Adi Hütter beim Spiel in Gladbach

Mit einem TV-Interview hat Adi Hütter Spieler, Fans und Verantwortliche von Eintracht Frankfurt irritiert. Vor dem Spiel gegen den FC Augsburg am Dienstag schlagen die Emotionen hoch.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Adi Hütter emotional: "Es tut mir in der Form leid"

Adi Hütter von Eintracht Frankfurt
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Im Fan-Forum von Eintracht Frankfurt und in den sozialen Netzwerken geht es hoch her. Vor dem so wichtigen Heimspiel gegen den FC Augsburg (Dienstag, 20.30 Uhr) wissen viele Anhänger gar nicht mehr wohin mit ihren Gefühlen. Der Augsburg-Kick entwickelt sich immer mehr zu einem Endspiel im Kampf um einen Champions-League-Platz. "Wir haben jetzt ein Mal fürchterlich gespielt. Wenn wir oben bleiben wollen, sollten wir das Spiel gewinnen", sagte Adi Hütter am Montag.

Hütter räumte ein, dass das "fürchterliche Spiel" am vergangenen Wochenende bei Borussia Mönchengladbach wohl auch damit zusammenhing, dass in den Tagen vorher "einfach sehr viel passiert" sei. Stichwort: Hütter-Wechsel nach Gladbach. Hütter steht bei den Fans aber auch persönlich massiv im Kreuzfeuer der Kritik. Die Meinungen der Anhänger reichen von Zurückhaltung ("Lass die Eintracht erstmal gegen Augsburg spielen") bis hin zu Ablehnung ("Hütter raus").

Umstrittenes TV-Interview

Vereinsvertreter sind in diesem speziellen Fall froh, dass sich diese Emotionen im Spiel gegen Augsburg nicht im Stadion Bahn brechen können. Wegen der Pandemie sind Zuschauer von dem Spiel ausgeschlossen, so bleiben dem Trainer mögliche "Hütter raus"-Sprechchöre erspart. Sprechchöre, die auch die Mannschaft verunsichern könnten. Trotzdem sind im Verein einige darüber irritiert, wie empathielos sich Trainer Hütter aktuell verhält.

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zum Video Die Eintracht-Pressekonferenz vor dem Augsburg-Spiel

Hütter PK vor FCA
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Dies zeigte sich auch nach der 0:4-Schlappe in Gladbach. Hütter gab ein Interview beim ZDF, über das seit dem späten Samstagabend in Fan-Kreisen heftig diskutiert wird. In dem Interview sagte Hütter Sätze wie: "Schönes, tolles Stadion [in Gladbach; d. Red.], gleich schön wie das Frankfurter Stadion. Die Farben verändern sich, der Verein verändert sich."

Er habe sich auf Marco Rose gefreut, sei aber auch enttäuscht über die Niederlage. Das Ganze sagte Hütter mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Die Hütter-Aussagen empfanden viele Fans, die ihrerseits nägelkauend daheim vor der Bundesliga-Tabelle saßen, als respektlos.

Hütter reagiert emotional

Auf die Anschuldigungen der Fans reagierte Hütter am Montagmittag: "Wenn es so rausgekommen ist, dass die Fans extrem enttäuscht sind, dann tut mir das in der Form auch leid. Natürlich wird jetzt auf alles, was ich sage, reagiert." Als Alleinschuldigen will sich der Österreicher aber nicht abstempeln lassen.

"Ich habe jetzt fast 140 Spiele für diesen Verein gemacht, habe meine ganze Leidenschaft, meine ganze Emotion, meine ganze Liebe zu dieser Arbeit, zu diesem Verein, zu diesen Menschen gegeben. Wenn sie jetzt jemanden suchen, der Schuld ist, dann muss ich das auf mich nehmen". Eines sei aber auch klar: dass die Menschen dann nicht wüssten, was er in den vergangenen drei Jahren für den Verein gegeben habe.

Die Mannschaft muss sich zurück auf die Siegerstraße bringen

Die Fans schauen indes verstärkt auf die Spieler. Deren überdimensionierter Siegeswillen hat die Eintracht in den vergangenen Wochen zu den Erfolgen gegen den FC Bayern, Dortmund oder Wolfsburg getragen. Dieser Wille, von dem bei der Niederlage in Gladbach wenig zu spüren war, muss nun zurückkehren.

Am Tag nach dem 0:4 schauten die Eintracht-Verantwortlichen in der Kabine schon wieder in entschlossene Spieleraugen. Jeder angeschlagene Eintracht-Profi wollte sich behandeln lassen, jeder will gegen Augsburg spielen. So ist die Hoffnung da, dass die Gladbach-Niederlage eine Ausnahme, und nicht der Beginn eines Abwärtstrends war. Helfen sollen sich die Spieler selbst.

Anführer könnten Makoto Hasebe (wenn ihn Hütter spielen lässt), Kevin Trapp, Martin Hinteregger (wenn er nach seiner Oberschenkelverletzung spielen kann), Sebastian Rode und Amin Younes sein. Hütter glaubt an die Mentalität des Teams: "Die Mannschaft hat den Charakter, um eine Reaktion zu zeigen." Ob der Trainer persönlich in dieser kritischen Situation der Mannschaft noch positive Impulse geben kann, ist aktuell die große Frage.

Sendung: heimspiel!, hr-fernsehen, 19.04.21, 23.10 Uhr