Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic lässt in Sachen Transfers alles offen.

Daichi Kamada verletzt, Gelson Fernandes verletzt: Eintracht Frankfurt muss auf dem Transfermarkt aktiv werden. Doch nur die Verletzten zu ersetzen, genügt nicht.

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Der weise Andy Brehme wusste es ja schon in den Neunzigern, als er all seine Weisheit in den mitlerweile legendären Spruch packte: "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß." Grob übersetzt sollte das bedeuten, dass es genau dann besonders dick kommt, wenn die Lage sowieso schon nicht gut ist. Viele Jahre später hat Brehmes Spruch nichts von seiner Wahrheit eingebüßt. Eintracht Frankfurt kann aktuell ein Lied davon singen.

Die Hessen sind auf der Zielgeraden der Hinrunde ordentlich ins Schliddern geraten. Nur ein Punkt aus den letzten sieben Bundesligaspielen, nur noch drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang – das Trainingslager in den USA sollte da eigentlich die Möglichkeit bieten, an der ein oder anderen Schraube zu drehen und die Dinge wieder ins Lot zu bekommen. Glaubt man den Beteiligten, ist das ansatzweise gelungen. Und doch überwiegen nach der USA-Reise die negativen Schlagzeilen. Wenige Tage nach der schweren Verletzung von Gelson Fernandes hat sich auch Daichi Kamada verletzt und wird wohl länger ausfallen. Haste Scheiße am Fuß…

Unangenehme Situation für die Verantwortlichen

Die Verantwortlichen bringt das in die unangenehme Situation, in den verbleibenden 20 Tagen des Transferfensters fähigen Ersatz zu finden. Nachdem bereits Lucas Torro bis April aussetzen muss, bedeutet Fernandes Ausfall einen eklatanten Mangel an defensiv denkenden zentralen Mittelfeldspielern. Als potentielle Sechser stehen Trainer Adi Hütter nur noch der in der Hinrunde wenig überzeugende Dominik Kohr, der auf der Acht besser aufgehobene Sebastian Rode und der in die Jahre gekommene Makoto Hasebe zur Verfügung. Für einen Klub, der die Abstiegsränge im Blick haben muss, ist das nicht gerade optimal.

Noch dünner ist die Personaldecke nach Kamadas Ausfall im kreativen Zentrum hinter den Spitzen. Ohnehin war es ein Risiko, lediglich mit einem Zehner in die Saison zu gehen. Nach dem Bänderriss von Kamada klafft nun im offensiven Mittelfeld eine Lücke, die allerhöchstens von Mijat Gacinovic kompensiert werden kann. Dessen Entscheidungsfindung lässt für die Zehn aber zu arg zu wünschen übrig, auch der emsige Gacinovic ist eher ein Achter als ein Mann für die feinfüßigen Steckpässe. Pässe hinter die Abwehr oder mal eine überraschende Idee sind aber genau jene Dinge, die der Eintracht in der Hinrunde schmerzlich fehlten. Meist war Kamada dafür zuständig.

Sechser, Zehner, und dann?

Entsprechend sagte Hütter im Trainingslager zu Recht: "Es wäre fahrlässig, nicht über Transfers nachzudenken. Fernandes und Kamada sind Spieler, die viel gespielt haben. Wir werden uns sicherlich Gedanken machen und auch machen müssen." Das Problem, das die Verantwortlichen nun haben, ist aber: Fernandes und Kamada im defensiven und offensiven Mittelfeld zu ersetzten, reicht eigentlich nicht.

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Eintracht-Trainer Adi Hütter
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Zwar sagte Sportvorstand Fredi Bobic zu Beginn des Trainingslagers noch: "Einfach zu sagen, wir holen jetzt noch drei, vier Spieler – und das auch noch im Winter -, macht aus meiner Sicht keinen Sinn. Diese Mannschaft hat Vertrauen verdient." Genau das müsste der Klub aber tun. Stellt Hütter tatsächlich auf Viererkette um, so wie er es im Trainingslager in den USA trainiert hat, gäbe es nämlich urplötzlich die Position der offensiven Außenspieler wieder. Links lässt sich diese mit Filip Kostic besetzen. Aber rechts?

Einen echten Rechtsaußen gibt es nicht

Im Test gegen Hertha BSC versuchte sich Gacinovic auf der ungewohnten Position, andere Alternativen wären allenfalls Danny da Costa oder, mit viel Fantasie, Timothy Chandler. Aber einen echten Rechtsaußen gibt es im Kader nicht. Auch an dieser Stelle müssten die Hessen also nachjustieren, und das im traditionell schwierigen Wintertransferfenster. Drei fähige Neuzugänge in knapp drei Wochen? "Das Unmögliche möglich zu machen, wird ein Ding der Unmöglichkeit", ist ein weiteres Bonmot von Fußballphilosoph Brehme. Aber vielleicht hatte er in dieser Hinsicht ja Unrecht.