Frankfurts Spieler jubeln mit den Fans.

Eintracht Frankfurt holt mit dem 1:0 in der Europa League gegen Antwerpen erstmals in dieser Saison einen Sieg. Zu den Helden des Abends wurden die Spieler von der Bank. Doch der Triumph wird überschattet von Ausschreitungen in Antwerpen.

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Nach einer scheinbar endlos wirkenden Serie von Unentschieden gewinnt Eintracht Frankfurt zum ersten Mal unter Trainer Oliver Glasner: Das 1:0 (0:0) bei Royal Antwerpen sichert der eingewechselte Goncalo Paciencia mit einem Elfmeter-Tor in der 90. Minute.

1. Das Comeback von Goncalo Paciencia

Goncalo Paciencia pustete mehrmals aus, bevor der Schiedsrichter endlich den Ball freigab. Der Portugiese war noch nicht lange auf dem Feld und schnappte sich doch den Ball für den Elfmeter in der letzten Minute des Spiels in Antwerpen. Das jüngste EM-Endspiel mit den Fehlschüssen der englischen Joker hätte gegen Paciencia als Schützen gesprochen - doch sein Blick kündete von tiefster Überzeugung. Er verlud sodann den gegnerischen Torwart und lief freudeschreiend los.

In diesem Moment pulverisierte Paciencia nicht nur die lange Leidenszeit der Frankfurter ohne eigenen Sieg, sondern vor allem seine eigene in den vergangenen zwölf Monaten. Paciencia erlebte die Horrorsaison beim FC Schalke 04 mit, was für sich genommen schon genug Frustration für ein Menschenleben hervorrufen könnte. Zudem verletzte er sich noch schwer am Knie und wurde bei seiner Rückkehr an den Main nun nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Die Fans hatten ihm eine Lobhudelei auf Schalkes Anhänger nicht verziehen, die sportliche Führung suchte europaweit nach Mittelstürmern, als käme Paciencia nicht einmal in Betracht.

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Belgische Fans zünden Pyrotechnik gegen Frankfurt.
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"Er hatte keine einfache Zeit, doch hat sich schon in der Vorbereitung reingebissen und um seine Position gekämpft", sagte Trainer Glasner nach dem Spiel über ihn. "Dass er beim Elfmeter die Verantwortung übernommen hat, nötigt mir den größten Respekt ab." Manchmal bekommen Namen dann doch symbolischen Wert, Paciencia bedeutet schließlich Geduld.

2. Routinier Makoto Hasebe ist zurück

Auf dem Ausweis mag Makoto Hasebe 37 Jahre alt sein. Doch es scheint, als sei er wie Mel Gibson im Film "Forever Young" in eine Kapsel eingefroren worden und werde dadurch nicht älter. Vor dem Spiel in Antwerpen holte ihn Trainer Glasner wieder heraus und fand daneben noch die etwas eingestaubte Dreierkette. Der Plan ging auf: Hasebe spielte routiniert und ballsicher, er gab den Nebenleuten Halt. "Er hat eine grandiose Leistung geboten", sagte Glasner nach der Partie. Das gleiche Lob verteilte er an den zurückgekehrten Almamy Toure, der rechts neben Hasebe auflief. "Er war zweikampfstark und hat klug gespielt."

Zwar zeigte auch die Dreierkette die bekannten Indisponiertheiten, generell profitierten aber auch die Außen Filip Kostic und Timothy Chandler vom System. "In der ersten Halbzeit hat es gut funktioniert, dass wir über außen Überzahl geschaffen haben. Timothy konnte drei sehr gute Flanken schlagen." Ob das Defensivsystem weiter beibehalten wird, hängt auch von Hasebe ab, denn der musste verletzt raus. "Ich werde alt, ich habe Krämpfe bekommen", scherzte er später. Der Japaner müsste also erst einmal zurück in die Kühlkapsel oder in die Eistonne von Per Mertesacker.

3. Lammers und Hrustic enttäuschen

Zwei Spieler hingegen konnten das Vertrauen des Trainers nicht rechtfertigen. Ajdin Hrustic lief im offensiven Mittelfeld auf - auch aufgrund des schlechten Gewissens von Glasner. "Er hatte gute Leistungen gebracht und dann seinen Platz nach der Verpflichtung von Jakic eingebüßt", erklärte der Coach. Doch Hrustic' Ideen gingen zu selten auf, viele Pässe liefen ins Nichts. Ebenso unglücklich verlief der Abend für Sam Lammers, der sich immer wieder festrannte und einfache Ballverluste fabrizierte. Ein schlechter Abend wird Stürmern mitunter verziehen, doch Lammers offenbart mit seiner Spielweise auch ein Problem für die Eintracht-Offensive.

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Er lässt sich gerne tiefer und nach außen fallen, um Bälle zu bekommen. In der 30. Minute verteilte er so den Ball, doch als danach Chandler flankte, fehlte Lammers im Zentrum. Sturmpartner Rafael Borré kam oft nicht schnell genug nach, um die Lücken von Lammers zu schließen. Wenn die Eintracht mit der Fünferkette vor allem nun über außen gefährlich werden will, braucht sie einen fixen Angreifer im Strafraum. Sollte Lammers diese Rolle nicht ausfüllen können - am Donnerstag hat ein Joker seine Bewerbung für den Job abgegeben (siehe Punkt 1).

4. Krawalle überschatten das Spiel

Kurz nach der Pause musste die Eintracht einen Schockmoment überstehen. Ein Böller flog in den Strafraum von Kevin Trapp und explodierte zwischen den Beinen des Keepers. Trapp ging zu Boden, der Schiedsrichter unterbrach die Partie. Nach kurzer Zeit konnte Trapp weiterspielen, Trainer Glasner berichtete, dass es ihm weitestgehend gut gehe. Bereits am Nachmittag hatten Hooligans der Eintracht gewaltsam versucht, eine Bar zu stürmen. Nach der Partie griffen dann belgische Anhänger die Frankfurter Fans an, Interviews der Spieler mussten abgebrochen werden.

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Von großen Emotionen bei Europapokalabenden war da nicht mehr viel übrig - die erste Auswärtstour der Eintracht in Europa und der erste Sieg wurden von den Ausschreitungen überschattet. Die Uefa wird Ermittlungen einleiten, Antwerpens Trainer entschuldigte sich noch auf der Pressekonferenz.

5. Ausgerechnet jetzt warten die Bayern

Glasner wurde von seinem Analysten gefragt, wann er denn die Aufnahmen der Bayern studieren wolle. Am Sonntag (17.30 Uhr) tritt die Eintracht beim Rekordmeister an. "Zeig es mir am besten gar nicht", entgegnete der Trainer mit einem Augenzwinkern. Gerade nach den übezeugenden Auftritten zuletzt wirken die Münchner unverwundbar. Immmerhin: "Die Erwartungshaltung ist so gering wie das ganze Jahr nicht", fand Glasner noch etwas Positives. Tatsächlich kann Frankfurt am Sonntag eigentlich nur gewinnen. Gegen ein Erfolgserlebnis spricht aber nicht nur die Stärke der Bayern, sondern auch die Verfassung der Eintracht.

Zwar feierte die Mannschaft nun den ersten Sieg, bot aber auch in Antwerpen spielerisch eine ziemlich harte Kost. Die Pässe kamen ungenau, die Laufwege stimmten nicht, die Bewegung ohne Ball ließ zu wünschen übrig. Das führte so weit, dass selbst Abwehrmann Martin Hinteregger kurz vor Schluss zu einem Verzweiflungs-Sololauf in der gegnerischen Hälfte ansetzte. Auf solche (wenn auch unterhaltsamen) Szenen werden die Frankfurter am Sonntag verzichten müssen. In München dürfte Hinteregger etwas mehr in der Abwehr zu tun bekommen.

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