Trainer Adi Hütter von Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt ist zurück im Training und bereitet sich auf entscheidende Wochen vor. Auf und neben dem Platz muss etwas passieren, Trainer Adi Hütter und Sportvorstand Fredi Bobic sind gefordert. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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zum Video Dost-Wechsel auch eine Chance für die Eintracht?

Das leere heimspiel-Studio mit dem Schriftzug: HEIMSPIEL – Dost weg – Chance für die Eintracht?
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Nach zwei Tagen voller Corona- und Fitnesstests beendet Eintracht Frankfurt am Mittwoch offiziell die kurze Winterpause. Trainer Adi Hütter bleiben knapp 72 Stunden Zeit, um seine Mannschaft auf den Pflichtspiel-Auftakt im neuen Jahr gegen Bayer Leverkusen vorzubereiten. Ein Überblick über den Stand der Dinge.

Wie ist der aktuelle Gemütszustand?

Dank des abschließenden Siegs beim FC Augsburg und dem damit verbundenen Ende der Frankfurter Sieglos-Serie, konnten alle Beteiligten einigermaßen zufrieden Weihnachten feiern. Die ganz große Euphorie ist derzeit zwar nicht spürbar, der Trend ist aber positiv. "Natürlich hatten wir Höhen und Tiefen, natürlich ärgert uns der eine oder andere Punkt, den wir liegengelassen haben", fasste Sportvorstand Fredi Bobic in einem vereinseigenen Interview zusammen. Die harten Fakten: Die Eintracht steht nach 13 Spieltagen mit 17 Punkten auf Platz neun. Die internationalen Plätze sind vier Zähler, der Abstiegs-Relegationsplatz sieben Zähler entfernt

Wie war die Winterpause?

In einem Wort: kurz. Nach dem letzten Spiel am 19. Dezember ging es für die Spieler für eine knappe Woche in den Urlaub. Martin Hinteregger etwa nutzte die Zeit für einen Abstecher nach Österreich, Keeper Kevin Trapp besuchte seine Familie im Saarland. Bas Dost suchte das Weite und heuerte beim FC Brügge an.

Seit Montag sind alle Spieler wieder in Frankfurt und absolvierten die obligatorischen Fitness- und Corona-Tests. Ab jetzt wird bis zum 22. Mai durchgespielt.

Was sieht das Programm der kommenden Tage aus?

Knackig. An große Silvesterfeiern ist in diesem Jahr ohnehin nicht zu denken, für die Eintracht-Profis gestaltet sich aber wohl selbst das kurze Anstoßen um Mitternacht schwierig. Richtig ernst wird es nämlich bereits am 2. Januar mit dem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen. Nur eine Woche später wartet dann direkt die erste Englische Woche inklusive der Nachholpartie im DFB-Pokal. Gegner: erneut Bayer Leverkusen.

Warum ist der Januar so wichtig?

Bis auf die beiden Partien gegen die Werkself aus Leverkusen trifft die Eintracht im ersten Monat des Jahres 2021 ausschließlich auf Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte. Den Anfang macht der 1. FSV Mainz 05 (09.01.), es folgen Schalke (16.01.), Freiburg (20.01.), Bielefeld (23.01.) und Hertha BSC (30.01.). Spätestens nach diesen Partien werden die Hessen wohl wissen, wohin die Reise in diesem Jahr gehen kann. Von der Rückkehr ins Rennen um Europa bis zum Abrutschen in Richtung gefährlicher Zone ist alles möglich. "Wir können uns eine richtig gute Ausgangslage verschaffen", blickt Trainer Adi Hütter voraus. Klar ist: Der Januar wird vorentscheidend.

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Wer ersetzt Dost?

Komplett überraschend kam der Abschied von Dost in Richtung Belgien wohl nicht, sein Abgang an Heiligabend beschert den Frankfurter Kaderplanern aber neue Herausforderungen. Da derzeit mit André Silva nur noch ein fitter Angreifer im Kader steht, muss so früh wie möglich ein neuer Mann an seiner Seite her. Die Gerüchte um den Nachfolger von Dost ranken von Luka Jovic über Cenk Tosun bis hin zu Joshua Zirkzee vom FC Bayern, auch in Frankreich soll die Eintracht auf der Suche sein. Eine Tendenz oder ein Favorit sind derzeit aber nicht erkennbar.

Welcher Spielertyp würde passen?

Dass auf Wand- und Stoßstürmer Dost erneut ein ähnlicher Spielertyp folgt, ist wohl eher unwahrscheinlich. Der Eintracht, die ihre Stärken im Pressing und dem schnellen Umschaltspiel hat, fehlt es in der Offensive ganz erheblich an Geschwindigkeit. Jetzt hätte sie die Chance, aus dieser Personalnot eine Tugend zu machen. Ragnar Ache bringt zwar genau diese Elemente mit. Da der U21-Nationalstürmer aber wohl noch bis Ende Januar ausfällt, sollte die Eintracht jetzt reagieren und Toptorjäger Silva einen schnellen Mann an seine Seite stellen.

Im Heimspiel gegen Leverkusen muss die Eintracht übrigens in jedem Fall noch ohne Neuzugang auskommen. Das Transferfenster öffnet zwar am 2. Januar, aufgrund der Corona-Bestimmungen ist ein Einsatz eines Winter-Transfers jedoch frühestens eine Woche später möglich.

Gibt es weitere Neuzugänge?

Angesichts der Corona-bedingt eher klammen Frankfurter Kasse sind wohl keine großen Sprünge zu erwarten. "Wir beobachten den Markt wie gewohnt mit großer Ruhe und schauen, ob etwas möglich ist. Eine Notwendigkeit sehe ich aber nicht unbedingt", ließ Bobic zumindest eine kleine Hintertür offen. Ein Ersatz für den scheidenden Kapitän David Abraham, der seine Karriere nach dem 17. Spieltag beenden wird, soll nicht verpflichtet werden.

Wahrscheinlicher als Neuzugänge sind da wohl eher weitere Abgänge. Danny da Costa, Marijan Cavar (ja, den gibt es noch) oder Jetro Willems sind mögliche Kandidaten.

Gibt es Lücken im Kader?

Bis auf die offensichtlichste Lücke im Sturm ist der Frankfurter Kader an sich gut aufgestellt. Ein richtig starker Rechtsaußen oder ein spielstarker Achter würden den Hessen zwar weiterhin guttun. Dass diese Probleme in diesem Winter angegangen werden, ist aber wohl nicht zu erwarten.

Was ist das Saisonziel?

Nachdem vor der Saison viele Spieler offen von der Europa League und gar der Champions League sprachen, sind die Ansprüche in den vergangenen Wochen etwas gesunken. Da Sportvorstand Bobic in der Länderspielpause aber erneut ankündigte, dass sich die Hessen in der Rückrunde im oberen Bundesliga-Drittel etablieren wollen, ist das Ziel klar: Die Eintracht schielt auf Platz sechs, der in dieser Saison erstmals zum Start in den Europa-Conference-League-Playoffs berechtigen würde. Na, wenn das kein Ansporn ist.

Was muss Trainer Adi Hütter tun?

Die positive Tendenz nach der Länderspielpause, die nur durch das schwache Auswärtsspiel in Wolfsburg kurzzeitig gestoppt wurde, muss unbedingt fortgeführt werden. Heißt: Hütter muss sein Team von der Leine lassen. Die Eintracht ist am besten, wenn sie mutig, offensiv und ein bisschen anarchisch auftritt. Die biederen Auftritte gegen Köln, Bremen, Stuttgart oder Wolfsburg mit ängstlichen Aufstellungen und ängstlichem Fußball sollten der Vergangenheit angehören. Dann könnte das Jahr 2021 besser werden als es das Jahr 2020 über weite Strecken war.

Sendung: hr1, 30.12.20, 11 Uhr