Jesper Lindström breitet die Arme beim Rennen aus und freut sich.

Noch im Oktober stand er heftig in der Kritik, im Dezember spielte Jesper Lindström überragend. Das Geheimnis des Aufsteigers dreht sich ums Pumpen und seine Partner. Jetzt hat er nur noch ein Problem: Er braucht Möbel.

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Lindström: Mit einem guten Gefühl in die Ferien

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Eigentlich müsste sich Oliver Glasner jeden Tag Sorgen machen. Der Trainer der Frankfurter Eintracht berichtete kürzlich, dass er in einem morgendlichen, virtuellen Fragebogen den Zustand seiner Spieler prüfe. Dabei sollen die Profis auch angeben, wie gut sie geschlafen haben. Bei den Antworten von Jesper Lindström müssten normalerweise die roten Lampen blinken. Denn der Angreifer erklärte nun in einem Interview mit dem Vereinsmagazin, dass seiner Freundin und ihm in der neuen Wohnung im Frankfurter Westend noch einige Möbelstücke fehlen würden. "Zum Beispiel ein Sofa und ein Bett."

Wie genau Lindström nun schläft, blieb da weiterhin offen. Doch selbst wenn der Däne mit dicken Augenrändern zum Training erscheinen würde, wäre ihm derzeit wohl ein Platz in der ersten Elf sicher. Der 21-Jährige war in den letzten Monaten des Jahres einer der entscheidenen Spieler - und maßgeblich am Frankfurter Höhenflug beteiligt. Am 4. November legte er den Siegtreffer in Piräus auf, beim Auswärtsspiel in Freiburg brachte er die Eintracht mit einem überlegten Außenrist-Schuss in Führung. Es war seine Torpremiere.

Sieben Scorer-Punkte in acht Spielen

Noch besser lief es aber im Dezember: Er traf gegen Leverkusen, in Gladbach und gegen Mainz, bereitete in Hoffenheim und in Gladbach Tore vor. Ergibt: sieben Scorer-Punkte aus den letzten acht Partien. "Wir sind froh, mit so einem positiven Erlebnis in die Pause zu gehen. Wir haben mehr erreicht, als wir zu Beginn dieser Reise gedacht haben", sagte er nach dem Spiel.

Denn der Beginn der Reise verlief durchaus holprig: Lindström kam im Sommer für sieben Millionen Euro von Bröndby IF und galt als einer der flinken, technisch versierten Umschaltspieler im anvisierten System von Glasner. Nach den ersten Spielen machte sich unter den Beobachtern Skepsis breit, weil dieser Spielertypus im Kader überrepräsentiert und Lindström buchstäblich wie ein Leichtgewicht wirkte. Zu oft ließ er sich in den Zweikämpfen "abkochen" oder traf die falsche Entscheidung beim Pass- und Positionsspiel. An dieser Stelle wurden seine Schwächen gerade im Spiel gegen die Hertha (auch im Video) bemängelt.

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Im Zusammenschnitt: So katastrophal lief das Eintracht-Spiel nach vorne

Jens Petter Hauge im Spiel der Eintracht gegen Hertha.
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"Vor allem das Tempo, aber auch das körperbetonte Spiel und die vielen gelaufenen Kilometer" hätten ihm zu schaffen gemacht, gab Lindström selbst nun im Interview zu. Also marschierte er häufiger in den Kraftraum und pumpte sich zwei bis drei Kilogramm Muskelmasse drauf. "Es macht für mich auch mental einen großen Unterschied, dass ich meinen Körper jetzt mehr einsetzen kann und mich vor den Zweikämpfen nicht scheue", sagt Lindström.  

Lindström: Tempo hat mir zu schaffen gemacht

Gleichzeitig bekam auch die Eintracht ab November eine breitere Brust. Trainer Glasner fand seine Stammformation und Achse - und machte es so auch dem Neuzugang Lindström leichter, die Automatismen zu verinnerlichen. Lindström harmoniert aktuell mit seinen Offensivpartnern Daichi Kamada und Rafael Borré so gut, weil sich die drei aufeinander abstimmen konnten.

Der Youngster, der in seiner Jugendzeit in Taastrup von seinem damaligen Trainer den Spitznamen "Jobbe" verpasst bekam, bewegt sich nun auch immer besser in den Räumen. Beim Ausgleich in Mönchengladbach half er beim Gegenpressing und spielte im richtigen Moment seinen Partner Borré an. Beim 1:0 gegen Mainz marschierte er auf direktem Weg mit zum Tor, damit ihn seinerseits Borré wunderbar bedienen konnte.

"Jobbe" trinkt nun sogar Apfelwein

Und so manifestiert sich der Eindruck, dass die noch im Spätsommer verrufenen 7,5 Millionen Euro Ablöse für Lindström richtig angelegt waren. So mancher Bundesligist hat eine ähnliche Summe auch für einen Trainer investiert. Lindströms Vertrag in Frankfurt läuft noch bis Juni 2026.

Das bietet reichlich Zeit zur Eingewöhnung, auch wenn die Integration des Dänen jetzt schon auf Hochtouren läuft: Zuletzt trank Lindström auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Stadion erstmals warmen Apfelwein.