Fredi Bobic

Für Eintracht Frankfurt hat die Coronavirus-Krise sportliche wie wirtschaftliche Folgen. Sportvorstand Fredi Bobic erwartet für seinen Club einen "verdammt langen Weg".

Videobeitrag

Video

zum Video Bobic: "Es werden am Ende nicht die beiden Einzigen sein."

Fredi Bobic am Mikrofon
Ende des Videobeitrags

Die rauschenden Europa-League-Nächte, der Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale, die Bundesliga-Triumphe gegen Bayern München und RB Leipzig – all das scheint bei Eintracht Frankfurt lange, lange her. Derzeit ist wie bei den anderen Proficlubs alles im Stand-by-Modus: die Mannschaft in Quarantäne, da zwei Spieler und zwei Betreuer positiv auf das Coronavirus getestet wurden, die Pläne für die neue Saison liegen auf Eis.

"Ich frage mich ständig, wie wir das alles bei der Eintracht schultern können", sagte Sportvorstand Fredi Bobic in einem Interview der Tageszeitung Die Welt (Donnerstag). "Denn es wird ein verdammt langer Weg bis zu dem Tag X, an dem man vielleicht wieder den Eindruck hat, dass sich das Ganze wieder so anfühlt, wie es sich für uns alle mal angefühlt hat."

Eintracht Frankfurt: An Teamtraining ist nicht zu denken

An ein Mannschaftstraining ist angesichts der Kontaktsperre weiter nicht zu denken. "Von 60 Tests waren vier positiv – zwei bei den Spielern, zwei beim Staff. Ihnen geht es wieder gut. Die Quarantäne endet aber unterschiedlich, weil nicht jeder mit jedem in Kontakt war", erklärte Bobic die gesundheitliche Lage.

Sorgen um die Existenz der Eintracht müssen sich die Fans derzeit nicht machen. Der Club ist gut aufgestellt, der Expansionskurs könnte aber – je nach Dauer der Zwangspause – massiv abgebremst werden. Bobic rechnet in der Corona-Krise mit heftigen Einschnitten. "Wir sind zwar in der glücklichen Lage, dass wir in den vergangenen vier Jahren etwas auf die Seite legen und unser Eigenkapital steigern konnten. Trotzdem wird es uns treffen", sagte der frühere Nationalstürmer. "Denn wir sprechen nicht nur von dieser Saison, auch von der kommenden. Und es ist möglicherweise so, dass wir lange Zeit keine Zuschauer in den Stadien sehen werden."

DFL: Präsidium schlägt Bundesliga-Pause bis 30. April vor

Wegen der Coronavirus-Pandemie hatte das Präsidium der Deutschen Fußball Liga (DFL) mit Geschäftsführer Christian Seifert an der Spitze am Dienstag eine Pause bis mindestens zum 30. April empfohlen. Nicht nur Bobic nannte dies sinnvoll, weshalb die Zustimmung der 36 Profivereine zu diesem Schritt auf der Mitgliederversammlung am kommenden Dienstag als sicher gilt.

Offen ist außerdem, was mit der DFB-Pokal-Partie der Frankfurter beim FC Bayern passiert, die für 21./22. April angesetzt war – und wie es international weitergeht. Die Eintracht hatte das Achtelfinal-Hinspiel in der Europa League am 12. März in der leeren Arena im Stadtwald mit 0:3 gegen den FC Basel verloren.

Saisonabbruch hätte millionenschwere Folgen

Ein Saisonabbruch würde die Eintracht etwa 20 Millionen Euro an TV-Geldern kosten, dazu käme der Verlust von Sponsoreneinnahmen. Jedes Heimspiel als Geisterspiel in der laufenden Saison würden den derzeitigen Tabellenzwölften bis zu zwei Millionen Euro kosten. Spiele ohne Zuschauer, sagte Finanzvorstand Oliver Frankenbach im Kicker, bedeuten "extreme wirtschaftliche Voraussetzungen". Zumal die Eintracht derzeit ihren Proficampus für 35 Millionen Euro baut.

Zum Ende der Saison 2018/2019 betrug das Eigenkapital der Eintracht 34,6 Millionen Euro, dazu hat Frankfurt im vergangenen Sommer noch Transfererlöse erzielt. Bobic ist in der derzeitigen prekären Lage "umso glücklicher, dass wir viele Spieler mit langfristigen Verträgen in unseren Reihen haben und dahingehend gut aufgestellt sind". Lediglich die Kontrakte von Makoto Hasebe, Marco Russ, Sahverdi Cetin, Gelson Fernandes und Jonathan de Guzmán enden am 30. Juni.

Fredi Bobic: Corona-Krise "sehr, sehr anspruchsvoll"

"Es wird überall Abstriche geben. Der Fußball war aber immer erfinderisch – und ich bin mir sicher, dass es auch dieses Mal wieder Lösungen geben wird", prophezeite der 48-jährige Bobic. "Trotzdem wird die Krise sehr, sehr anspruchsvoll. Ich bin mir sicher, dass sie wirtschaftlich viel verändern wird."