Hauge trifft für Eintracht Frankfurt und jubelt

Spielerische Armut? Egal. Wacklige Abwehr? Egal. Eintracht Frankfurt darf auch bei Olympiakos Piräus in der Nachspielzeit jubeln und überwintert in der Europa League. Die Reise tat gut, die Kräfte werden aber schon knapp.

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So eine Reise ans Mittelmeer kann ja manchmal Wunder bewirken. Für Eintracht Frankfurt war der heimische Schmuddelherbst am Donnerstagabend ebenso weit entfernt wie der Abstiegskampf in der Bundesliga und die vielen Alltagssorgen der vergangenen Wochen. Statt weiter nach den Gründen für die Krise zu suchen, durften die Hessen bei Olympiakos Piräus in der Nachspielzeit einen 2:1-Sieg bejubeln und den sicheren Einzug in die K.o.-Phase feiern. Ein Kurzurlaub, wie er schöner nicht sein könnte.

"Ich bin sehr glücklich für mich und das Team", fasste Matchwinner Jens Petter Hauge, der in der Nachspielzeit für das Happy End gesorgt hatte, zusammen. Die Eintracht, die in der Bundesliga von Unzulänglichkeit zu Unzulänglichkeit stolpert und mit lediglich einem Saisonsieg tief im Tabellenkeller steckt, steht weiter an der Spitze der Gruppe und überwintert definitiv in Europa. "Wir sind sehr zufrieden, dass wir unser erstes Ziel erreicht haben", sagte Trainer Oliver Glasner. Allzu lange sollte er sich mit diesem Erfolgserlebnis jedoch nicht aufhalten.

Eintracht offenbart auch in Piräus Probleme

Denn trotz dieses unerwarteten Sieges beim griechischen Meister ist die Liste der Probleme der Eintracht weiter lang. Die Einstellung, die spätestens nach der blamablen 0:2-Pleite in Bochum sogar von Kapitän Sebastian Rode und Coach Glasner bemängelt worden war, ist nach zwei Last-Minute-Toren wohl definitiv wieder intakt. Fußballerisch hakte es bei den Hessen allerdings auch in Piräus an fast allen Ecken. Die Offensive war erneut zu harm- und ideenlos, die Defensive leistete sich einige Wackler und durfte sich letztlich wieder einmal beim glänzenden Torhüter Kevin Trapp bedanken.

Die Abhängigkeit von Filip Kostic konnte die Eintracht zudem auch in dessen Abwesenheit nicht verbergen, die Verpflichtung von Mittelstürmer Sam Lammers bleibt ein Rätsel. Die Lichtblicke dieses Mal: Daichi Kamada, der zumindest ansatzweise in alter Europa-League-Manier wirbelte, sowie die beiden fast schon abgeschriebenen Joker Jesper Lindström und Hauge. Ein bisschen Licht, viel Schatten.

Chandler fasst es gut zusammen

"Wir hatten schwierige Phasen, am Ende zählt aber nur der Sieg und unsere Mentalität", traf Stehaufmännchen Timothy Chandler, der zuletzt nur auf der Tribüne gesessen hatte, den Nagel auf den Kopf. Teams, die gut spielen und oft verlieren, attestiert man gerne eine Ergebniskrise. Die Eintracht laboriert aktuell am genauen Gegenteil. Gegen RB Leipzig und in Piräus zeigten die Hessen alles andere als eine gute Leistung, gingen nach 90 Minuten und optimal genutzten Nachspielzeiten aber dennoch mit einem positiven Gefühl vom Platz. Fußball paradox.

Doch genau dieses positive Gefühl muss die Eintracht jetzt bewahren und nutzen. Schon am Sonntag (19.30 Uhr) steht das Abstiegsduell beim Tabellenletzten Greuther Fürth und damit das mit Abstand wichtigste Spiel seit langem auf dem Programm. So schön der Abend in Piräus auch war - sollte das Gastspiel bei den Kleeblättern in die Binsen gehen, ist die gute Zeit am Mittelmeer schnell vergessen. Die Mannschaft müsse deshalb am Sonntag "den Beweis abliefern", dass der Sieg in Piräus endlich die erhoffte Initialzündung war, forderte Glasner. Heißt: In Fürth wird abgerechnet.

Eintracht geht auf dem Zahnfleisch

Wie schwer diese Aufgabe gegen den Aufsteiger wird, der in zusammengerechnet knapp eineinhalb Bundesliga-Spielzeiten noch nie ein Heimspiel gewinnen konnte, verriet am Donnerstag laut Glasner jedoch schon ein Blick in die Kabine. "Die Jungs freuen sich und sind happy. Sie sind aber auch sehr, sehr müde."

Die beiden Sechser Djibril Sow und Kristijan Jakic mussten beide mit Krämpfen ausgewechselt werden, bei Kapitän Rode reichte es trotz Startelf-Plänen nur zu einem Kurzeinsatz und selbst der nimmermüde Martin Hinteregger zeigte vor der Partie Verbrauchserscheinungen und wurde von Trainer Glasner zur Schonung 90 Minuten auf die Bank gesetzt. "Wir gehen ein unheimliches Pensum, der eine oder andere geht schon auf dem letzten Zacken", so Glasner. Die Krux mit der Doppelbelastung.

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Oliver Glasner
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Da außerdem weiter unklar ist, ob die daheimgebliebenen Filip Kostic und Ajdin Hrustic wieder eine Option sind, wird die Eintracht nach der Ankunft in Frankfurt am Freitag erst einmal eine kleine Bestandsaufnahme an fitten Spielern machen müssen, ehe es an die Vorbereitung auf die Partie in Fürth geht. "Wir müssen jetzt alle Kräfte mobilisieren und den Schwung mitnehmen", unterstrich Glasner. Die kurzzeitige Urlaubsstimmung war da schon lange wieder verflogen.