Eintracht Frankfurt

Bei Eintracht Frankfurts Debüt in der Champions League liegt alles bereit für einen unvergesslichen Abend. Die Stimmung ist magisch, aber die Sternstunde bleibt aus.

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Klatsche für Eintracht bei Champions-League-Debüt

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Es sind noch ein paar Stunden bis zum Anpfiff, als die Menschen rund ums Frankfurter Stadion, an den Bahnstationen, den Wurstbuden, ihren Treffpunkten, beginnen, ihr Kribbeln in Worte zu fassen. Es kribbelt ja schon eine Weile, ein paar Tage, Wochen, ach, eigentlich ja seit Jahresbeginn immer wieder, in Barcelona, London, in Sevilla sowieso. Und nun das nächste Highlight für Eintracht Frankfurt und die Menschen drumherum. "Wahnsinn", hört man oft, "irre" ebenso, "unfassbar" sagen viele, belauscht man sie, das Kribbeln hat viele Namen. Was sie alle meinen ist: Champions League, in Frankfurt, bei der Eintracht.

Es ist ja alles wie sonst auch, beim ersten Spiel von Eintracht Frankfurt in der Königsklasse, aber es ist auch alles etwas anders. Die Menschen sind früher da, sie gehen früher durch die Sicherheitskontrollen, alles ist ein wenig geschäftiger, weniger beschaulich, eine Art Spannung verbindet die Dinge, eine unterschwellige Ernsthaftigkeit, die sich der freudigen Erregung der Menschen beimischt. Eine Art Ehrfurcht. Auf dem Gelände sind es die Details, Eintracht Frankfurt hat sich schickgemacht. Es gibt ein neues VIP-Zelt vor dem Stadion, ein paar mehr Anzugträger, die geschäftig ihrer Wege gehen, das Stadion selbst ist riesig beflaggt. "Frankfurter Sternstunden", steht da, gerahmt vom Eintracht-Wappen und dem Logo der Champions League. Zahllose Menschen bleiben stehen, um ein Foto zu machen, wie zum Beweis.

"Eintracht Frankfurt in der Champions League"

Das Stadion ist weit vor der Zeit schon gut gefüllt, es brodelt im Stadtwald, die meisten Fans sind in Weiß gekommen, der Farbe der so unverhofft erfolgreichen Europa-League-Saison. Als wollten sie so ihren Beitrag leisten, die europäischen Festspiele der Hessen noch ein wenig zu verlängern.

Zumindest optisch ist für die Sternstunde das Feld bestellt: Die Sterne aus dem Champions-League-Wappen, die allerorten, auf Banden, den Trainerbänken, riesengroß im Mittelkreis angebracht sind. Vor allem aber durch die Fans, die das Stadion mit einer gigantischen Choreo in Schwarz und Weiß tauchen. Ein neues Lied haben sie auch noch. Es handelt nicht, wie die anderen, von alten Helden, ist keine Liebesbekundung oder Selbstreferenz. Es geht ganz einfach: "Champions League, Champions League, Eintracht Frankfurt in der Champions League."

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0:3 - die Königsklassen-Premiere der Eintracht in der Audio-Reportage

Szene aus der Partie Eintracht gegen Lissabon
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Die Hymne. Die Besten. The Champions.

Und dann kommt sie, die Hymne. Die Besten. The Champions. Niemand kann die Ohrwürmer zählen, die dieses Lied in den letzten Tagen in Frankfurt verursacht hat, die Handys, die die Hymne klingeln, wie viele Fans sie morgens als Wecker aus dem Schlaf schrecken lässt, wie oft sie per Whatsapp verschickt wurde, an Freunde, Familie, wahrscheinlich mit dem Kommentar: "Unfassbar." Ein Moment, auf den man in Frankfurt lange hat warten müssen. Seit 1992, um genau zu sein, als man sich als erster deutscher Verein für die Champions League hätte qualifizieren können. Aber Rostock ist weit weg an diesem Tag, die Wunde geschlossen.

Unfassbar dann auch das Spiel. Es liegt alles bereit, dass der Sternstunde auf der Flagge auch eine auf dem Feld folgt, dass der würdige, ohrenbetäubende Rahmen, den die Fans schaffen, von den Spielern mit Leben gefüllt wird. Aber als Randal Kolo Muani in der zweiten Minute eine Einladung liegenlässt und auch die folgenden Chancen verpasst werden, ahnt man schon, dass es einer dieser Tage sein könnte. Dabei spielt die Eintracht gut, hat alles im Griff, verkauft sich in der ersten Halbzeit würdig. Aber, ja aber. "Der Fußball ist so", sagt Makoto Hasebe nach dem Spiel, und irgendwie trifft es das.

"Ein bisschen Glück und ein bisschen Zuversicht"

Für das, was in der zweiten Halbzeit passiert, hat die Fußballsprache diverse Ausdrücke. "Lehrgeld bezahlen", trifft es am besten, eine harte Landung passte ebenfalls, für Eintracht Frankfurt geht es an diesem Abend einmal zu den Sternen und zurück. Als das 1:0 für Sporting fällt, fragt man sich noch, wie das passieren konnte. Sportings 2:0 ist dann schon Naivität der Eintracht, das 3:0 ein perfekter Konter mit perfekter Flanke. "Die Fehlertoleranz in der Champions League ist extrem niedrig", sagt ein ernüchterter Djibril Sow nach dem Spiel. "Sie haben uns dann einfach knallhart abgeschossen", drückt es Oliver Glasner aus. Beide haben recht.

"So ist Fußball", sagt dann Sporting-Trainer Rúben Amorim nach der Partie. "Ein bisschen Glück und ein bisschen Zuversicht." Und manchmal hat man eben nur eines von beidem. Nach dem Spiel singen die Fans der Eintracht auch wieder ihre alten Lieder, minutenlang feiern sie ihre Mannschaft vor der Kurve, "... und geht auch mal ein Spiel verloren ... " singen sie, nach 0:3 fühlt sich das nicht an. Aber für viele von ihnen reicht es ja zum "Wahnsinn" oder "irre" oder "unfassbar", dass sie, so unverhofft an einem Mittwochabend in der Champions League, überhaupt hier stehen.

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