Eintracht-Eigengewächs Aymen Barkok wollte schon im Winter wechseln.

Aymen Barkok wollte Eintracht Frankfurt mit sofortiger Wirkung in Richtung Mainz 05 verlassen. Doch dazu kam es nicht. Nun schließt er sich erst im Sommer den Rheinhessen an. Ein Blick zurück auf die Zeit rund um den Deadline Day. 

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Barkok wollte wechseln

Aymen Barkok hat in Frankfurt wohl keine Zukunft mehr.
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Das Testspiel zwischen Mainz 05 und Eintracht Frankfurt verkam am vergangenen Donnerstag schnell zur Randnotiz. Am Abend tauchte die Meldung auf: Aymen Barkok wird die Hessen im Sommer ablösefrei zum Rivalen nach Mainz verlassen. Die Rheinhessen kommunizierten dies in Richtung Eintracht hr-sport-Informationen zufolge am Rande dieser Partie.  

Barkok-Aus bei Eintracht schon im Oktober beschlossen

Aus Sicht der Frankfurter war diese Option nicht zufriedenstellend. Bereits im Oktober wurde Barkok von Eintracht-Seite mitgeteilt, dass sein im kommenden Juni auslaufender Kontrakt nicht mehr verlängert wird und er sich ab sofort einen neuen Klub suchen soll. Trainer Oliver Glasner setzte auf andere Kräfte, der Offensivmann war nur noch ganz selten gefragt. Die Hessen wollten etwas Bewegung in den Kader bekommen, den Umbruch fortsetzen. Ohne Abgänge war dies budgettechnisch nicht möglich.

Barkok, der gerne in Frankfurt verlängert hätte, schaute sich seitdem gezielt auf dem Markt um. Mannschaften wie der VfL Bochum, AEK Athen oder Nottingham Forrest klopften an, aber die Mainzer setzten sich gegen große Konkurrenz durch und sicherten sich die Dienste des Eigengewächses der Frankfurter zum Nulltarif.

Alle Seiten prüften Winter-Option

Einen Wintertransfer hatten die 05er dabei zunächst nicht im Blick, da sie sich im zentralen und offensiven Mittelfeld bestens gerüstet sehen. Im Sommer, wenn die Kontrakte von Kevin Stöger und Jean-Paul Boetius auslaufen, traut man Barkok dann eine wichtige Rolle zu.

"Er ist ein technisch hochbegabter, offensiver Mittelfeldspieler, der auch von seiner Art und Mentalität hervorragend zu Mainz 05 passen wird", freut sich Sportdirektor Martin Schmidt auf den Neuzugang. Da die Einsatzchancen in Frankfurt weiterhin gering sind, wäre Barkok allerdings für einen sofortigen Wechsel im Winter offen gewesen. Am Deadline Day am Montag wurde diese Option daher von allen Seiten geprüft. 

Für die Mainzer hätte dieser Schritt nur unter ganz bestimmten wirtschaftlichen Bedingungen Sinn ergeben, das Budget war weitestgehend ausgereizt. Ein Vorteil wäre ein sofortiger Transfer mit Blick auf die kommende Saison dennoch gewesen, da sich Barkok bereits an den Stil von Trainer Bo Svensson hätte gewöhnen können. Die Integration wäre dadurch möglicherweise etwas erleichtert worden.

Heidel und Eintracht dementieren Berichterstattung

Dazu kam es allerdings nicht, weil auch die Eintracht den wirtschaftlichen Aspekt in Coronazeiten im Blick behalten muss. Somit fanden alle Parteien in der Schnelle keine brauchbare Lösung.

Einen Bericht der Bild, wonach die Frankfurter gar eine niedrige sechsstellige Summe für das kommende halbe Jahr nach Mainz überweisen und damit bei einem sofortigen Wechsel die Differenz im Gehalt von Barkok ausgleichen sollten, dementierte Mainz-Geschäftsführer Christian Heidel im Gespräch mit dem hr-sport jedoch entschieden. Die Berichterstattung habe ihn verwundert.

"Wir haben mit der Eintracht weder über einen sofortigen Wechsel gesprochen noch verhandelt und noch viel weniger eine Gehaltsbeteiligung gefordert. Wir sind mit dem Wechsel von Aymen Barkok im kommenden Sommer absolut zufrieden", so Heidel. Und auch von Seiten der Eintracht konnte die Version, wonach Mainz Geld für einen einen Lohnausgleich Barkoks haben wollte, auf Nachfrage des hr-sport nicht bestätigt werden.

Svensson konnte Barkok überzeugen

Barkok selbst wird die restliche Zeit bei der Eintracht nun für sich nutzen und sich mit Blick auf die Doppelbelastung Bundesliga und Europa League weiter für Spielminuten anbieten. Für die Aufgabe bei den 05ern hat sich der Dribbler aus der Frankfurter Nordweststadt ganz bewusst entschieden. Svensson konnte ihn auf Anhieb von seiner Spielidee und seinem Plan überzeugen.  

Aus Sicht der Mainzer ist ihnen ein Coup geglückt. Barkok hat 63 Bundesligapartien und acht DFB-Pokal-Spiele bestritten und lief einmal in der Europa League auf. 2018 wurde das Eigengewächs mit den Frankfurtern Pokalsieger, insgesamt kommt er auf zehn Torbeteiligungen.  

Mainz landet einen Coup

Ein Talent aus dem eigenen Nachwuchs ablösefrei an den Bundesliga-Nachbarn abzugeben, ist für die Eintracht in der Gesamtaddition bitter. Barkok war 2016 der letzte Spieler, der den Sprung vom Riederwald zum Profi geschafft hat. In Mainz will er zukünftig sein Potenzial vollumfänglich ausschöpfen.