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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintrachts ProfiCamp in der Straße "Im Herzen von Europa"

Das neue Straßenschild "Im Herzen von Europa"

Selten sorgt die Einweihung einer neuen Straße für so viele Emotionen, wie es am Montag bei Eintracht Frankfurt der Fall war. "Im Herzen von Europa 1" ist jetzt die offizielle Adresse des Clubs.

Es passiert ja eher selten, dass die Post zu früh kommt, an diesem Montag am Frankfurter Stadion aber tut sie es. Knapp 100 Leute stehen an der Otto-Fleck-Schneise vor der Einfahrt zur neuen Eintracht-Geschäftsstelle, Vorstand Axel Hellmann hält gerade eine Rede, da kommt ein großer DHL-Truck an, der einbiegen will. Keine Chance. Mit ein paar Handbewegungen der Umstehenden wird der Truck weitergewunken, Pakete werden bei Eintracht Frankfurt heute nicht ausgepackt. Dafür aber ein Geschenk, das Hellmann in seiner Rede als nicht weniger als "historisch" bezeichnet: die neue Adresse der Eintracht-Geschäftsstelle "Im Herzen von Europa 1".

 Was zuvor die relativ schnöde Otto-Fleck-Schneise war, ist nun also eine Verneigung vor der gleichnamigen Vereinshymne, die die Eintracht-Fans vor den Spielen im Stadion singen. Und gleichzeitig noch viel mehr. "Wir sind froh und stolz", so Hellmann, der die neue Adresse unbedingt auch als "Bekenntnis zur europäischen Idee" verstanden wissen will. "Jetzt haben wir eine Postadresse, die in besonderem Maße die Verbundenheit von Eintracht Frankfurt mit Europa, diese internationale Sehnsucht und Weltoffenheit der Region zum Ausdruck bringt."

Post von der Uefa ins Herz von Europa

Es hat wahrlich schon schlechtere Ideen gegeben, Hellmann freut sich schelmisch auf die Post der Uefa, die demnächst "ihre Briefe und die ein oder andere Kostennote wegen Pyrotechnik und anderem" ins Herz von Europa schicken wird. "Es gab auch noch andere Ideen, aber diese war schlichtweg genial. 'Im Herzen von Europa' trifft wie nichts anderes unser Lebensgefühl und unsere Identität. Der Ernst-Kuzorra-Weg ist schon groß", so Hellmann. "'Im Herzen von Europa' ist größer."

In der Tat ist die Namensgebung, ausgetüftelt von Eintracht-Urgestein Frank Wagner und erstaunlich schnell in den Frankfurter Gremien bewilligt, ein kleiner Geniestreich. In ihr trifft sich die Vergangenheit des Traditionsclubs, die Melodie der Hymne ist von 1959, der Text aus den Siebzigern. Die Gegenwart, also das, was Hellmann "Verbundenheit, Sehnsucht und Weltoffenheit" nennt, drei sehr unterschiedliche Dinge, die im europäischen Selbstverständnis der Eintracht jedoch wunderbar zusammengehen.

Wichtiger Termin, viele Promis

Und nicht zuletzt die Zukunft, denn die neue Geschäftsstelle im Hintergrund sieht tatsächlich nach der großen weiten Fußballwelt aus, in ihr manifestiert sich die positive Entwicklung der Eintracht in Stein und Mörtel. "Die Eintracht spielt ja mittlerweile jährlich europäisch, wir sind sportlich ein Teil von Europa geworden, und ich hoffe, das wird in Zukunft der Status Quo", so Stadtrat Mike Josef. An der Infrastruktur, so viel lässt sich ahnen, wird es nicht scheitern.

Wie wichtig dieser Termin rund um Eintracht Frankfurt ist, lässt sich schon an den Teilnehmern ablesen. Der Vorstand ist geschlossen vor Ort, Präsident Peter Fischer ebenso, Rekordspieler Charly Körbel, die aktuellen Profis Timothy Chandler und Erik Durm, Vertreter vom Museum sind ebenso da wie Vertreter der Fans und Offizielle der Stadt. Norbert Böcher, der Sohn von Heinz Böcher, dem Komponisten der Hymne, ist geladen und hält gerührt eine Rede.

Sein Vater sei "ein Mensch wie du und ich" gewesen, so der Sohn über den ehemaligen Kriminalpolizisten, aber das stimmt natürlich nicht so ganz, denn wessen Lied wird schon Heimspiel für Heimspiel – unter normalen Umständen – von 50.000 Menschen gesungen? 2006 ist Böcher gestorben, der Sohn deutet in die Wolken, es nieselt ein wenig. "Heute guckt er von da oben zu und ist stolz", sagt er.

Es wird gesungen und geweint

Dann wird das Straßenschild enthüllt, und im Hintergrund steht der Frankfurter Polizeichor, ein Halbkreis älterer Herren in blauen Jacketts und mit silbernem Polizei-Wappen am Revers, und stimmt "Im Herzen von Europa" an. Als die letzten Takte verklungen sind, gibt es tatsächlich den einen oder anderen im Publikum, der sich die Tränen aus den Augen wischt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ortsvorsteher Christian Becker über "Im Herzen von Europa"

Auf dem Foto ist der Bauplatz zu sehen, auf dem die neuen Eintracht-Geschäftsstelle gebaut werden soll. Im Hintergrund die Skyline von Frankfurt.
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Wenn die Hymne das Lebensgefühl der Stadt und des Vereins widerspiegelt, wie Hellmann sagt, erinnert sie in diesem Moment auch daran, was fehlt: All die vielen Menschen, der Sport, wie wir ihn kennen, die Rituale und Traditionen, die in Pandemiezeiten pausieren müssen.

"Die Fans fehlen sehr"

Und so hofft auch Hellmann auf eine zumindest teilweise Rückkehr der Fans, denn was ist schon eine Hymne, die niemand mitsingt? "Die Fans fehlen sehr", so Hellmann. "Aber wir sind guter Hoffnung, dass sich das in der kommenden Saison gut gestalten wird. Wir werden alles dafür tun, dass wir die größtmögliche vertretbare Anzahl von Fans im Stadion begrüßen können."

Sorgen, dass sich der eine oder andere Anhänger kurzerhand das Straßenschild als Souvenir mopsen könnte, hat Hellmann indes nicht. Es sei fest verschraubt und tief einbetoniert, und zur Not habe man noch ein paar Schilder auf Lager. Eines davon bekommt Norbert Böcher.

Sendung: hr-iNFO, Nachrichten, 05.07.21, 6 Uhr