Martin Hinteregger von Eintracht Frankfurt

Martin Hinteregger hat sich vom Geheimfavoriten zum heißesten Anwärter auf das Kapitänsamt bei Eintracht Frankfurt gemausert. Der Österreicher ist zwar nur einer von vier Kandidaten, vieles spricht aber für ihn.

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Was war das für eine Aufregung, als im vergangenen Sommer plötzlich Bilder von Martin Hintereggers Haus bei Immobilienportalen im Internet auftauchten. Der Österreicher bot dort seine Bleibe im Frankfurter Süden zur Vermietung an und befeuerte damit die Gerüchte um seinen Abschied. Verlässt Fanliebling Hinti Eintracht Frankfurt?

Mit dem Abstand von knapp sechs Monaten lässt sich festhalten: Aus dem Umzug, der rein private Gründe hatte, ist erst einmal nichts geworden. Wie nicht zuletzt Fotos auf seinem Instagram-Account belegen, hat Hinteregger weder seine Villa noch die Stadt noch den Verein verlassen. "Er hat viele Anfragen abgelehnt und betont, dass er sich absolut wohlfühlt", sagte Sportdirektor Bruno Hübner im September. Ein Treuebekenntnis, das spätestens zur kommenden Saison mit der Kapitänsbinde belohnt werden könnte.

Hinteregger läuft Trapp den Rang ab

Rund drei Wochen nach dem Karriereende von Ex-Capitano David Abraham setzt Trainer Adi Hütter zwar weiter auf Jobsharing und will erst nach Ende der aktuellen Spielzeit eine verbindliche Entscheidung treffen. "Wir schauen uns das in Ruhe an. Wir haben mit Makoto Hasebe, Sebastian Rode, Kevin Trapp oder auch Hinteregger viele Kandidaten, die für das Amt in Frage kommen", sagte er im Januar. Hinteregger hat es innerhalb kürzester Zeit aber geschafft, im internen Ranking deutlich an Boden gutzumachen. Vom Geheimfavoriten zum heißesten Anwärter.

In den insgesamt vier Partien seit Abrahams Abflug in Richtung argentinische Heimat und süßes Leben betraute Hütter insgesamt drei Profis mit der Aufgabe des Spielführers: Gegen den SC Freiburg, Arminia Bielefeld und Hertha BSC führte Routinier Hasebe die Mannschaft auf den Platz, im DFB-Pokal bei Bayer Leverkusen übernahm diese Aufgabe Mittelfeldmotor Rode. Das Bemerkenswerte jedoch: Nach den Auswechslungen von Hasebe, der in jedem der vergangenen drei Bundesliga-Spielen frühzeitig Feierabend hatte, wanderte die Binde nicht etwa an den Arm von Trapp, sondern zu Hinteregger. Ein Vertrauensbeweis, den sich der 28-Jährige redlich verdient hat.

Meister mit der Eintracht? Na klar!

Hinteregger, der vor genau zwei Jahren mit allerlei Nebengeräuschen leihweise vom FC Augsburg zur Eintracht gekommen war und bei seinem dauerhaften Wechsel im darauffolgenden Sommer nicht immer die beste (und standfesteste) Figur abgab, hat sich vor allem charakterlich enorm entwickelt. Während Hinteregger sportlich schon immer unumstritten war und von seinem Landsmann Hütter zu Recht als "einer der besten Verteidiger der Liga" geadelt wurde, geht er mittlerweile auch als Führungsspieler auf und neben dem Platz voran.

In Interviews spricht Hinteregger oft und gerne von großen Ambitionen und noch größeren Zielen. Er wolle Titel gewinnen und Meister werden, sagte er in einem Gespräch mit dem DFB. "Diese Emotionen, diese Feier und diese Freude möchte ich erleben. Wir als Eintracht Frankfurt müssen groß denken." Champions League? Warum denn nicht!

Ähnlich forsch geht Hinteregger auch bei vermeintlichen Ungerechtigkeiten auf dem Rasen vor. Zuletzt wurde er in Spielen immer wieder beim Schiedsrichter vorstellig und setzte sich für die Belange seiner Mitspieler ein. Der Anführer der HintiArmy hat seine anfängliche Zurückhaltung abgelegt und ist inzwischen auch zum Anführer der Eintracht geworden.

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Ein Kapitän in allen Lebenslagen

Wie ernst es dem Nationalspieler mit seiner Verantwortung ist, demonstrierte er in den vergangenen Wochen selbst in seiner Freizeit. Am Tag nach dem 1:4 im DFB-Pokal in Leverkusen lud Hinteregger, der derzeit seinen Hubschrauber-Pilotenschein macht, seine Abwehrkollegen Tuta und Evan N'Dicka zu einem gemeinsamen Helikopter-Rundflug ein. "Wir funktionieren so gut, weil wir zusammen Spaß haben", kommentierte er seine eher ungewöhnliche Idee. "Teams brauchen Teambuilding-Maßnahmen."

Hinteregger Hubschrauber Instagram

Bis zur endgültigen Entscheidung, wer neuer Eintracht-Spielführer wird, ist zwar noch etwas Zeit. Ein genauer Blick auf die anderen drei Kandidaten zeigt aber, dass Hinteregger die richtige und folgerichtige Wahl wäre: Der 37 Jahre alte Hasebe wird trotz anstehender Vertragsverlängerung nicht mehr durchgehend Stammspieler sein. Rode hat seinen Platz in der Startelf verloren und derzeit genug mit sich selbst zu kämpfen. Trapp ist in der Hackordnung wohl schon jetzt hinter Hinteregger zurückgerutscht.

Die Zeichen verdichten sich also, dass Hinteregger seine Mitspieler bald auch außerhalb des Helikopter-Cockpits offiziell als Kapitän begrüßen kann.

Sendung: hr1, 05.02.21, 11 Uhr