Ilsanker jubelt

Eintracht Frankfurt gewinnt bei Werder Bremen drei wichtige Punkte und eine Erkenntnis: Die Hessen hätten viel früher einfach mal in den Vorratsschrank schauen sollen. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Pk nach Bremen
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Eintracht Frankfurt hat das Nachholspiel bei Werder Bremen mit 3:0 (0:0) gewonnen und sich damit deutlich von den Abstiegsplätzen abgesetzt. Die Tore erzielten André Silva (60. Minute) und Stefan Ilsanker (81./90.).

1. Abschied aus dem Abstiegskampf

Das Wort war schon nach dem 2:1-Sieg in Wolfsburg am vergangenen Wochenende in und ist es jetzt umso mehr: Befreiungsschlag. Lagen die Frankfurter vor gut einer Woche noch zwei Punkte vor Relegationsrang 16, sind es nun acht. Fünf Spieltage vor Schluss ist das deutlich mehr als die halbe Miete in Sachen Klassenerhalt.

Möglich gemacht haben das zwei Auswärtssiege, was für die Eintracht-Saison 2019/2020 absolut untypisch ist: Zuvor waren es magere sieben Punkte in der Fremde, nun kamen sechs innerhalb von wenigen Tagen hinzu. "Das war ein unfassbar wichtiger Sieg", fasste Torhüter Kevin Trapp zusammen. Mit einem weiteren Sieg gegen Mainz 05 am kommenden Samstag wäre der Klassenerhalt klar und der Club könnte endgültig für die nächste Bundesliga-Saison planen.

2. Klare Steigerung in der zweiten Halbzeit

In der ersten Halbzeit war das Nachholspiel alles andere als ein Leckerbissen - ruppige Zweikämpfe und Fouls dominierten die Partie. Bremen war dabei drauf und dran, der Eintracht den Schneid abzukaufen, zumal Vorkämpfer Martin Hinteregger Glück hatte, nicht mit Gelb-Rot vom Platz zu fliegen. "Wir sind nur getrabt und nicht gelaufen", so das deutliche Trapp-Fazit.

In den zweiten 45 Minuten sah Trainer Adi Hütter sein Team deutlich "abgeklärter", Bremen kam gar nicht mehr gefährlich vor das Tor von Trapp, und auch die Zweikämpfe nahm die Eintracht besser an - sinnbildlich dafür stand die Balleroberung von Makoto Hasebe im Mittelfeld vor dem 1:0. Im Anschluss ließen die Frankfurter nichts mehr anbrennen und legten sogar noch zwei Mal nach.

3. Silva wird immer wertvoller

Die Saison von Leihspieler Silva lief durchwachsen - bis zur Corona-Pause. Denn in den vergangenen fünf Spielen traf der Portugiese gleich vier Mal. Die Leistungssteigerung kommt genau zur richtigen Zeit, denn durch die Verletzung von Goncalo Paciencia und das Formtief von Bas Dost, der sich in den vergangenen zwei Spielen zunächst auf der Bank wiederfand, nach Einwechslung aber jeweils ein Tor auflegte, hatte die Eintracht dringenden Bedarf nach einem Knipser. Der ist Silva nun - und die Hoffnungen, dass er auch in der kommenden Saison für die Hessen aufläuft, dürften bei den Fans immer größer werden.

4. Und dann kam Ilsanker

Sein 87. Bundesliga-Spiel wird Ilsanker in besonderer Erinnerung behalten: Der Österreicher, der zuletzt eher unglücklich agierte und das Spiel in Wolfsburg wegen einer Gelbsperre verpasst hatte, kam in der 81. Minute für den ausgepumpten Sebastian Rode, lief direkt durch in den gegnerischen Strafraum und drückte einen Eckball nach Kopfball-Verlängerung von Dost über die Linie.

Seinem ersten Bundesliga-Tor ließ er kurz vor Abpfiff sogar noch das zweite folgen. "So etwas wie heute habe ich noch nie erlebt", sagte der neue Eintracht-Goalgetter im Anschluss freudestrahlend. "Das ist das Ketchup-Flaschen-Prinzip: lange kommt gar nichts und dann gleich alles auf einmal."

5. Ärger mit der Werder-Bank

Hütter wurde nach der Partie deutlich - und zwar in Richtung Werder-Bank. "Ich mag es nicht, wenn der Torwarttrainer sich dazu bemüßigt fühlt, den Cheftrainer zu attackieren. Wenn mein Torwarttrainer das macht, schicke ich ihn auf die Tribüne", sagte er über Christian Vander, Torwarttrainer von Werder Bremen. Der war dem Österreicher zu vehement unterwegs.

"Jeder kämpft für seinen Verein, aber man muss nicht bei jeder Entscheidung hochspringen. Das hat etwas mit Respekt zu tun", ergänzte er bei Sky. Cheftrainer Florian Kohfeldt nahm er von seiner Kritik dabei jedoch aus.

Weitere Informationen

WERDER BREMEN - EINTRACHT FRANKFURT 0:3 (0:0)

Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Veljkovic, Moisander, Friedl (77. Augustinsson) - Vogt (84. Woltemade) - M.Eggestein, Klaassen – Bartels (62. Rashica), Selke (62. Sargent), Osako (77.Bittencourt)

Frankfurt: Trapp - Abraham, Hasebe, Hinteregger - Kohr, Rode (81. Ilsanker) - Toure, Kamada (77. Sow), Gacinovic (87. de Guzman) - Silva (77. Dost)

Tore: 0:1 Silva (61.), 0:2 Ilsanker (81.), 0:3 Ilsanker (90.)
Gelbe Karten: Veljkovic, Bartels / Hinteregger

Schiedsrichter: Ittrich (Hamburg)
Zuschauer: keine

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