Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann hat eine klare Meinung zu erneuten Geisterspielen - er hält sie für juristisch fragwürdig und finanziell schmerzhaft. Der Verlust der Eintracht könnte deshalb höher ausfallen als angenommen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Es geht für Eintracht Frankfurt ums Überleben"

Rhode Hellmann
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Die steigenden Corona-Infektionszahlen, der Lockdown light - all das geht auch an Bundesliga-Clubs wie Eintracht Frankfurt nicht einfach spurlos vorbei. Die Frankfurter fürchten gravierende Mindereinnahmen, wenn in der Bundesliga Geisterspiele wieder zum Dauerzustand werden. Das sagte Vorstandsmitglied Axel Hellmann dem "kicker" (Montag).

Verluste fallen höher aus

"In der laufenden Saison kommen wir ganz schnell auf 50 bis 70 Millionen Euro, wenn auch die Rückrunde weitgehend ohne Zuschauer verläuft", sagte Hellmann. In der vergangenen Saison habe man dadurch bereits einen Umsatzeinbruch von 15 bis 20 Millionen Euro erlitten, berichtete er.

Das liegt auch daran, dass der Club seinen Umsatz in den vergangenen Jahren so stark gesteigert wie kaum ein anderer Bundesliga-Verein. Derzeit arbeitet die Eintracht an mehreren kostspieligen Projekten, die vor allem die langfristige Konkurrenzfähigkeit des Vereins garantieren sollen. Darunter fällt auch der Stadionausbau auf eine Kapazität von 60.000 Plätzen. "Das kostet uns weitere 30 Millionen Euro, plus zehn Millionen Euro für weitere Einzelmaßnahmen", so Hellmann.

Hellmann fordert "richtige Bewertung"

Der Zuschauerausschluss sorgt aber nicht nur aus finanziellen Gründen für Sorgenfalten bei Hellmann. Dass in den kommmenden vier Wochen keine Fans in die Stadien dürfen hält er für "juristisch angreifbar". "Wenn man nicht will, dass der gesamte Profisport zerstört wird, wird man sich mit tragfähigen Konzepten arrangieren müssen", betonte Hellmann.

Die Proficlubs haben im Sommer Hygienekonzepte entwickelt, um zumindest bis zu 20 Prozent der Zuschauer wieder zulassen zu können. Doch ab diesem Montag, dem Beginn des Teil-Lockdowns, sind Fans wieder bis Ende November aus den Stadien verbannt. "Vom Stadionbesuch in der jetzigen Form geht also keine über das allgemeine Risiko hinausgehende Gefahr aus. Das richtig zu bewerten ist die Aufgabe von Politik und Verwaltung", forderte Hellmann.

"Nicht einen nachvollzogenen Infektionsfall"

Der 49-Jährige berichtete von Gesprächen mit dem Gesundheitsamt, dem Gesundheitsdezernenten und der Uniklinik Frankfurt, aus denen sich ergab, "dass es nicht einen nachvollzogenen Infektionsfall bei unseren Besuchern gegeben" habe. Allerdings ist aktuell bei rund 75 Prozent der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus nicht mehr nachvollziehbar, wo die Menschen sich angesteckt haben. Hellman findet, man müsse jetzt "einen Umgang finden mit der Situation bei vertretbarem Risiko".

Sendung: hr3, hr3 am Vorabend, 2.11.2020, 17.30 Uhr