Djibril Sow schaut sorgenvoll in den Himmel. Im Hintergrund ist der Ausschnitt "Europa" auf einer Werbebande zu sehen.

Eintracht Frankfurt hat nach der Hälfte der Saison direkten Kontakt zu den internationalen Plätzen und inzwischen jede Zurückhaltung abgelegt. Der fehlende Mut im Herbst könnte aber noch schmerzen. Das Hinrunden-Fazit.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Die Hinrunden-Bilanz von Martin Hinteregger

Hinteregger in Freiburg
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Es ist inzwischen knapp ein halbes Jahr her, dass Trainer Adi Hütter über seine Ambitionen mit Eintracht Frankfurt sprach. Auf der ersten Pressekonferenz dieser Corona-bedingt nach wie vor merkwürdigen Bundesliga-Saison umkurvte der Österreicher zwar geschickt das Formulieren von klaren Zielen und vermied eine Kampfansage. Er wolle aber wieder eine Mannschaft haben, "die versucht, die Art und Weise von Fußball aus dem ersten Jahr zu spielen", sagte Hütter damals. Mehr Tempo, mehr Offensive, mehr Spektakel. Ist ihm das gelungen? Ein Blick zurück auf die Hinrunde.

Die harten Fakten

Die Eintracht steht nach der Hälfte der Saison auf einem respektablen achten Platz und hat gerade einmal einen Punkt Rückstand auf die internationalen Plätze. Selbst die Champions League liegt mit nur zwei Zählern Abstand in greifbarer Nähe, mit lediglich zwei Niederlagen in 17 Spielen sind die Hessen zudem auf Augenhöhe mit den Spitzenteams aus München und Leipzig.

Das hätte besser laufen können

Getrübt wird das positive Gesamtbild jedoch durch den Rekordwert von neun Unentschieden. An den Remis gegen RB Leipzig (1:1), Borussia Dortmund (1:1) oder zuletzt in Freiburg (2:2) gibt es zwar wenig bis nichts auszusetzen. Und selbst der Last-Minute-Nackenschlag gegen Gladbach (3:3) oder die komplett verpennte Anfangsphase bei Union Berlin (3:3) sind in der Endabrechnung verzeihbar.

Vor allem im Herbst ließen die Hessen aber beste Möglichkeiten liegen, schon jetzt unter den Top-Vier der Liga zu stehen. Die Punktverluste gegen Köln (1:1), Bremen (1:1) oder Stuttgart (2:2), als die Eintracht trotz Überlegenheit viel zu ängstlich und zögerlich agierte und dann zu viele Fehler einbaute, könnten in der Endabrechnung noch richtig schmerzhaft werden. "Natürlich hätten wir bei dem einen oder anderen Unentschieden einen Sieg einfahren können", gab Hütter am Mittwoch zu. Die Eintracht hat sich mit ihrem zwischenzeitlichen Angsthasenfußball selbst einer besseren Ausgangslage beraubt. Kurzum: Da war mehr drin.

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zum Video Die Pressekonferenz nach dem Spiel der Eintracht in Freiburg

Adi Hütter auf der Pressekonferenz vor dem Spiel in Freiburg.
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Das macht Mut im Rennen um Europa

Nach einem Aufwärtstrend im Dezember und einem starken Januar geht die Tendenz aber klar nach oben. Von den vergangenen sechs Bundesliga-Partien gewann die Eintracht vier, eine Niederlage gab es zuletzt am 11. Dezember in Wolfsburg (1:2). Der größte Mutmacher, und das ist entscheidend, ist derzeit die spielerische Weiterentwicklung. Mit zunehmender Dauer der Spielzeit ließ Hütter sein Team immer mehr von der Leine und setzte beim Personal auf Fußballer statt auf Kämpfer.

Spätestens seit der letzten Länderspielpause Ende November, in der Sportvorstand Fredi Bobic erstmals offen von Europa sprach, hat sich bei der Eintracht etwas verändert. Mit Ausnahme des Totalausfalls beim VfL Wolfsburg agierten die Hessen fortan deutlich offensiver und mutiger. Die Umstellung auf ein System mit zwei Zehnern und die steigende Form des überragenden Spielmachers Amin Younes führten dazu, dass die Eintracht derzeit in der Offensive wieder stark an vergangene Büffelherden-Zeiten erinnert.

Die ganz große Wucht gibt es zwar nicht mehr, die fußballerische Qualität ist dank Spielern wie Younes, Djibril Sow, Aymen Barkok, Daichi Kamada, Filip Kostic, Andre Silva und Rückkehrer Luka Jovic aber immens. "Das ist fußballerisch im Moment mit das Beste in der Liga", bescheinigte Freiburgs Coach Christian Streich. Die Eintracht macht wieder Spaß und hat das Potenzial, sich im oberen Drittel der Tabelle festzusetzen.

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Fazit und Ziele

Nach 17 absolvierten Spieltagen lässt sich festhalten: Hütter und die Eintracht sind trotz Anlaufschwierigkeiten und einigen schwachen Auftritten im Herbst auf einem guten Weg. Das zwischenzeitlich sehr mutlos auftretende Team hat sich dank guter Umstellungen und den richtigen Spielern auf den richtigen Positionen zu einem heißen Kandidaten für den europäischen Wettbewerb gemausert. "Wir werden bis zum Schluss um die internationalen Plätze mitspielen", legte auch Hütter nach der Partie in Freiburg endgültig jede Zurückhaltung ab. Sollte die Eintracht diese Entschlossenheit auch weiterhin auf dem Platz zeigen, steht dem Weg nach Europa nichts im Wege.