Filip Kostic André Silva Eintracht Frankfurt

Kampf, Mentalität, Wille: Eintracht Frankfurt braucht all das im Endspurt um die Champions League. Der Trumpf sind aber aktuell die vielen außergewöhnlichen Spieler im Kader der Hessen.

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Adi Hütter roh
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Man muss schon ein wenig überlegen, um sich an ein noch schöneres Tor von Eintracht Frankfurt in der laufenden Saison zu erinnern als das 2:0 gegen den FC Augsburg. Tief im Mittelfeld drehte Eintracht-Spielmacher Daichi Kamada das gesamte Spielfeld mit einem sensationellen Pass einmal auf den Kopf. Die Augsburger Hälfte lag plötzlich wie ein geöffnetes Buch vor Sebastian Rode, der den Ball gen Sechzehner trieb und auf Kostic ablegte. Kostic wiederum schlug eine Flanke an langen Pfosten, die so butterweich und punktgenau kam, dass sie wohl selbst der Busfahrer verwertet hätte. André Silva schließlich stieg hoch und sagte Danke – ein Gemälde von einem Tor.

Und vielleicht der wichtigste Treffer der Saison für die Eintracht. Weil es Ruhe in ein bis dahin oft unruhiges Spiel brachte, das die Hessen unbedingt gewinnen mussten. Kaum auszudenken, wie die Stimmung in und um den Verein gewesen wäre, hätte die Eintracht nach dem 0:4-Debakel in Gladbach und rund um den Wirbel, den die Abschieds-Ankündigung von Trainer Adi Hütter verursacht hatte, gegen Augsburg nicht dreifach gepunktet.

Leistungsträger sind zur Stelle

Nun waren die Hessen gegen Augsburg freilich nicht komplett von der Rolle, so wie es gegen Gladbach der Fall war. Und doch ließen sich die Frankfurter insbesondere in der ersten Halbzeit von ekligen Augsburgern – ohnehin immer ein undankbarer Gegner – den Schneid abkaufen. Zeitweise gewannen die Fuggerstädter über 60 Prozent der Zweikämpfe. Allein die fehlende Qualität beim FCA verhinderte, dass daraus Zählbares entstand.

Anders bei der Eintracht. Schon der erste Treffer, der in eine eigentlich starke FCA-Phase fiel, war eine Kombination der Eintracht-Leistungsträger. Nach einer Kostic-Flanke vergab noch Silva, der folgende Eckball führte zu einer Kamada-Flanke, die der wiedergenesene Martin Hinteregger ins Tor köpfte – bedrängt von den nicht unbedingt kopfballschwachen Felix Uduokhai und Reece Oxford.

Unterschiedsspieler nennt man solche Kicker gemeinhin

Die individuelle Klasse der Hessen, sie wird inmitten all der Störgeräusche zum Trumpf. War die Eintracht stets eine Mannschaft, die über den Kampf in die Spiele fand und ihre Gegner mitunter einfach überrollte, ist der Kader nun gespickt mit Stars, die selbst eine Partie wie jene gegen den FCA, die kämpferisch eher dem Gegner gehört, für die Eintracht entscheiden können. Getreu dem Motto: Qualität setzt sich durch.

Und die ist eben reichlich vorhanden. Silva ist zweitbester Torschütze der Liga, aktuell steht er bei 24 Saisontoren, so viele hat seit Bernd Hözenbein niemand für die Eintracht geschossen. Kostic ("Er hat ein scharfes Messer im linken Fuß" – FCA-Keeper Rafal Gikiewicz) und Kamada sind mit 15 bzw. 14 Vorlagen die zweit- und drittbesten Assistgeber der Liga. Amin Younes schaffte bei der Eintracht sein Nationalmannschafts-Comeback. Hinteregger gehört zu den besten Innenverteidigern der Liga. Und was Luka Jovic kann, weiß man in Frankfurt ja ohnehin bestens. Unterschiedsspieler, nennt man solche Kicker gemeinhin.

Das ist neu in Frankfurt

Was nicht bedeuten soll, dass die Eintracht ihre kämpferische Herangehensweise begraben hat oder das tun sollte; gerade gegen eine spielerisch herausragende Mannschaft wie Bayer Leverkusen am kommenden Samstag wird es wichtig, dem Gegner weh zu tun, draufzugehen, zu kratzen, beißen, spucken.

Aber man hat mittlerweile eben, und das ist neu in Frankfurt, das Gefühl: Kostic, Silva, Jovic, Kamada, Younes, auch Rode, Sow oder Hinteregger – einem wird schon etwas einfallen. Und wenn es dann ein so schönes Tor ist wie jenes 2:0 der Eintracht gegen Augsburg, umso besser.