Sebastian Rode trainiert nach seiner Knie-OP wieder mit.

Nach der Knieoperation steht Sebastian Rode wieder auf dem Trainingsplatz. Doch in seiner Abwesenheit haben andere Spieler die Lücke hervorragend ausgefüllt. Bleibt dem Kapitän also nur die Bank?

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Eintracht-Trainer Oliver Glasner
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Es geschieht nicht oft, dass eine komplette Mannschaft beim Training applaudiert. Doch als Sebastian Rode nach seiner Knieverletzung in der vergangenen Woche wieder auf den Rasen zurückkehrte, drückten seine Kollegen so ihre Freude über das Comeback aus. Rode ist immer noch ein Gesicht dieser Mannschaft, wurde zum Kapitän ernannt und agierte vor seiner Verletzung als Taktgeber im defensiven Mittelfeld.

Gerade in der vergangenen Saison hat der 31-Jährige an Profil gewonnen, indem er als Erster öffentlich den Einfluss der Personalunruhen auf das sportliche Abschneiden klar benannte. Auch während seiner Verletzungspause behielt Rode das Gespür fürs Team. "Ich habe versucht, viele Gespräche zu führen, wollte schon wissen, wie ist die Stimmung im Training, wie ist sie, wenn die Mannschaft unterwegs ist bei den Spielen", erzählte er jüngst im Interview mit der Frankfurter Rundschau.

Sechser-Position: Jakic wird zur Antriebsfeder des Teams

Doch mit seiner Rückkehr stellt sich auch die Frage: Wo soll Rode eigentlich spielen? Der für ihn geholte Kristijan Jakic füllte die Rolle bislang so gut aus, dass er eigentlich nicht aus der Mannschaft wegzudenken ist. Der Kroate mag manches Mal den Ball noch zu lange halten, doch seine Aggressivität und die Balleroberungen wirken wie eine Antriebsfeder für die gesamte Mannschaft. Und dann ist da noch der Zweite auf der von Rode ausgeübten Sechser-Position: Djibril Sow, einer der absoluten Gewinner in dieser Spielzeit.

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Der gegen Union Berlin eingewechselte Sebastian Rode von Eintracht Frankfurt
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Um Sows Qualitäten zu veranschaulichen, muss man beim 2:1-Siegtreffer der Eintracht in München einige Sequenzen zurückspulen. Sow festigte da den Ball vor dem eigenen Sechzehner, legte ihn überlegt nach außen auf Filip Kostic - wie von Trainer Oliver Glasner gefordert. Der Ballverteiler Sow setzte danach zum Sprint nach vorne an, während Kostic, Sam Lammers und Jens Petter Hauge am Strafraum der Bayern hin- und herspielten.

Sow nicht aus der Startelf wegzudenken

Den folgenden Abpraller erkämpfte sich Sow in einem 50:50-Zweikampf und legte die Kugel mitten in der Bewegung gleich wieder auf den freistehenden Kostic. Dessen Schuss schlug zum Siegtreffer ein. Es war ein Geniestreich des Serben - aber hervorragend eingeleitet, herausgearbeitet und vorbereitet von Sow.

Kurzum: Auch er ist aus der Startformation der Eintracht nicht wegzudenken. Die Doppel-Sechs mit Jakic wird Glasner wohl kaum aufbrechen, wenn Rode wieder einsatzfähig ist. Einem alten Grundsatz zufolge braucht ein Spieler in etwa die Ausfallzeit einer Verletzung, um sein altes Niveau wieder zu erreichen. Hieße: Rode würde ohnehin erst einmal auf der Bank Platz nehmen. Vor dem Spiel gegen die Hertha liefert aber ein Blick in die Vergangenheit zu einem Spiel gegen die Berliner eine Lösung.

Rode im offensiven Mittelfeld?

Im Dezember 2019 traf die Eintracht daheim auf die Gäste aus der Hauptstadt. Rode wurde eingewechselt und setzte in der Offensive wichtige Akzente, sodass die Eintracht erst mit ihm einen 0:2-Rückstand noch aufholte (Endstand: 2:2). Den zweiten Treffer erzielte er dabei selbst.

Selten, aber immer wieder probierten ihn die Trainer vorgerückt im offensiven Mittelfeld aus. In der jetzigen Situation entwickelt die Idee dadurch Charme, dass der erfahrene Rode dem mitunter sehr unausgegorenem Offensivspiel Stabilität verleihen könnte. Dagegen spricht: Rode ist zum einen nicht torgefährlich genug, zum anderen nicht der von Glasner auf dieser Position favorisierte typische Umschaltspieler. Nach Ballgewinnen in der Hälfte des Gegners sollen die Frankfurter blitzschnell Richtung Tor wetzen.

3-4-3-System als Lösung - Rode als Stabilisator der Offensive

Eine Alternative könnte die sogenannte "Mittelfeld-Raute" sein: In einem 3-4-3-System wäre Jakic als alleiniger Sechser der "Staubsauger" vor der Kette; Sow und Rode könnten als Achter hinter einem offensiven Mittelfeldspieler das Spiel strukturieren. Rode selbst hat in der FR gesagt, dass die Frankfurter im Spiel nach vorne "teilweise einfache, haarsträubende Fehlpässe" spielen. "So etwas kann einem wirklich das Genick brechen und kostet irrsinnig viel Kraft. Momentan machen wir noch zu viele Fehler in den entscheidenden Situationen. Das sollten wir abstellen."

Mit Rodes und Sows Ballsicherheit könnte Glasner dieses Problem beheben - gleichzeitig die Schwäche auf den Defensivaußen kaschieren. Der Trainer muss also wählen, ob Rode auf die Sechs, die Zehn oder die Acht geht - oder auf die Bank. Eintrachts Kapitän ist wieder an Bord. Die Frage ist, ob er schon direkt wieder ans Steurrad darf.

So könnte die Eintracht mir Rode in der Raute spielen.