Eintracht-Coach Adi Hütter im Trainingslager in Florida

Eintracht Frankfurt muss in der Winterpause eine Hinrunde der extremen Gegensätze aufarbeiten. Für die Rückrunde bastelt Trainer Adi Hütter an einer Systemumstellung. Der Teamcheck.

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Kurz vor dem Rückrunden-Start nimmt sportschau.de jeden Bundesliga-Club in einem Teamcheck unter die Lupe. Die Übersicht dazu finden Sie hier.

So lief die Hinrunde:

Anfang November, irgendwo zwischen dem 2. und 10.11., verläuft ein Riss durch die erste Halbserie der Hessen. Auf einen ordentlichen Saisonstart mit Siegen gegen Hoffenheim, Düsseldorf und in Berlin sowie sportlich ansprechenden Leistungen gegen Spitzenreiter Leipzig oder Dortmund folgte ein heißer Herbst: 3:0 gegen Leverkusen, 5:1 gegen den FC Bayern - inklusive der dortigen Entlassung von Frankfurts Ex-Trainer Niko Kovac. Die Eintracht belegte nach diesem Spieltag Tabellenrang sieben, ihre Fans wähnten sich bei nur einem Zähler Rückstand auf einen Champions-League-Platz in der nächsten berauschenden Saison. Statt Rausch war allerdings sehr schnell Kater angesagt.

Seit dem Bayern-Spiel hat die Eintracht in der Bundesliga nicht mehr gewinnen können, die Sieglos-Serie erstreckt sich mittlerweile über sieben Partien. Mangelnde taktische Flexibilität sowie zunehmende Müdigkeit in Köpfen und Beinen ließen Frankfurt für Teams wie Mainz, Hertha BSC, Köln und Paderborn zum Aufbaugegner werden. Die außerordentlich lange Hinrunde, die bereits Ende Juli in der zweiten Qualifikationsrunde zur Europa League begonnen hatte, forderte spätestens in der Adventszeit ihren Tribut. "Man darf nicht vergessen, dass wir bis zur Winterpause 31 Spiele hatten", betonte jüngst Torwart Kevin Trapp im Interview mit dem hr-sport. Immerhin: Im Europapokal retteten sich die Frankfurter in die K.o.-Phase - und auch im DFB-Pokal sind sie nach wie vor dabei.

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Wer kommt, wer geht:

Einen handfesten Transfer gibt es bislang nur in Person von Simon Falette. Der Verteidiger spielte in den Planungen der Eintracht keine große Rolle mehr, fordert für sich selbst aber wesentlich mehr Spielpraxis und kickt deshalb ab sofort bei Fenerbahce Istanbul in der Türkei - zunächst bis Saisonende auf Leihbasis, der Tabellenvierte der SüperLig sicherte sich zudem eine Kaufoption. Ansonsten brodelt in und um Frankfurt die Gerüchteküche, insbesondere wegen möglicher Neuzugänge.

Verstärkt werden die Spekulationen durch die jüngsten Verletzungen zweier Vielspieler: Mittelfeld-Abräumer Gelson Fernandes (Sehnenriss im Hüftbeuger) und Offensivspieler Daichi Kamada (Bänderriss im Sprunggelenk) fallen jeweils länger aus. Dass die Hessen auf die Ausfälle reagieren und für beide Positionen Ersatz besorgen, gilt als wahrscheinlich. "Es wäre fahrlässig, nicht darüber nachzudenken", sagt Trainer Adi Hütter. Hartnäckiger als andere Gerüchte hielten sich zuletzt die Diskussionen über eine mögliche Rückkehr der Ex-Frankfurter Ante Rebic und Jesús Vallejo. Zumindest mit Blick auf Offensivspieler Rebic dementiert Sportvorstand Fredi Bobic allerdings: "Da ist gar nichts dran."

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Der Trainer: 

Als "angespannt" sowie "unangenehm" hatte Adi Hütter die Sieglos-Phase vor der Winterpause bezeichnet. Nach eineinhalb erfolgreichen Jahren mit guten Leistungen in der Liga, dem Einzug ins Europa-League-Halbfinale und der erneuten Quali für den Europacup erlebt der 49 Jahre alte Österreicher derzeit seine sportlich schwierigste Zeit in Frankfurt. Die Pause über die Feiertage haben er und seine Mannschaft daher für eine dringend nötige Auszeit genutzt. 

"Wir sind sehr selbstkritisch. Was die Fakten betrifft, sind wir von Spieltag elf bis Spieltag 17 sehr unzufrieden", sagt Hütter. "Wir haben weniger Tore geschossen, dafür aber mehr bekommen. Das sind Indizien, bei denen ich sage: So geht das nicht, das sind nicht unsere Erwartungen." Im Trainingslager in Florida ging es daher größtenteils um spielerische und taktische Elemente.

Erwartungen an die Rückrunde:

Eintracht Frankfurt will und muss im Frühjahr 2020 so schnell und so viel wie möglich punkten, um nicht vollends in den Abstiegskampf zu geraten. Allein zwischen Mitte Januar und Ende Februar stehen allerdings neun Spiele in allen drei Wettbewerben auf dem Plan, Belastung und Rotation werden also wieder bestimmende Themen sein. Das Auftaktprogramm in der Liga liest sich mit Hoffenheim, Leipzig, Düsseldorf, Augsburg, Dortmund und Union Berlin ausgewogen, in der Zwischenrunde der Europa League wartet RB Salzburg, im Achtelfinale des DFB-Pokals erneut Leipzig. Sportlich will der Pokalsieger von 2018 ab sofort ein anderes Gesicht zeigen.

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In den Einheiten im Trainingslager ließ Hütter so gut wie immer mit Viererkette in der Abwehr üben, was auf eine Systemumstellung hindeutet. Das Zauberwort lautet: Flexibilität. Hütter will sein Team auf jeden Gegner neu einstellen und entweder eine Dreier- oder eine Viererkette aufbieten. Sollte es tatsächlich auf eine Umstellung hinauslaufen, könnte sie Auswirkungen auf das spielende Personal haben. Defensiv-Routinier Makoto Hasebe muss möglicherweise um seinen Platz kämpfen, Timothy Chandler (zuletzt Knieverletzung und wenig Einsätze) hingegen gilt wegen seiner vielen Möglichkeiten in einer Viererkette schon jetzt als Gewinner dieser Vorbereitung. Ganz egal, wen Adi Hütter aufstellt: "Vier gewinnt" könnte das Motto der Frankfurter Eintracht für die Rückrunde werden.