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Eintracht Frankfurt dreht gegen Bochum das Spiel und freut sich über drei Siege innerhalb einer Woche. Vor der Partie wird es emotional, nach dem Spiel geht der Blick gen Betis. Die Analyse in fünf Punkten.

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Highlights: Eintracht Frankfurt - VfL Bochum

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Eintracht Frankfurt hat den VfL Bochum am Sonntag mit 2:1 geschlagen. Sebastian Polter (19.) hatte die Gäste in Führung gebracht, die Hessen drehten jedoch die Partie durch ein Eigentor von Erhan Masovic (46.) und einen Treffer von Daichi Kamada (52.).

1. Vor dem Spiel wird es emotional

Es sind die Wochen der traurigen Schweigeminuten. Vor dem letzten Heimspiel gegen Bayern München wurde es still im Frankfurter Waldstadion, als man den Opfern des Ukraine-Kriegs gedachte. Vor der Partie nun die nächste Schweigeminute, als Eintracht Frankfurt der verstorbenen Vereinslegende Jürgen Grabowski gedachte. Sekunden, in denen man im Stadion eine Nadel hätte fallen hören.

Filip Kostic legte ein Eintracht-Trikot mit Grabowskis Nummer zehn in den Mittelkreis, "Helden leben lange und Legenden sterben nie, doch auferstehen werden nur Götter. Bis bald, Grabi", stand auf einem Banner in der Nordwestkurve. Und man kann es nicht oft genug sagen: Ohne Jürgen Grabowski wäre dieser Verein nicht der, der er heute ist. Entsprechend emotional war es, als vor der Schweigeminute Vereinspräsident Peter Fischer ein paar Worte des Beileids an Grabowskis Witwe Helga sprach. Und nach der Schweigeminute Tankards "Schwarz-weiß wie Schnee" gespielt wurde und das ganze Stadion sang: "Wir haben die Eintracht im Endspiel gesehen, mit dem Jürgen, mit dem Jürgen. Sie spielte so gut und sie spielte so schön, mit dem Jürgen Grabowski."

2. Eintrachts Achse funktioniert

Man wolle Jürgen Grabowski mit einem Sieg einen Gruß in den Himmel schicken, sagte Glasner vor der Partie. Für dieses Unterfangen schickte er zum dritten Mal in Folge dieselbe Elf ins Rennen. Wie schon beim 4:1 in Berlin und beim 2:1 in Sevilla stand die Abwehr um Martin Hinteregger, Tuta und Evan N'Dicka sicher, ergänzten sich Djibril Sow und Kristijan Jakic im Maschinenraum des Spiels gut, auch beim Zusammenspiel von Ansgar Knauff und seinen Offensivpartnern meint man, Fortschritte zu sehen. Es scheint, dass die ein oder andere 50/50-Entscheidung im Kader - Hinteregger oder Makoto Hasebe, Jakic oder Sebastian Rode, Knauff oder Timothy Chandler/Danny da Costa - erst einmal gefallen ist.

Und das ist eine ordentliche Stammelf, die die Hessen da beisammen haben. Mehr noch: Die Eintracht hat eine echte Achse, auf die sie auch in Zukunft bauen will. "Wir wollen ein Gerüst an Spielern hier bei der Eintracht halten. Kevin Trapp im Tor, Martin Hinteregger in der Abwehr, Djibril Sow und Sebastian Rode im Mittelfeld und Daichi Kamada und Rafael Borré im Angriff", sagte Trainer Oliver Glasner am Samstag noch vor der Partie. Noch vor zwei Wochen bemängelte Hasebe, dass nicht alle Stammspieler in Form seien. Nun sind sie es - und die Eintracht muss sich mit dieser Stammelf nicht verstecken.

3. Die Flügelzange macht Freude

Auch wenn Glasner den von Borussia Dortmund nur ausgeliehenen Knauff in seiner Aufzählung nicht erwähnte, könnte man sich den 20-Jährigen durchaus längerfristig bei den Hessen vorstellen. Schließlich hat es Knauff tatsächlich geschafft, die Lücke auf der rechten Außenposition zu schließen und mit seiner Schnelligkeit und Spielfreude ein Gegengewicht zu Filip Kostic zu schaffen. Klar, nicht alles klappte bei Knauff, doch schaffte er es immer wieder, gefährliche Situationen zu kreieren. Ein solches Gleichgewicht in der Spielanlage hat es bei der Eintracht lange nicht gegeben.

Zumal Knauff auch bei beiden Toren seine Füße im Spiel hatte. Beim 1:1 legte er den Ball zurück auf Jesper Lindström, dessen Torschuss Erhan Masovic ins eigene Netz spitzelte. Beim 2:1 wenig später erlief Knauff eine lange Kostic-Flanke von links, legte erneut auf Lindström zurück, dessen Ball Kamada schließlich zum Siegtreffer abschloss. Hätte Knauff beim Konter in der 69. Minute den Ball noch auf Borré gebracht, hätte es eine Eins mit Sternchen gegeben.

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Die Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Bochum

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4. Die Präzision bleibt ein Problem

Die Eintracht zeigte Moral und drehte einen Rückstand. Auch waren beide Tore wunderbar herausgespielt. Wenn man dennoch ein Haar in der Suppe suchen will, dann ist es die mangelnde Präzision im letzten Drittel - ein Thema, das sich schon durch die ganze Saison zieht. Und an dem die Hessen dringend arbeiten müssen. Denn wie viele aussichtsreiche Situationen die Eintracht schlampig ausspielt, ist schon wirklich erstaunlich.

Das sind einerseits ganz klare Kontersituationen in Überzahl, in denen der letzte Ball nicht (Knauff auf Borré) oder zu ungenau (Jens Petter Hauge auf Borré) kommt. Das sind ganz oft aber auch die vorletzten Pässe im Mittelfeld, die eine gefährliche Situation überhaupt erst einleiten könnten. Zu oft treffen die Hessen schlechte Entscheidungen in diesen Situationen, spielen den falschen Pass oder den richtigen Pass zu unpräzise - und berauben sich damit der Möglichkeit, ein Spiel wie jenes gegen den VfL Bochum früher zu entscheiden. "Dass wir das Spiel innerhalb von zehn Minuten drehen, ist schon unglaublich. Was wir hätten machen müssen, wäre das dritte oder vierte Tor nach einem Konter", sagte der eingewechselte Christopher Lenz nach der Partie. Da kann man ihm nicht widersprechen.

5. Europapokaaaaaaaaaal

Völlig egal aber, denn die Eintracht hat ein schwieriges Spiel gegen einen unangenehmen Gegner gedreht und damit eine blitzsaubere Drei-Siege-Woche hinter sich. Wohin das in der Liga führen wird, wird sich noch zeigen, die Tabelle ist eng. "Es bringt uns jetzt nicht viel, wenn wir wieder auf die Tabelle schauen. Wir müssen unsere Aufgaben machen und dann schauen wir am Ende, was passiert", sagte Keeper Kevin Trapp nach dem Spiel treffend.

Zumal jetzt sowieso erst einmal wieder Europacup ansteht, am Donnerstag kommt Betis Sevilla zum Rückspiel nach Frankfurt und wird sicherlich anders auftreten als im Hinspiel. Die Hessen können Betis mit breiter Brust empfangen, die Leistungen in den letzten drei Spielen waren gut, gegen den VfL Bochum gelang der erste Heimsieg in 2022. Am Donnerstag kann gerne der nächste folgen.