Adi  Hütter

Nun ist es offiziell: Adi Hütter verlässt die Eintracht. Ende Februar hatte Hütter noch verkündet, dass er in Frankfurt Trainer bleiben werde. Ein Wortbruch. Durch sein damaliges "Ich bleibe" und das anschließende wochenlange Rumgeeiere hat Hütter den Hessen aber womöglich zahlreiche Punkte beschert.

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Manche Menschen gruseln sich vor einem Freitag, den 13. Eintracht-Fans könnten ab sofort eine intensive Abneigung gegen den 13. April entwickeln, egal ob dies ein Freitag ist oder nicht. Denn dieser Tag wird so langsam zu einem echten Schicksals-Datum für den Verein. Am 13. April 2018 wurde der Wechsel des damaligen Eintracht-Trainers Niko Kovac zu den Bayern offiziell bekannt gegeben, am 13. April 2021 der Wechsel des aktuellen Übungsleiter Adi Hütter nach Gladbach. Hütter geht. Die Laune vieler Fans ist im Keller.

Wochenlang hatten sie im Internet bei Facebook, Twitter, Instagram und Co. den Eintracht-Trainer in Schutz genommen. Nach dem Motto: "Hütter hat sein Wort gegeben, jetzt lasst ihn mal in Ruhe, der geht nicht nach Gladbach." Nun kommt es anders und die Enttäuschung in der digitalen Eintracht-Gemeinde ist riesengroß. Dieses "Ich bleibe" (bei der Eintracht) in der Livesendung von Sky am 28. Februar hatten Hütter alle abgenommen.

Hütter, die Ich-AG

Adi Hütter ist ein Mensch, der stark auf seine eigenen Interessen schaut. Dieses Verhalten bestätigen einige im Verein. Nun ist ein gesunder Egoismus sicherlich kein Hinderungsgrund für eine erfolgreiche Karriere im Fußball. Aber bei Hütter ist dieser Zug eher stärker ausgeprägt. Auch wenn er sich - nach schlechten Erfahrungen bei RB Salzburg - geschworen hat, nur noch Traditionsklubs trainieren zu wollen, ist Hütter alles andere als ein Fußball-Romantiker. Die Zugehörigkeit zu einem Verein bedeutet ihm nicht viel. Seine Karriere jedoch schon.

Hütter setzt auf die Umsetzung seines ganz persönlichen Plans. Und der sah bislang vor, egal ob als Meister bei den Young Boys Bern oder jetzt mit der Frankfurter Champions-League-Qualifikation in Schlagweite: gehen, wenn's am schönsten ist. Oder am einfachsten? Denn einen Meistertitel in Bern oder den Höhenflug samt Champions-League-Teilnahme zu bestätigen, wäre ja auch ein Denkansatz. Der von Hütter ist es nicht. Denn diese Version würde die Möglichkeit des Scheiterns beinhalten.

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Blick ins leere Heimspiel-Studio. Text: HEIMSPIEL - Hütter-Beben: Frisst der Erfolg die Eintracht auf?
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Die Ansprüche werden durch die erfolgreiche Arbeit von Hütter auch in Frankfurt zweifelsohne steigen. Doch der Tanz auf drei Hochzeiten (Liga, Pokal und Europapokal) brachte Hütter schon in der Saison 2019/20 ein ums andere Mal ins Schlingern. In der Liga dümpelte die Eintracht mehrheitlich in der zweiten Tabellen-Hälfte herum. Einen solchen Rückschlag will Hütter nicht noch einmal erleben. Eine Dreifach-Belastung droht ihm in seinem ersten Jahr in Gladbach wohl nicht, die Chancen auf Europa sind eher gering.

Warum Hütter seine Zusage "Ich bleibe" gegeben hat

Letztlich weiß natürlich nur Hütter selbst, wie es zu seiner Fernsehstudio-Aussage "Ich bleibe" gekommen ist. Was waren die Hintergründe? Es kann gut sein, dass er ein Zeichen setzen wollte. Ende Februar, zum Zeitpunkt seiner Aussage pro Eintracht, zeichnete sich Unruhe im Verein ab. Diverse Medien hatten bereits Anfang Februar darüber berichtet, dass Sportvorstand Fredi Bobic unter Umständen ein Angebot von Hertha BSC annehmen könnte.

Hätte auch Hütter ein klares Treuebekenntnis zur Eintracht verweigert, wäre die Unruhe in Frankfurt schon wesentlich früher durch die Decke gegangen. So aber kehrte nach dem Hütter'schen Treue-Schwur wieder Ruhe ein. Die Eintracht erspielte sich seit Ende Februar auf dem Platz stolze elf Punkte Richtung Champions League. Eine wachsende Unruhe schon zur damaligen Zeit hätte mit Sicherheit den ein oder anderen Zähler gekostet.

Vielleicht war Hütter Ende Februar aber auch noch auf Eintracht-Kurs und das Gladbacher Angebot segelte ihm erst Mitte März auf den Schreibtisch. Dieses passte perfekt in seinen Karriere-Plan. Deshalb nahm Hütter den Wortbruch in Kauf und sagte zu.

In der offiziellen Presse-Erklärung der Eintracht ließ Hütter am Dienstag mitteilen: "Die Entscheidung, zur neuen Saison ein neues Kapitel aufzuschlagen, habe ich mir nicht leicht gemacht. Ich habe hier drei unglaublich erfolgreiche und intensive Jahre erlebt, die ich gemeinsam mit der Mannschaft zum Ende dieser Saison mit einem herausragenden Ergebnis abschließen möchte". Viel erklärt diese Erklärung nicht.

Die Eintracht-Gemeinde zwischen Dankbarkeit und Enttäuschung

Adi Hütter hat sein öffentliches Bild vom redlichen und ehrlichen Trainer zerstört. Er hat als Mensch und Trainer hohe moralische Ansprüche an seine Umwelt. An Spieler, die vielleicht mal nicht so wollten wie er, oder die rund um den Fußball Dinge taten, die ihm nicht in den Kram passten. Oder an Journalisten, die sich aufmüpfig kritisch zeigten. All diese spürten Hütters Bannstrahl. Dass jetzt Hütter selbst seine eigenen moralischen Grundsätze über Bord geworfen hat, sorgt für Belustigung und in der Fangemeinde vor allem für Enttäuschung. Doch am Ende wird ein Trainer am Erfolg gemessen.

Sollte Hütter mit seiner Mannschaft erstmals in der Eintracht-Geschichte die Qualifikation für die Champions League schaffen, werden ihm viele Fans seinen Wortbruch verzeihen. Genauso wie sie Ex-Trainer Niko Kovac sein "Stand jetzt" und seinen Wechsel zu den Bayern verziehen haben, als sie auf dem Frankfurter Römerberg nach dessen letztem Spiel als Eintracht-Trainer 2018 gemeinsam den Pokalsieg feierten.

Und so könnte der 13. April, der Tag an dem 2018 der Wechsel von Kovac und 2021 der von Hütter offiziell bekannt gegeben wurden, vielleicht doch nicht zu einem Datum des Traumas werden. Allerdings sollten sich die Fans schon mal den 13. April 2024 dick im Kalender anstreichen. Man weiß ja nicht, welcher Eintracht-Trainer der Zukunft dann wieder irgendwohin wechseln wird.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 13.04.2021, 19.30 Uhr