Die Spieler von Eintracht Frankfurt sind frustriert

Die Formkurve von Eintracht Frankfurt zeigt nach den Enttäuschungen gegen Bremen und Stuttgart nach unten. Da nach der Länderspielpause reihenweise Partien gegen Topteams anstehen, droht der Absturz. Trainer Adi Hütter ist gefordert.

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Es gab eine Zeit bei Eintracht Frankfurt, da wurden schwächere Leistungen in der Bundesliga durch furiose Auftritte in der Europa League überlagert. Müde Beine, lange Reisen, Dreifachbelastung: Das waren die Stichworte, die bei der Erklärung von Niederlagen oder überflüssigen Remis gerne verwendet wurden. Die internationalen Überflieger zeigten national oft nur Mittelmaß, das war okay, sollte in dieser Saison aber ganz anders werden.

"Wir können uns Woche für Woche auf die Gegner vorbereiten. Das war in den vergangenen zwei Jahren alles nicht so einfach", sagte Trainer Adi Hütter bei der Eröffnungs-Pressekonferenz Ende Juli. Der Österreicher konnte endlich im Training an der Entwicklung des Teams arbeiten und seine Schützlinge gezielt auf das kommende Spiel einstellen. Das Problem: Eine Verbesserung ist seitdem nicht zu erkennen.

Der Eintracht fehlt ein Plan

Die Eintracht, die in den vergangenen beiden Spielzeiten trotz Reisen durch Europa auf Platz sieben und neun ins Ziel kam, steht derzeit auf Rang elf. Von sieben Spielen wurde zwar nur das beim FC Bayern (0:5) verloren, die insgesamt vier Unentschieden gegen die Kellerkinder Bielefeld und Köln, Aufsteiger Stuttgart und Fast-Absteiger Bremen sind für den Anspruch der Hessen aber deutlich zu wenig. "Wir haben Punkte liegengelassen", gab Sportdirektor Bruno Hübner zu. Die Gründe dafür sind hausgemacht.

Die versprochene spielerische Entwicklung ist bislang nämlich ebenso wenig zu sehen wie Variabilität. "Ich möchte wieder eine Mannschaft haben, die versucht, die Art und Weise von Fußball aus dem ersten Jahr zu spielen", gab Hütter in der Sommer-Vorbereitung selbst als Ziel vor. Vom einstigen Büffelfußball mit Tempo, Pressing und jeder Menge Draufgängertum ist im Corona-Herbst jedoch nicht mehr viel übriggeblieben. Selbst gegen sichtbar limitierte Gegner wie Köln oder Bremen fehlen Ideen und Mut. Die Eintracht spielt Angsthasenfußball.

Eine Saison mit zwei Gesichtern

Es wäre natürlich falsch, vom aktuellen Kader die gleiche Haudrauf-Mentalität zu fordern wie vom Team um Ante Rebic, Luka Jovic und Sébastien Haller. Diese vielleicht beste Eintracht-Mannschaft aller Zeiten ist seit Sommer 2019 Geschichte und sollte nicht jede Woche zum Vergleich herangezogen werden. Etwas mehr als lange Bälle auf Bas Dost, hin und wieder ein Dribbling von Daichi Kamada und Hoffen auf einen Geistesblitz von Filip Kostic oder André Silva könnte es dann aber doch sein.

Das Bemerkenswerte: Sobald die Eintracht von der Leine gelassen wird, schöpft sie ihr Potenzial aus. Dass die Hessen in sieben Bundesliga-Spielen insgesamt fünfmal in Rückstand gerieten und trotzdem nur ein Spiel verloren, ist sicher kein Zufall und beweist gleichzeitig zwei Dinge: Moral und Potenzial stimmen, der Plan von Hütter nicht immer. "Wir haben zwei Gesichter gezeigt", fasste Makoto Hasebe nach dem Remis in Stuttgart ungewollt die bisherige Saison der Eintracht zusammen. Die Frankfurter können es besser, aber irgendetwas stimmt nicht.

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Die Aufstellungen sorgen für Verwirrung

Nun ist es müßig darüber zu diskutieren, ob Hütter jede Woche die richtige Aufstellung wählt. Der Trainer sieht die Spieler im Training und entscheidet sich für die seiner Meinung nach elf besten. Dass es Wechsel in der Startformation jedoch nur noch bei Verletzungen gibt und die taktische und personelle Marschrichtung beim Auswärtsspiel gegen den FC Bayern die gleiche ist wie bei einem Heimspiel gegen Werder Bremen, ist dann doch verwunderlich. Alternativen auf der Bank, das bewiesen nicht nur Aymen Barkok und Amin Younes schon mehrfach, wären da.

Während der Länderspielpause bleibt erst einmal nur der Blick nach vorne, und damit der Blick auf noch größeres Ungemach: Die kommenden Heimspielgegner RB Leipzig, Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach sind allesamt Schwergewichte der Liga und könnten ein weiteres Problem der Eintracht offenbaren: Dem Team, nebenbei das älteste der Liga, fehlt es immer noch an Geschwindigkeit.

Jetzt ist Hütter gefragt

Was sich gegen Stuttgart vor allem in der Defensive bemerkbar machte, könnte gegen die Topteams in der Offensive zum Problem werden. Die Eintracht wird zwar endlich nicht mehr in die Verlegenheit geraten, das Spiel machen zu müssen. Kontern gehört allerdings auch nicht mehr zu den bevorzugten Disziplinen. Die Lösung? Adi Hütter muss sich etwas einfallen lassen. Zeit wäre in der Länderspielpause genug vorhanden.