hat ein Problem. Die Mannschaft ist für die Gegner zu leicht auszurechnen. Von Rechts droht keine Gefahr. Die Zahlen sind niederschmetternd.

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Der Frankfurter Trainer vor einer Schiefertafel mit erhobenem Zeigefinger.
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"Vier gewinnt" heißt ein beliebtes Kinderspiel. Das Spiel, das aktuell auf der Rechts-Verteidiger-Position der Eintracht gespielt wird, heißt "Fünf verliert" und macht überhaupt keinen Spaß. Fünf Spieler haben sich in der laufenden Spielzeit auf der rechten Seite versuchen dürfen: Danny da Costa, Almamy Touré, Timothy Chandler, Erik Durm und Aymen Barkok. Doch keiner der genannten konnte länger als ein, höchstens zwei Spiele am Stück überzeugen. Danach saß er wieder auf der Ersatzbank oder schlimmer: auf der Tribüne.

Beispielhaft für die Wirrungen auf Rechts war der Dusel-Sieg bei Greuther Fürth. Durm stand in der Startelf. Weil der jedoch einen gebrauchten Tag erwischte, wechselte Trainer Oliver Glasner nach der Halbzeitpause Touré ein. Weil der jedoch Schwächen in der Defensive hat, musste Touré kurz vor Spielende für Chandler weichen. Auf der linken Eintracht-Seite spielt dagegen seit Jahren ein und derselbe Spieler: Filip Kostic. Größer könnten die Unterschiede kaum sein.

Zahlen sind niederschmetternd

Die Linkslastigkeit wird immer mehr zum Problem der Eintracht. Acht Tore erzielten die Hessen in dieser Saison nach Angriffen aus dem Zentrum, Elfmeter inbegriffen. Vier Tore wurden über den linken Flügel vorbereitet. Vom rechten Flügeln wurde kein einziger Frankfurter Treffer eingeleitet. Keiner. Eindeutiger geht es nicht.

Auch beim vergangenen Liga-Sieg in Fürth war die Linkslastigkeit im Eintracht-Spiel erdrückend. Fast alles lief über Kostic, nur gut jeder zehnte Frankfurter Angriff kam über die rechte Problem-Seite. Von 15 Torschüssen wurde nur ein einziger Torschuss über den rechten Flügel vorbereitet. Dieses Problem zieht sich durch die gesamte Saison.

Danny da Costa: Vom Leistungsträger zum Tribünengast

In der Saison 2017/18 spielte da Costa unter Trainer Niko Kovac fast die komplette Rückrunde auf der rechten Außenbahn, unter Übungsleiter Adi Hütter avancierte da Costa anfangs gar zum Dauerbrenner: In der Bundesliga-Spielzeit 2018/19 verpasste er in 34 Spielen zusammen gerade einmal 25 Minuten. Da Costa stand kurz vor dem Sprung zum Nationalspieler. Das war die Zeit, in der die Eintracht zum letzten Mal auf der rechten Seite einen Stammspieler hatte.

Nach mehreren Verletzungen und persönlichen und vor allem taktischen Differenzen ließ ihn Hütter in den beiden Spielzeiten darauf fallen. Da Costa saß immer öfter auf der Ersatzbank oder stand gar nicht im Kader. Anfang 2021 flüchtete er als Leihspieler zu Mainz 05 und blühte dort wieder auf. In der Hoffnung, unter dem neuen Eintracht-Trainer Oliver Glasner da weiterzumachen, kehrte der 28-Jährige im Sommer zurück zu den Adlerträgern.

Doch auch unter Glasner setzte sich da Costa nicht durch. Nach einigen schlechten Spielen im Pokal und in der Liga fand er sich abermals auf der Ersatzbank und seit vier Bundesliga-Spielen sogar auf der Tribüne wieder. Und die Rückkehr nach Mainz ist nun auch verbaut. "Er muss sich in Frankfurt einfach durchsetzen. Wir hätten ihn gerne behalten, aber wir haben uns jetzt umorientiert", sagte Mainz-Vorstand Christian Heidel jetzt im vereinseigenen Radio 05er.fm.

Fünf verliert: Die Krux mit der rechten Eintracht-Seite

Das Problem auf der rechten Seite hat die Eintracht also schon länger. Doch weder der ehemalige Sportvorstand Fredi Bobic noch der aktuelle Markus Krösche sind das Problem ernsthaft angegangen. Finanziell wäre es möglich gewesen. Entweder hätten die Verantwortlichen einige der fünf Rechtsverteidiger stärker zum Vereinswechsel animieren müssen. Oder sie hätten das Geld, das in der Sommerpause da war, nicht komplett in Offensiv-Talente investieren dürfen, sondern auch in einen neuen Spieler für die rechte Außenbahn.

So ist das unerfolgreiche Wechselspiel auf der Rechtsverteidiger-Position geradezu atemberaubend. Zu Saisonbeginn spielte da Costa. Danach versuchte es Glasner immer wieder mit Durm, der sich jedoch auch nicht durchsetzen konnte, vor allem, weil er in der Offensive oft zu schwach war. Im Oktober durften dann Touré nach seiner überstandenen Muskelverletzung und Chandler ran. Touré hatte sich nach seinen ordentlichen Auftritten in Antwerpen und bei den Bayern große Hoffnungen gemacht. "Ich fühle mich auf einem guten Weg."

Tuta als sechster Rechtsverteidiger?

Doch bei Touré ist es genau andersherum. Nach vorne mit Power, im Defensivspiel viel zu unkonzentriert. Wie bei der 0:2-Niederlage in Bochum. Beim Heimspiel gegen Leipzig zauberte Glasner einen neuen Rechtsverteidiger aus dem Hut: Barkok machte nach seiner Einwechselung ein richtig gutes Spiel. Um nach einer schlechten Leistung in der Europa League in Piräus zuletzt in der Liga in Fürth wieder auf der Tribüne zu sitzen.

Die Position des Rechtsverteidigers steht unter keinem guten Stern. Die Eintracht sollte in der Winterpause nachlegen. Doch sie braucht noch dringender einen treffsicheren Mittelstürmer. Und so muss sich Trainer Glasner wohl intern behelfen. Den Versuch mit Barkok hat er einstweilen abgebrochen. Doch was ist mit Tuta? Im vereinseigenen Interview deutete Tuta an, dass er sich nicht nur Innenverteidiger, sondern auch die Position des Rechtsverteidigers zutrauen würde. Vielleicht ist das ja eine Idee für das schwere Auswärtsspiel am Sonntag (15.30 Uhr) beim SC Freiburg.

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