Amin Younes Jubel Eintracht Frankfurt FC Bayern

Egal, wer sich gerade mit Eintracht Frankfurt anlegt: Er verliert. Das musste nun auch der FC Bayern erfahren. Die Hessen besiegten damit nicht nur ein absolutes Topteam, sondern setzen auch abseits des Sportlichen ein Zeichen. Die Analyse in fünf Punkten.

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zum Video Die Eintracht-Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Bayern

Adi Hütter in der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Bayern
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Eintracht Frankfurt hat auch gegen den FC Bayern München gewonnen. Die Hessen besiegten den Tabellenführer mit 2:1 (2:0). Die Tore für die Frankfurter erzielten Daichi Kamada (12. Minute) und Amin Younes (31.), der Anschlusstreffer von Robert Lewandowski (53.) war für die Gäste in der Folge zu wenig.

1. Erstes Zeichen schon vor der Partie

Das Spiel war enorm wichtig, das war schon vor dem Anpiff der Partie klar. Spitzenspiel hin oder her: Auch ein anderes Thema war an diesem Wochenende enorm wichtig. Der rassistische Anschlag von Hanau jährte sich zum ersten Mal - und das ging auch an Eintracht Frankfurt nicht spurlos vorbei.

Die Hessen bereiteten sich in speziellen Warmmachshirts auf die Partie vor, das Stichwort war: #SayTheirNames. Auf den Shirts der Eintracht waren die Namen der Opfer des Anschlags zu lesen, eine Aktion die Eintracht-Präsident Peter Fischer schon unter der Woche angekündigt hatte. Das erste - wichtige - Zeichen war damit schon vor der Partie gesetzt.

2. Rasanter Eintracht-Start

Bei diesem einen Zeichen wollte es die Eintracht gegen die Bayern aber nicht belassen. Pressing, Pressing, Pressing - und zwar von Minute eins, war das Motto. Die Frankfurter überfuhren den ersatzgeschwächten Rekordmeister aus München dermaßen, dass die Arena im Stadtwald in der Anfangsviertelstunde einer stark befahrenen Einbahnstraße in der Frankfurter Innenstadt glich. Die einzige Richtung: das Tor von FCB-Keeper Manuel Neuer.

Nach nur 12 Minuten stand es daher folgerichtig 1:0. Daichi Kamada vollendete eine schöne Kombination über Amin Younes und Filip Kostic zur frühen Führung. Knapp zwanzig Minuten später stand es schon 2:0. Younes jagte einen Ball wundervoll in den Winkel des Münchner Gehäuses (31.). Die Eintracht, man kann es nicht anders beschreiben, überrollte die Bayern mit einer Wucht, die auch dem FCB in dieser Form selten begegnet.

3. Younes ist überall

Apropos Younes: Wer den Spieler der Partie suchte, wurde schnell fündig. Der Sommer-Neuzugang aus Neapel war im ersten Abschnitt omnipräsent, machte mit der Münchner Hintermannschaft, was er wollte - und war nie zu fassen. Der Offensiv-Freigeist, der in Frankfurt zwar keine großen Anlaufprobleme hatte, aber dennoch ein paar Spiele und Wochen brauchte, um sein ganzes Potenzial auszuschöpfen, ist nun der absolute Fixpunkt in der Offensive. Oder eben: ein Zehner mit genialen Momenten.

"Ich bin nach Frankfurt gekommen, um wieder Spaß am Fußball zu haben", sagte Younes nach der Partie. Genau den hat er augenscheinlich auch wieder gefunden. Younes sorgt aber nicht nur für Ausrufezeichen auf dem Platz. Nach seinem Tor rannte er zur Ersatzbank, ließ sich ein Aufwärmshirt mit den Namen der Opfer des Anschlags in Hanau reichen und streckte dieses empor. "Mir war es sehr wichtig, das Shirt zu zeigen", betonte er hinterher. "Dafür steht Eintracht Frankfurt, dass wir zusammengehören und aneinander denken." Dass dieser Spieler zur Eintracht passt, dürfte spätestens jetzt auch dem letzten klar geworden sein.

Amin Younes jubelt

4. Zittern bis zum Schluss

So schön die erste Halbzeit aus hessischer Sicht auch war, die zweite Hälfte war eine absolute Zitterpartie. Der FCB schaffte schon in der 53. Minute durch Robert Lewandowski den Anschlusstreffer, danach schwammen - auch das gehört zur Geschichte dieser Partie - die Frankfurter bedenklich. Die Münchner waren am Drücker, ein zweiter Treffer gelang dem Starensemble des Rekordmeisters aber nicht.

Dennoch sorgte die Partie durch das knappe Resultat in der zweiten Hälfte für reichlich abgekaute Eintracht-Fan-Fingernägel. Dass Ragnar Ache in der 79. Minute nach einem Zweikampf mit Alphonso Davies keinen Elfmeter - Gott (und nicht der VAR) weiß warum - bekam, half nicht unbedingt, dass die hessischen Nerven beruhigt wurden. Aber: Am Ende reichte es dennoch.

5. Was! für! ein! Statement!

Was wurde in dieser Woche nicht alles über das ganz große Spitzenspiel geschrieben und ob die Eintracht diesem (leichten) Druck standhalten könnte. Und wie sie konnte! Der Sieg gegen die Münchner, bei aller Frankfurter Bescheidenheit hinterher, war ein riesiges Statement, das größtmögliche Ausrufezeichen zu diesem Zeitpunkt in der Bundesliga.

Für die Eintracht geht es um die Champions League, das ist spätestens jetzt klar. Und dass die Eintracht nur gegen die Kleinen punktet, ist nun auch widerlegt. Die Frankfurter gehören in der Tabelle genau dort hin, wo sie aktuell stehen. Dieser Sieg bewies das eindrucksvoll. Wer solche Ausrufezeichen setzt, ist zu Hohem berufen.