Goncalo Paciencia und Bas Dost von Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt steckt gegen Fortuna Düsseldorf das Ende der Büffelherde sowie einen Rückstand weg und wird erneut für mutiges Auftreten belohnt. Sportvorstand Fredi Bobic hat noch ein Ass im Ärmel. Die Analyse in fünf Punkten.

Videobeitrag

Video

zum Video Die Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Düsseldorf

hütterpk
Ende des Videobeitrags

Eintracht Frankfurt geht dank eines hart erkämpften 2:1 (0:1)-Heimsiegs gegen Fortuna Düsseldorf als Bundesliga-Siebter in die erste Länderspielpause der Saison. Rouwen Hennings bringt zunächst die Gäste in Führung (36. Minute), dann lassen Joker Bas Dost (56.) und Goncalo Paciencia (87.) die Hessen doch noch jubeln. Ante Rebic zieht es nach Italien.

1. Der Tag, als Ante Rebic ging

Die entscheidende Nachricht des Tages verbreitete sich am Sonntag bereits eine Stunde vor Anpfiff: Ante Rebic, der Pokalheld von 2018, gehörte auf eigenen Wunsch nicht zum Frankfurter Kader und wird dort so schnell auch nicht mehr auftauchen. Sein frühzeitiger Feierabend wegen Roter Karte am Donnerstag gegen Straßburg war gleichzeitig auch Rebics endgültiger Feierabend bei der Eintracht. Den Kroaten zieht es zum AC Mailand, wie Sportvorstand Fredi Bobic und Trainer Adi Hütter nach der Partie bestätigten.

Das in der vergangenen Saison so fulminant aufspielende Sturmtriumvirat mit Luka Jovic, Sébastien Haller und Rebic ist damit endgültig Geschichte. Ihre wettbewerbsübergreifenden 57 Tore werden in dieser Spielzeit andere schießen müssen. "Es ist kein Zufall, dass Real Madrid, West Ham und der AC Mailand zugegriffen haben", fasste Hütter zusammen. "Wir haben drei absolute Granaten verloren."

2. Eine Halbzeit zum Vergessen

Wie zum Beweis präsentierte sich die Eintracht im Spiel eins nach der Büffelherde vorne zunächst sehr harmlos. Daichi Kamada zeigte sich zwar erneut eifrig und ideenreich, Torgefahr entwickelte der Japaner im ersten Durchgang aber ebenso wenig wie Goncalo Paciencia oder der sichtlich überforderte Dejan Joveljic. "Unser Offensivspiel hat nicht stattgefunden. Wir waren zu schläfrig und zu träge", kritisierte Hütter die ersten 45 Minuten seiner Abteilung Attacke. Ballbesitz: ja. Torchancen: nein.

Da sich zudem auch in der Abwehr Fehler einschlichen und Fortuna Düsseldorf laut Trainer Friedhelm Funkel "die mit Abstand beste Saisonleistung" abrief, gingen die Gäste folgerichtig und verdient in Führung. Mit dem 0:1-Pausenstand war die Eintracht sogar fast noch gut bedient.

3. Traum-Einstand von Dost

Mit Wiederanpfiff und dank der Einwechslung von Debütant Bas Dost änderte sich dann aber alles. Die Eintracht übernahm die Initiative, erinnerte sich ihrer Stärken und hatte mit dem 1,96 Meter langen Holländer endgültig auch den passenden Zielspieler in ihren Reihen. Dost, der erst am Montag verpflichtet worden war und das Playoff-Spektakel gegen Straßburg noch als Zuschauer verfolgt hatte, fügte sich perfekt in das Spiel der Hessen ein und sorgte nur elf Minuten nach seiner Einwechslung für den Ausgleich.

"Das war einfach geil", beschrieb es der 30-Jährige, der in Abwesenheit von Haller, Jovic und Rebic über Nacht zum neuen Torjäger Nummer eins in Frankfurt geworden ist, hinterher. Dass Dost der Mannschaft und dem Angriffsspiel guttun kann, bewies er gleich mehrmals. Der 18-fache Nationalspieler versenkte nicht nur die Flanke seines neuen Partners Paciencia eiskalt, er verteilte auch Bälle und riss Lücken für seine Mitspieler. Dost und die Eintracht - das könnte passen. "Das heute soll nur der Anfang sein", versprach er. "Ich muss weitermachen."

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dost: "Das soll nur der Anfang sein"

sgef95
Ende des Audiobeitrags

4. Mut wird erneut belohnt

Genau das tat auch die Eintracht. Nach schwacher erster Hälfte zeigten die Hessen im zweiten Durchgang, was sie aus- und starkmacht: Wie schon gegen Straßburg ließen sie sich von der Atmosphäre mitreißen und gönnten sich und dem Gegner keine Pause. Mit einer Spielweise, die in dieser Saison noch einmal riskanter und offensiver geworden ist, schnürten sie die Fortuna am eigenen Strafraum fest und erspielten sich immer wieder gute Möglichkeiten.

Die beiden Außenverteidiger Filip Kostic und Danny da Costa agierten fast durchgehend auf einer Höhe mit den Stürmern, die etatmäßigen Innenverteidiger David Abraham und Martin Hinteregger schoben zusätzlich mit an. Das ganze Team beteiligte sich am Offensivspiel, das ganze Team kämpfte, und letztlich wurde auch das ganze Team durch den Last-Minute-Treffer von Paciencia belohnt. "Das war ein Kraftakt", erkannte Hütter die Leistungssteigerung seiner Mannschaft an. "Ein Spiel so zu drehen, ist bemerkenswert." Ob es als Belohnung einen Tag länger frei gibt, ließ der Österreicher jedoch offen.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hütter: "Das war ein Karaftakt"

sgef95
Ende des Audiobeitrags

5. Silva tauscht mit Rebic

Und als wären die Geschichten zu zwei treffenden und einem weiterreisenden Stürmer noch nicht genug, präsentierte Sportvorstand Bobic am Abend noch einen vierten Angreifer mit Schlagzeilen-Potenzial. Der portugiesische Nationalspieler André Silva geht den umgekehrten Weg von Rebic und tauscht das Milan- gegen das Eintracht-Trikot, der Deal soll am Montag offiziell gemacht werden.

"Er kann mit links, rechts und dem Kopf abschließen, er ist richtig stark in der Box“, beschrieb Hütter den 23-Jährigen, der vor zwei Jahren noch für 38 Millionen Euro von Porto nach Mailand gewechselt war und sich nun für zwei Spielzeiten auf Leihbasis den Hessen anschließt. Silva, ein klassischer Mittelstürmer, fühlt sich in einem System mit zwei Spitzen am wohlsten und könnte so zur perfekten Ergänzung von Dost werden. "Er hat großes Potenzial", bescheinigte auch Bobic, der mit dem Last-Minute-Deal die Kaderplanungen offiziell abgeschlossen hat. Ein bisschen Zeit bis 18 Uhr wäre aber noch.