Marco Pezzaiuoli (li.) fungiert als Technischer Direktor als Bindeglied zwischen Nachwuchs und Profis. Derzeit bildet die U19 von Andreas Ibertsberger (re.) den Unterbau.

800.000 Euro im Jahr wollte die Eintracht einsparen, als sie vor knapp sechs Jahren ihre U23 aus der Regionalliga abmeldete. Im Nachhinein bereuen die Frankfurter diesen Schritt offenbar. Die geplante Rückkehr könnte steinig werden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Jürgen Radeck (Hessischer Fußball-Verband): "Seriöse Anfrage von Eintracht Frankfurt"

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Als Eintracht Frankfurt im April 2014 bekanntgab, fortan auf seine U23 zu verzichten, klang das einigermaßen schlüssig. Der sportliche Wert der Regionalliga-Vertretung galt zu diesem Zeitpunkt schon länger als überschaubar. Dazu winkten Einsparungen von immerhin 800.000 Euro pro Jahr. Und das Problem mit der viel diskutierten Durchlässigkeit zu den Bundesliga-Profis brachte der damalige Chef des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), Armin Kraaz, so auf den Punkt: "Bei neun von zehn Spielern können wir nach der U19 zuverlässig vorhersagen, ob es für den Profifußball reicht oder nicht."

Die Glaskugel hatte aber offenbar einen Sprung: Seitdem hat außer Aymen Barkok (ausgeliehen an Düsseldorf) kein Spieler aus der U19 bei den Hessen nachhaltig auf sich aufmerksam machen können. Deswegen - und weil die fehlende U23 mit mangelnder Spielpraxis für Rekonvaleszenten und Nachzügler aus dem Profikader einhergeht – will man die Entscheidung von 2014 nun korrigieren.

Hessenliga-Start mit zahlreichen Hürden verbunden

Der Hessische Fußball-Verband (HFV) erklärt dem hr-sport am Montag auf Nachfrage, dass dort bereits im November eine erste Anfrage der Eintracht bezüglich der möglichen Wiederaufnahme einer U23 eingegangen sei. "Eine Anfrage, in der keinerlei Forderungen drinstehen", wie der beim HFV für Spielbetrieb und Fußballentwicklung zuständige Jürgen Radeck betont.

Radecks Telefon steht kaum noch still, seitdem die Frankfurter Rundschau am Wochenende von den Plänen der Eintracht berichtet hat. In dem Bericht geht es um einen möglichen Wiedereinstieg in der Hessenliga. Logisch, dass mancher Verein schon jetzt um seinen Startplatz bangt. Ein Direkteinstieg der Eintracht in der Hessenliga wäre aber nur mittels einer Abänderung der hessischen Spielordnung möglich. Und davon ist man beim HFV derzeit noch weit entfernt.

Stand jetzt, sagt Radeck, könnte die U23 der Eintracht zum geplanten Zeitpunkt im Sommer 2021 höchstens in der achtklassigen Kreisoberliga (KOL) Frankfurt ran. Den Startplatz könnte der Fußballkreis Frankfurt ohne größere Probleme bereitstellen. Die Eintracht müsste sich in der Folge durch die Niederungen des Amateurfußballs kämpfen. Alles, was über der KOL liegt, bedürfte einer Änderung der Spielordnung des HFV und damit der Zustimmung von Verband und betroffenen Vereinen, in diesem Fall also der Hessen- und Verbandsligisten.

6. Juni könnte zum Schicksalstag werden

Soweit ist man aber weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Radeck und seine Kollegen beim HFV wollen in den kommenden beiden Wochen über weitere Schritte beraten. Als Zeitpunkt für eine mögliche Abstimmung über die Abänderung der Spielordnung würde sich der 6. Juni anbieten. Dann findet eine Verbandstagung mit den Vereinsvertretern im mittelhessischen Grünberg statt. Bis mindestens dahin müssen die Hessen- und Verbandsligisten also noch keine Angst haben, dass der Bundesligist einfach kommen und sich auf ihre Kosten in der 5. Liga breit machen könnte.

Bei der Eintracht, die ihre Pläne auf Anfrage nicht kommentieren wollte, muss man vorerst weiter damit leben, sich damals mit dem Rückzug der U23 ein Eigentor geschossen zu haben. Und für den Fall der Fälle können die Verantwortlichen schon einmal schauen, welche Reiseziele die Kreisoberliga Frankfurt so zu bieten hätte. Viktoria Preußen, Gudesding Frankfurt und der SV Griesheim Tarik würden die Gästekabine sicher nochmal feucht durchwischen, wenn die große Eintracht zu Gast ist.