Oliver Glasner von Eintracht Frankfurt

Drei Wochen vor dem Ende der Transferperiode wirft das Aufgebot von Eintracht Frankfurt Fragen auf. Im Mittelfeld herrscht ein Überangebot, im Sturmzentrum klafft ein Loch. Und was ist das richtige System? Der Kader-Check.

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Heimspiel: Der Eintracht-Check - Droht der Fehlstart?
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Für Sportvorstand Markus Krösche und Kaderplaner Ben Manga beginnt allmählich die heißeste Phase dieses Sommers. Während Trainer Oliver Glasner und sein Team die Pokal-Niederlage von Mannheim verdauen und sich auf den Bundesliga-Auftakt gegen Borussia Dortmund am Samstag (18.30 Uhr) vorbereiten, wird im Hintergrund weiter am Kader gewerkelt.

Sieben Neuzugänge sind zwar bereits in Hessen eingetroffen. Damit Eintracht Frankfurt in der kommenden Spielzeit konkurrenzfähig ist, muss sich bis zum Ende der Transferperiode am 31. August aber noch etwas tun. Die Mannschaftsteile und die möglichen Systeme im Check.

Torhüter

Auf der Position zwischen den Pfosten ist alles klar. Nationaltorhüter Kevin Trapp, der sich in Mannheim bereits in guter Frühform präsentierte, geht als unangefochtene Nummer eins in die Saison und soll das Team von hinten führen. Dass Trapp bei der Kapitänswahl leer ausging und nicht einmal zu einem der Stellvertreter ernannt wurde, kam überraschend. An seinem Stellenwert in der Mannschaft ändert das aber nichts.

Trapps Stellvertreter ist der 19 Jahre alte Neuzugang Diant Ramaj, der im Training lernen will und keine Forderungen stellt. Jens Grahl, ebenfalls neu bei der Eintracht, bleiben die Rolle des Feuerwehrmanns und ein gemütlicher Platz auf der Tribüne.

Abwehr

Auch in der Defensive ist die Eintracht bereits gut aufgestellt. Martin Hinteregger, Evan N’Dicka und Tuta bilden eine mehr als veritable Innenverteidigung. Routinier Makoto Hasebe steht als Ersatz-Libero, Stefan Ilsanker als Notfall-Abräumer bereit. Für die Position des rechten Außenverteidigers gibt es mit Danny da Costa, Timothy Chandler, Erik Durm und dem noch angeschlagenen Almamy Touré, der zur Not auch innen verteidigen kann, gleich vier Optionen. Auf der linken Seite reiht sich Christopher Lenz hinter Filip Kostic ein. Beim Training am Dienstag testete die Eintracht wohl auch die Option einer "Flügelzange" mit Kostic auf links und Neuzugang Jens Petter Hauge auf rechts.

Ein Neuzugang ist – Stand jetzt – nicht notwendig. Sollte Kostic, den alle Verantwortlichen unbedingt halten wollen, den Verein doch noch verlassen, könnte jedoch Hektik aufkommen.

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Mittelfeld

Am unübersichtlichsten ist die Lage im Frankfurter Mittelfeld. Nach der Verpflichtung von Hauge am Dienstag tummeln sich im Kader der Eintracht gleich neun Spieler mit ähnlichen Veranlagungen und sehr ähnlichen Lieblingspositionen. Hauge, Amin Younes, Jesper Lindström, Daichi Kamada, Aymen Barkok, Fabio Blanco, Steven Zuber, der zum Linksverteidiger umfunktionierte Kostic und Ajdin Hrustic sind allesamt irgendwo im offensiven Mittelfeld beheimatet und bezeichnen sich selbst wahlweise als Achter, Zehner, Spielmacher oder Flügelstürmer.

Ein Überangebot, das angesichts der nur sehr begrenzt verfügbaren Planstellen im Kreativ-Zentrum wenig bis gar keinen Sinn ergibt und wohl nur eine Schlussfolgerung zulässt: Hier wird es noch Abgänge geben, die von sehr schmerzlich (Younes, Kostic) bis weniger schmerzlich (Zuber) reichen könnten. Spannend wird zudem sein, wie schnell sich die teils noch sehr jungen Spieler an die Bundesliga gewöhnen. Von Lindström, Blanco und auch Hauge sind erst einmal keine Wunderdinge zu erwarten.

Klarer ist die Ausgangsposition im Arbeitsraum: Kapitän Rode ist, sollte er fit bleiben, auf einer der beiden Sechser-Positionen gesetzt. Djibril Sow, Makoto Hasebe und Ilsanker sind – mit absteigender Wahrscheinlichkeit – die Kandidaten für die Position daneben.

Sturm

Das größte Sorgenkind ist derzeit der Sturm. Dort, wo früher die Büffelherde ihr Unwesen trieb und danach André Silva mal eben 28 Bundesliga-Tore schoss, klafft aktuell eine große Lücke. Mit Rafael Borré wurde zwar ein Nationalspieler verpflichtet, der Kolumbianer wird aber Zeit brauchen und ist zudem allein aufgrund seiner Größe von 1,74 Meter nicht der dringend benötigte Stoßstürmer. Dass die beiden weiteren Kandidaten Goncalo Paciencia und Ragnar Ache die gegnerischen Abwehrreihen das Fürchten lehren werden, ist ebenfalls zu bezweifeln.

Fazit und Systemfrage

Klar ist also: Die Eintracht muss im Angriff dringend nachlegen und einen Stürmer holen, der eine gewisse Körperlichkeit mitbringt und Tore garantiert. Talent und Technik sind in der Offensive im Überfluss vorhanden. An Erfahrung, Wucht und vor allem Torgefahr mangelt es aber noch gewaltig. Die Balance zwischen Unbekümmertheit und nachgewiesener Bundesliga-Tauglichkeit stimmt aktuell noch nicht. Die Eintracht ist wenige Tage vor dem Start in die Bundesliga noch zu dünn auf der Brust.  

Womit auch das System stärker in den Fokus rückt. Angesichts der Masse an Klasse im offensiven Mittelfeld wäre es fast eine Verschwendung, am 3-4-3-System der vergangenen Saison festzuhalten und nur zwei Kreativkräfte auf den Platz zu schicken. In Mannheim wählte Trainer Glasner zwar genau diese Taktik und brachte mit Lindström und Kamada nur zwei Spieler mit fußballerischen Ideen. Die fehlende Durchschlagskraft gegen einen Drittligisten dürfte ihn daran aber zumindest zweifeln lassen.

Hinzu kommt, dass eine Dreier-, bzw. Fünferkette nur mit Kostic funktioniert. Da alle anderen potenziellen Kandidaten für die beiden Außenbahnen ihre Stärken in der Defensive haben, fehlt der Eintracht bei dieser Vorgehensweise in Abwesenheit des Serben die Power nach vorne. Die mögliche Lösung: Umstellung auf Viererkette und drei offensive Mittelfeldspieler. Auch ein 4-4-2 mit einer Doppelspitze wäre möglich. Die wichtigste Voraussetzung: Ein Stürmer muss her. Und zwar schnell.

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