Makoto Hasebe im Eintracht-Trainingslager in Florida

Im Trainingslager in Florida zeichnet sich nach und nach ab, wie Eintracht Frankfurt in der Rückrunde taktisch auftreten könnte. Für Makoto Hasebe könnte das Folgen haben - sowohl sportlich als auch mit Blick auf seine Zukunft.

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Am Ende konnte Makoto Hasebe den freien Sonntagnachmittag gar nicht mehr erwarten. Ein paar Autogramme hier, ein paar Antworten auf die Fragen der mitgereisten Journalisten da - und dann ab in den wohlverdienten Feierabend. "Ich bin bald 36 Jahre alt, mein Körper braucht Regeneration", sagte Hasebe mit einem Grinsen im Gesicht und verschwand. Erst zur Behandlung beim Physiotherapeuten, dann ins Hotelbett.

Der Japaner und die anderen Profis im Trainingslager von Eintracht Frankfurt in Bradenton, Florida haben mittlerweile rund die Hälfte der geplanten Einheiten hinter sich. Die insgesamt fünfte am Sonntagvormittag (Ortszeit) dürfte dabei eine der wichtigsten gewesen sein, schließlich schulte Coach Adi Hütter seine Mannschaft gut eine Stunde lang in Sachen Spielaufbau: Passspiel aus der Abwehr heraus nach außen, schnelle und einstudierte Überbrückung des Mittelfelds, kreativer Torabschluss im Strafraum. Entdeckte Hütter eine Schlampigkeit, unterbrach er den Angriff, machte zur besseren Anschauung die von ihm angedachten Laufwege selbst vor oder forderte "schärfere Pässe".

Hasebe als Innenverteidiger - oder doch nicht?

Das Gute an dieser Übung aus Hasebes Sicht: In der Spieleröffnung kam ihm als meist erster Passgeber eine nicht ganz unwichtige Rolle zu. Das Schlechte: Um im Mittelfeld mehr Druck ausüben zu können, ließ Hütter die Angriffe mit einer Viererkette in der Abwehr und Hasebe als einen von zwei Innenverteidigern simulieren - doch das ist nicht gerade seine angestammte Position.

Der 35-Jährige ist zwar ein absoluter Defensiv-Allrounder, normalerweise aber als Libero der Dreierkette oder alternativ auf der Sechser-Position im Mittelfeld zu Hause. Sollte Hütter mit Blick auf die Rückrunde tatsächlich mit einer Umstellung auf eine Viererkette liebäugeln, könnte der sympathische Hasebe dem neuen System zum Opfer fallen. Beim 1:2 in Paderborn, als Frankfurt erstmals seit mehr als einem Jahr wieder mit vier Abwehrspielern auflief, gab der Routinier zwar einen der Innenverteidiger.

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Plötzlich Konkurrenzkampf

Mit Martin Hinteregger und dem in der Rückrunde nicht mehr gesperrten Kapitän David Abraham stehen allerdings zwei etatmäßige Innenverteidiger bereit, und im defensiven Mittelfeld ist die Eintracht mit Abräumer Gelson Fernandes, Dominik Kohr und dem immer fitter werdenden sowie spielerisch wichtigen Sebastian Rode ebenfalls halbwegs breit aufgestellt. Stellt sich also die Frage: Wohin mit Makoto Hasebe?

"Konkurrenzkampf gibt's immer. Vielleicht muss ich ins Mittelfeld oder als Innenverteidiger um meine Position kämpfen", antwortet er selbst auf diese Frage. Eine Vorliebe für die Innenverteidigung oder das defensive Mittelfeld, wo er die meisten Spiele seiner bisherigen Karriere verbracht hat, hat er nicht.

"Das entscheidet natürlich der Trainer, ich muss für beide Positionen bereit sein. Egal auf welcher Position - ich muss der Mannschaft helfen." Alleine dieser Satz macht deutlich: Hasebe, der das Profi-Geschäft seit knapp zwei Jahrzehnten kennt, stellt sich voll und ganz in den Dienst seines Teams.

Vertragsverlängerung? Karriereende?

Dem Trainingslager in den USA, in dem auch er einen gesteigerten Kommunikationsbedarf bei Spielern und Verantwortlichen festgestellt hat, misst der ehemalige Nationalspieler Japans eine große Bedeutung bei. "In der Hinrunde haben wir fast nie Taktik trainieren können, weil wir alle paar Tage ein Spiel hatten. Wir wissen noch nicht, ob wir weiter Dreier- oder Viererkette spielen. Aber ich finde es gut, mehrere Optionen zu haben. Das bedeutet Variation für uns."

Alles andere als mehrere Optionen gibt sich Hasebe, der am 18. Januar 36 Jahre alt wird, für seine eigene sportliche Zukunft. Gespräche mit Sportvorstand Fredi Bobic habe es bereits mehrere gegeben, eine erneute Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrages um ein weiteres Jahr ist aus seiner Sicht aber kein Muss.

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Hasebe: "Mit meiner Leistung nicht zufrieden"

"Wenn ich ein gutes Gefühl habe, möchte ich weiterspielen. Wenn ich mich nicht gut fühle, dann höre ich vielleicht auch auf. Das habe ich noch nicht entschieden." Klar ist: Makoto Hasebe wird bei dieser Entscheidung äußerst selbstkritisch sein. Immerhin geht es um ein mögliches Ende seiner Karriere.

"Ich bin mit meiner Leistung in der Hinrunde nicht zufrieden. Ich muss jetzt erst einmal meine Leistung zeigen, dann kann ich vielleicht noch ein Jahr spielen." Hasebe wäre dann 37 und damit einer der (dienst-) ältesten Profis in der Fußball-Bundesliga. Völlig verständlich, dass er sich da auch mal auf einen freien Nachmittag, den Physiotherapeuten und das Hotelbett freut.